K(r)ampf in der Küche

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Quarktorte Verdana – Familienrezept

Fotos vom Essen auf dem Smartphone speichern? Viele tun das und selbst ist man keine Ausnahme. Torten, Gemüseplatten, Gebäck. Nicht mit dabei alle diese gewöhnlichen Alltagsgerichte, die man ein Leben lang seiner Familie Tag für Tag vorsetzt. Bratwurst mit Rösti, Spiegelei mit Spinat und Bratkartoffeln, Rührei mit Speck, Frikadellen mit Apfelbrei, Nudeln mit Hackfleischsoße, glasierte Kastanien mit Rotkraut, Fischstäbchen, gebratenes Hähnchen, Kartoffeln, mageres Schnitzel, Napfkuchen, Hefezöpfe, Suppe.

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Gemüsesuppe mit Schweinswürstchen – ein Wintergericht

Aber warum fotografiert man das Essen? Wahrscheinlich weil nach dem Verzehr von dem Essen und von der ganzen Arbeit kein Krümel und nicht die geringste Spur, sondern nur schmutziges Geschirr übrig bleibt. So aber hat die Köchin wenigstens ein paar Bilder…

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Das englische Kaffeegeschirr

Dann überlegte man, seit wann man eigentlich kocht oder kochen muss. Denn Kochen schien für Frauen meiner Generation ein Muss zu sein. Man hat uns damals also nie gefragt, ob wir das gerne tun möchten und überhaupt Lust dazu haben. Man hat auch nicht geguckt, ob man Talent dazu hat. Wer mit weiblichen Merkmalen geboren wurde, musste einfach kochen können. Das war sozusagen Gesetz.

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Grillfest im Garten

Schon im Kleinkindesalter begann man damit, uns Mädchen ungefragt in die ländliche Kochkunst vom EMMENTAL einzuführen. Das fing mit dem Schälen von Obst und dem Pellen von Kartoffeln an. Wir waren eine grosse, schwer arbeitende Familie von Selbstversorgern, die Unmengen Futter brauchte. So standen die Frauen der Familie jeden Tag Stunden in der Küche, um die Früchte der Feldarbeit zu verwerten. Gefühlt mindestens das halbe Leben. Es gab noch kein fliessendes heisses Wasser und es wurde noch mit Holz und Feuer gekocht. Butter, Brot, Schmalz, Sauerkraut, Marmelade, Wurst und Schinken, alles wurde selbst hergestellt.

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Wunderschöne Geburtstagstorte – in Zusammenarbeit mit meiner Tochter

Im Alter von acht, zehn Jahren war es soweit. Man stellte uns zarte Töchter an den Herd. Ging auch gut, wir hatten ja kleine Füsse. Wir konnten also Kalbsleber und Hefezopf für eine siebenköpfige Familie zubereiten, bevor wir wussten, wie man sich die Beine epiliert. Man wundert sich heute, dass so kleine Personen mit den riesigen Pfannen und Töpfen klar kamen und sie das Haus nicht mit dem offenen Herdfeuer in Brand setzten.

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Köstliche Cupcakes, made by meiner Tochter

Mit fünfzehn Jahren zog ich für ein Jahr in die französische Schweiz. Die herzkranke Madame musste mir nichts mehr beibringen, das hatten Mama und die Oma schon getan. Sie konnte mir also die Küche getrost überlassen. Dort kochte täglich Berge von Essen für eine grosse Familie und zahllose Gäste.

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Der sonntägliche Hefezopf

In Erinnerung an diese vergangenen Zeiten kam ich im Laufe des Nachdenkens auf eine absurde Idee. Ich wollte ausrechnen, wie viele Mahlzeiten ich bisher gekocht hatte. Obwohl ich in Mathe mies bin. Denn Zahlen gefallen mir nur dann, wenn sie hübsch aussehen und nett angeordnet sind. Behauptete letzthin jemand. Und elend daran ist, dass das völlig richtig ist. Ich habe aber diesen Versuch trotzdem gewagt, und man möge mir etwaige Rechenfehler verzeihen.

