Sommerzeit ist Grillzeit

„Das übernehme ich!“ Der Gast nahm dem Hausherrn die Grillzange weg. „Das kann ich super, du wirst sehen!“ Dazu machte er mit der Hand diese Geste vor dem schnalzenden Mund, die sagt, dass etwas einfach köstlich ist.

Er lieh sich meine Schürze aus und band sie lose um. Er erklärte mir, wie lange es dauern würde, bis das Fleisch gar sei. Ich solle dafür sorgen, dass bis dahin alles bereit sei.

Der Gastgeber atmete auf. Nie ist er so gestresst, wie wenn der Grill angeschmissen wird. Immer geht etwas schief. Entweder hat es zu wenig Glut oder zu viel. Einmal waren es die Steaks, die zu lange auf dem Rost blieben. Eines der Kinder hatte ihn gefragt, ob er den Lehrsatz des Pythagoras kenne, und gegen den hatte ein Steak keine Chance. Aber man hat ja einen Komposthaufen im Garten.

Ein anderes Mal kam die dralle Nachbarin dazu. Sie fragte, ob sie ihre Würste auch mit braten dürfe. Dann aber rief ihr Ehemann, weil eine Leitung tropfte. Der Mann, der eigentlich grillen sollte, ging mit, erkannte die Ursache und wurde danach als Held gefeiert. Die Feier fand aber beim Anblick der dunkelschwarzen Würste ein jähes Ende. Gut, dass wir einen Kompost hatten.

Dann gab es noch die Hühnerschenkel, die nicht gar werden wollten. Denn es fing an zu regnen und er wollte mit dem Regenschirm vor dem Grill stehen bleiben. Bis ihm der Kragen, der voller Wasser war, platzte, und er alles auf den Kompost schmiss.

Beim nächsten Mal half man sich gegenseitig. Eines guckte nach dem Wetter. Zwei beaufsichtigten ihn und das zu grillende Gut, damit nichts verkohlte. Die übrigen Leute standen herum, um auf die aufzupassen, die ihn beaufsichtigen sollten.

Es nützte alles nichts. Ein Freund fuhr in elegantem Bogen mit seinem neuen Ferrari vor. Alles stürzte zu dem Wagen hin. Jeder durfte einsteigen und mit dem Besitzer eine Runde drehen. Welch ein Gefühl von Freiheit und dann die neidvollen Blicke der besitzlosen Nachbarn!

Danach ass man kleinlaut den Kartoffelsalat, nackt, also ohne Fleisch, und sorgte einmal mehr für guten Kompost.

Dem begabten Gast würde das also nicht passieren. Er wich keine Sekunde von dem Grill. Als er fertig war, legte er die perfekt gebratenen Fleischstücke auf eine Platte, hob sie mit Schwung hoch und wollte sie mit einer ausladenden Bewegung elegant auf den Tisch stellen. Dann blieb er mit dem zu lasch um den Bauch gebundenen Schürzenbändel an der Grillhalterung hängen.

Zehn entsetzte Augenpaare verfolgten den Flug des Essens, das sich als Landeplatz, wie das bei dieser Familie üblich ist, den Komposthaufen ausgesucht hatte.

Danach verkauften wir den Grill auf ebay, und gingen mit dem Erlös zu McDonald’s. – Denn, wenn ein Grill etwas gegen die Besitzer hat, muss man sich von ihm trennen.

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