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So gefallen mir Zahlen am besten – wenn sie schön farbig und nett angeordnet sind

Ich beschränkte mich deshalb vorerst auf die Berechnung der zehn Jahre, in denen ich drei kleine Kinder und nie Urlaub hatte. Das wären dann also zehn Jahre mal 365 Tage, das sind 3650 Tage. Jeden Tag gab es drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten. Insgesamt also fünf Mahlzeiten am Tag. In zehn Jahren mussten somit rund 18’250 Mahlzeiten für eine Familie von meistens rund fünf Leuten zubereitet werden. Das hiess zum Beispiel, jedes Mal fünf Tassen oder Gläser abwaschen.

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Unsere schönen Weingläser

Ich habe also in zehn Jahren ungefähr 91‘250 Gläser oder Tassen hervor geholt, abgewaschen, weggeräumt. Teller, Besteck, Töpfe, Schüsseln, Kochlöffel und Pfannen nicht eingerechnet. Dazu bin ich in Mathe wirklich zu schwach. In vierzig Jahren sind das dann rund 365’000 Tassen und Gläser. Weiter gerechnet, ergibt die Zahl der gekochten Essen für meine Familie auf vierzig Jahre die beeindruckende Summe von 73’000 Kochgängen. Auf die einzelnen Esser eines 5-Personen-Haushalts runtergerechnet wären das dann 365’000 servierte Einzel-Menüs. Auf die Berechnung der Stunden für Planung, Einkauf, Vorbereiten, Kochen und Abwasch habe ich verzichtet. Ebenso vermied ich eine Berechnung der Anzahl Kilogramme von zubereiteten Lebensmitteln und dem herumgeschleppten Geschirr. Es würde sicher mehrere LKWs ausmachen. Die Zahlen, falls sie überhaupt stimmen, sind beeindruckend. Und das Beste daran ist, dass Frauen das tun, ohne dafür ein Gehalt zu kriegen. Sie tun es, weil sie von Liebe, Verantwortungsgefühl, Pflichtbewusstsein und Fürsorge getrieben und beseelt sind. Und aus Angst vor dem Hungertod.

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Nicht immer gerät das Sonntags-Menü so, wie man es haben wollte…

Ich habe also genau wie meine Ahninnen, gefühlt bisher fast mein ganzes Leben in der Küche zugebracht. Abnutzungserscheinungen an meinen Händen zeugen von den vielen tausend Kilogramm Gemüse, die ich geschält und geputzt habe. Oft beginnen mir die Hände weh zu tun, wenn sie das Rüstmesser erblicken. Und des Kochens bin ich inzwischen satt. Denn eines Tages bemerkte ich, dass ich das nicht wirklich gerne tat. Denn es ist ein sehr anstrengender, aufwendiger und stets wiederkehrender Akt. Ich tat es einfach so, wie ein Automat seine Arbeit tut. Ohne nachzudenken. Einfach deshalb, weil es jemand tun musste. Und das war meistens ich.

Die Zeiten änderten sich, alles ist anders geworden. Nach einem langen Arbeitstag noch Stunden in der Küche stehen? Nein. Für etwas, das in fünf Minuten weggeputzt ist? Lohnt sich das?

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Ein Leben ohne Spinat? Undenkbar!

Wenn ich mich heute alleine verpflegen muss, dann mache ich es kurz und schmerzlos. Ich esse also das Gemüse roh. Brokkoli, Tomaten, Gurken, Fenchel, Möhren, Blumenkohl, Radieschen, Kohlrabi, und jede Menge Obst. Ich esse Joghurt, Quark, Brot, Suppe, Käse und Wurst und alles, was keine Arbeit gibt und wenig Geschirr verdreckt. Sind andere an meiner Futterkrippe, dann kommt es auf die Situation drauf an und die Ambivalenz dem Kochen gegenüber wird dementsprechend vorübergehend auf Eis gelegt. Sind Gäste da oder nicht? Sind maulende Teenager am Tisch? Verwandte? Nur die eigenen Kinder und der Ehemann? Kleinkinder? Ausländer? Senioren? Diabetiker?

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Draussen schmeckt es besser…

Oder – hat vielleicht jemand Geburtstag oder eine Prüfung bestanden? Dann stelle ich mich darauf ein und versuche dem gerecht zu werden und es auch wirklich so gut als möglich zu machen. Denn, wenn etwas schon getan werden muss, dann soll man es mit Würde und zudem richtig tun, ob man es nun gerne tut oder nicht. Auch dann, wenn man nur mittelmässig begabt ist. Das ist meine ureigene Definition von der sogenannten „protestantischen Arbeitsethik“.

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Was man von der eigenen Mutter gelernt hat, gibt man an seine Kinder weiter – sensationeller Schokoladenkuchen für einen Geburtstag, gebacken und dekoriert von meiner Tochter

Mit Feinschmeckern hingegen gehe ich lieber ins Restaurant, als sie daheim zu bekochen. Mit diesen Schickimicki-Hobbyköchen, die genau wissen, wie das Schnitzel am besten gerät, welcher Wein in welche So­ße gehört und wann genau der richtige Zeitpunkt ist, wann das zu bratende Huhn geschlachtet werden muss. Ihnen den Gefallen zu tun, über mein selbst gekochtes Essen zu meckern, das tue ich nicht. Denn selbsternannte Gourmets finden immer etwas, das ihnen nicht passt, und wenn es nur die Farbe der Petersilie ist oder ihnen das Muster meiner alten Kochschürze nicht gefällt. Die einzige Hürde ist dann die, sich zu entscheiden, ob man ein Gericht bestellen will, von dem man weiss, wie man es isst, oder ob man sich auf Neues einlassen will…

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Geräuchertes Forellenfilet – wenn die Zeit mal knapp ist

Ich bin also kein Kochfreak. Von den Kochbüchern, die man mir im Laufe meines Lebens, aus was für Gründen auch immer, schenkte, benutze ich meistens nur zwei. Eins ist auf Französisch, aus dem Kanton Waadt, das andere ist das altgediente Berner Kochbuch, mit einfachen, bewährten Rezepten. Kochsendungen verabscheue ich ebenso. Total langweilig. Weshalb soll ich mir etwas ansehen, dass ich jeden Tag selbst tun muss? Das heisst aber nicht, dass ich gegen ein schönes und leckeres Essen im Kreis von lieben Menschen bin. Nein.

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Ein Festtags-Tisch

Zur Gastfreundschaft, die unsere Beziehungen doch sehr bereichert, gehört es eben, dass man andere bewirtet. Und das begeisterte „Danke, das hat super geschmeckt!“, das freut jeden, der fleissig in der Küche werkelte. Ganz toll aber ist es für die, die ein Leben lang kochen müssen, wenn sie selbst eingeladen und bekocht werden. Denn man weiss aus eigener Erfahrung, wie viel Arbeit und Liebe dahinter steckt. So ist man wirklich für jede Einladung dankbar, die einen von der eigenen Kochkunst fernhält. Man geniesst das Essen doppelt, weil man sich weder abgehetzt noch nach Bratenfett riechend an den liebevoll gedeckten Tisch setzen darf.

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Sich überhaupt täglich an einen gedeckten Tisch setzen zu dürfen und genug zu essen zu haben, ist nicht für alle Menschen dieser Erde selbstverständlich. Deshalb finde ich es angebracht, sich fürs Essen zu bedanken. Warum also nicht dem Schöpfer danken, der das gedeihen liess, was so lecker auf dem Teller aussieht? Ein freundliches Dankeschön dem Koch, der den täglichen K(r)ampf mit dem Kochen andern zuliebe auf sich genommen hat? Ein inniges Dankeschön demjenigen, der uns eingeladen hat? Aber sicher!

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So freut man sich trotz viel Arbeit und Mühe immer wieder neu um gelungene Gerichte. Man wird sie wohl weiterhin ab und zu fotografieren. Ich stelle es mir schön vor, später einmal seinen Enkeln zeigen zu können, welche kunstvollen Dinge die vielleicht zittrig gewordenen Hände früher hinkriegten. Aber bis dahin backen und kochen wir bei Bedarf getrost weiter, damit die Welt nicht aus den Fugen gerät. Und wer gerne das Familienrezept für die Ananas-Quarktorte, die man in Deutschland elegant Käsesahne-Torte nennt, haben möchte, darf sich bei der Autorin melden. Wenn man die Zubereitung im Griff hat, die Zutaten im Haus und das Rezept auswendig im Kopf, ist die Torte in einer halben Stunde fertig hergestellt.

Das neue Jahr

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Das neue Jahr ist da. Dem ersten Tag des Jahres folgen weitere 364 neue Tage. Von denen man nicht weiss, was sie bringen werden. Und das ist auch gut so.

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Wenn etwas zu Ende geht, dann fängt auch immer etwas Neues an. Wenn wir eine Schule beendigen, dann tun wir anschliessend etwas anderes, eine Lehre, ein Studium, oder wir gehen arbeiten. Wenn wir ein Land verlassen, dann ziehen wir ein fremdes, und wenn jemand aus unserer Mitte weggenommen wird, dann wird irgendwann ein anderer, lieber Mensch diese Lücke ausfüllen. So können Beginn und Ende einer Sache mit Schmerzen, Trauer und Wehmut beladen sein, oder aber auch mit Vorfreude, Spannung und Erwartung.

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Wir wissen nicht, was dieses neue Jahr uns bringen wird. Werden wir gesund bleiben? Werden wir am Ende dieses Jahres noch Arbeit haben? Werden wir noch am Leben sein? Wo führt unser Weg hin? Was wird in diesem Jahr alles passieren? Welche Schlagzeilen werden uns auf der Frontseite der Tageszeitung anspringen? Man weiss nichts und kann nichts voraussehen oder voraussagen, auch wenn die nationale Astrologin Madame Teissier uns das weis machen will. Die Dinge, die wir vielleicht wirklich wissen möchten, weil sie aus unserer Sicht möglicherweise hilfreich und relevant wären, und von denen es womöglich doch besser ist, sie nicht im Voraus zu wissen, die weiss auch ein Astrologe nicht.

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Es gibt nämlich sehr viele Dinge, die man besser erst vernimmt, wenn es soweit ist, dass man sie vernehmen muss. Denn wir alle erhoffen uns doch nur Gutes. Wir hoffen, dass das neue Jahr schön werden wird, und dass unsere Wünsche und Träume in Erfüllung gehen mögen. Wir hoffen, dass wir gesund bleiben und viele fantastische und unvergessliche Dinge erleben werden. Wir wünschen uns, dass die Menschen nett zu uns sind, uns lieben und mögen, so wie wir sind, und wir selbst bessere Menschen werden, einfühlsamer, verantwortungsvoller, nachsichtiger, gelassener und was dieser Dinge mehr sind.

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Aber – das neue Jahr wird ein Jahr werden, wie so viele vor diesem schon gewesen sind. Nämlich ein Jahr mit Höhen und Tiefen, wie das im menschlichen Leben eben vorgesehen ist. Es gibt bessere und schlechtere Jahre. Solche, da ist alles schön durchmischt. Dann gibt es die, wo das Jahr verrückt spielt – wie das Wetter im April. Aber es gibt auch Jahre, in denen sich die Höhepunkte jagen.

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Man kann aber getrost in ein neues Jahr gehen, auch wenn man nicht weiss, wie es enden wird, was uns erwartet und wohin der Weg geht. Ohne dass man sich vor Sorge verzehren muss. Alles, was den Menschen beschäftigt und ihn belastet, das kann er nämlich Gott hinlegen und somit innerlich zur Ruhe kommen. Denn das, was wir selbst weder kontrollieren können noch im Griff haben, das dürfen wir dem überlassen, der seine schützende Hand über uns hält.

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Somit wünsche ich dir, lieber Leser, von ganzem Herzen einen guten Start in ein schönes, glückliches und von Gott gesegnetes Jahr. Möge es dir gut gehen und mögen der innere Friede, das Glück und deine Zufriedenheit vollkommen sein!

Mit herzlichem Gruss

Marianne

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