Sonntage im EMMENTAL

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Sonntage sind besondere Tage. Für mich ist es der Tag der Woche, an dem uns Gott Ruhe und Erholung verordnet hat. Wie dankbar bin ich dafür! Ohne schlechtes Gewissen darf man sich auf den Liegestuhl legen, stundenlang wandern, spazieren, ein Buch lesen, oder gar nichts tun. Denn der Montag ist auch noch ein Tag.

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Wer sechs Tage die Woche fleissig ist, darf mit gutem Gewissen an einem siebten Tag eine Pause einlegen. So dachten meine Grosseltern. Das dürfe man auch dann, wenn trotz viel Fleiss nicht alles geschafft worden sei. Man komme nicht schneller ans Ziel, wenn man auch am Ruhetag arbeite. Die Welt gehe nicht unter, wenn nicht alles erledigt sei. Es gebe eh immer etwas zu tun, und die Arbeit gehe einem nie aus.

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Ich teile diese Einstellung. Und es ist mir egal, wenn man mich deswegen altmodisch und rückständig nennt. Denn es ist anscheinend sogar wissenschaftlich erwiesen, dass der Mensch in diesem Rhythmus einen Ruhetag braucht. Ich vermute, dass es Folgen hat, wenn man sich keine regelmässige Erholung gönnt. Ausserdem ist der wöchentliche Ruhetag gut fürs Äussere. Er glättet unsere Falten, weil man sich entspannen kann. Es macht also Sinn, den Alltag einmal die Woche hinter sich zu lassen.

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Am Ruhetag hat man Zeit zum Laufen, zum Nachdenken, Beten, Zeit für den Gottesdienst, für die Familie. An Sonntagen halte ich mich gerne in der freien Natur auf.

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Man atmet den herrlichen Duft der Heuwiesen ein, hört das Zirpen der Grillen und das Summen der Bienen. Manchmal ist der Himmel an Sonntagen besonders blau. Mir kommt es jedenfalls so vor. Er sieht einfach blauer aus, wenn ich ihn nicht durchs Fenster meines Büros anschauen muss.

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Nirgends ist der Himmel bei besonderen Wetterlagen so schön wie im EMMENTAL. Über der heimeligen Landschaft liegt Ruhe. Hier findet man zahllose stille Plätzchen zum Verweilen, weitab vom Stress und dem Lärm der übrigen Welt. Grandiose Wolkenbilder ziehen vorbei. Wolken, die aussehen, wie mit dem Pinsel aufgemalt. Unfassbar schön. Man kann sich daran nicht sattsehen. Hier wird die Seele des Menschen von Gott liebkost.

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An solchen fantastischen Tagen kann auch der Ungeübte nette Fotos machen. Denn die ganze Landschaft ist eine Augenweide. Wie ein kostbares Gemälde zeigt sie sich von ihrer besten Seite und posiert so, dass die Kamera gar nicht anders kann, als ein schönes Bild zu schiessen.

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Lieber Leser, wenn Sie sich einmal etwas Gutes tun wollen, und Sie noch nie im EMMENTAL waren, dann sollten Sie das unbedingt einmal nachholen. Bevor Sie einen Trip nach New York planen. New York kann warten. Das EMMENTAL nicht.

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Der Markt der Märkte – Gotthelf-Märit

EMMENTAL – Land zwischen Brauchtum, Tradition und Moderne
Kleine Foto-Tour

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Immer im Juni findet der Gotthelf-Märit in Sumiswald im Emmental, Kanton Bern, statt. Der Markt in Sumiswald gehört zu den schönsten Märkten, die es in der Schweiz gibt.

Sumiswald bietet sich mit dem alten Dorfkern, den wunderschönen und typischen Häusern geradezu an, hier einen historischen abzuhalten. Zahllose Stände laden ein, fast vergessenes Handwerk in Erinnerung zu rufen. Korbmacher, Strohflechter, Drechsler, Seifenmacher, Klöpplerinnen, Töpfer, Waschweiber, Holzschnitzer und viele andere zeigen ihr grossartiges Können und bewahren jahrhundertealte Handfertigkeit vor dem Vergessen.

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Viele Besucher und Marktfahrer tragen stolz ihre Tracht oder historische Kostüme aus der Zeit Gotthelfs.
Als der Markt um halb neun Uhr eröffnet wird, strömen bereits grosse Scharen ins Dorf. Für Unterhaltung ist gesorgt und sie repräsentiert reines, altes Brauchtum, das weiter gepflegt werden will. Erfreulich viele Kinder und junge Leute sind in den traditionellen Vereinen aktiv. In der Trachtengruppe, der Dorfmusik, im Schwingclub. Smartphone und Kleidertracht schliessen sich also nicht aus. Die Besucher sehen Volkstanz, Fahnenschwingen, hören Jodellieder, Zitherspiel, Alphornbläser, den Kinderchor in Tracht.

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Auch das Schwingen der Jungen fehlt nicht. Schwingen – der schweizerische Nationalsport schlechthin. Wie die Grossen gehen auch die Kleinen in Edelweisshemd und Schwingerhose den Wettkampf mit grossem Ernst an.

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Der Markt ist auch eine kulinarische Fundgrube. Köstlichen Käse, Wurst, Honig, Gewürze, Obst, Gebäck, Brot, Wein, Schnaps, alles von fleissigen Händen aus der Region hergestellt.

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Die Vielfalt und der angebotenen und ausgestellten Produkte ist eine Augenweide. Die Menschenmenge nimmt zu, man tritt sich auf die Füsse, aber das tut der guten Laune keinen Abbruch.

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Wer könnte jetzt hier auch schlechte Laune haben? Da ist einer, der mir anbietet, seinen Käse zu kosten, dort einer, der dasselbe mit seiner leckeren Rauchwurst tut, und dazwischen überall Tische und Bänke, wo man etwas essen und trinken, sich ausruhen und den Treiben zusehen kann.

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Der Emmentaler hat echt keinen Grund, schlechte Laune zu haben. Er hat nicht nur schöne Märkte und die schönsten und fleissigsten Frauen weit und breit. Er hat auch ein Brauchtum, das es wert ist, erhalten zu werden. Er hat das Glück, in einer der wundervollsten Gegenden der Welt zu leben.

EMMENTAL – das bedeutet nicht nur Heimat, sondern für mich stets ein kleines Stück Paradies auf Erden.

Der nächst Gotthelf-Märit findet am 13. Juni 2015 statt.

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Ein Bett inmitten von Klatschmohn

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Vor einigen Tagen sprach ich mit ein paar Leuten darüber, wie das einmal im Himmel sein wird. In der Bibel steht nämlich, dass Jesus uns dort eine Wohnung zubereitet. Wir malten uns also aus, wie das dann sein könnte. Die Vorstellung, dass Gottes Sohn das persönlich für uns tut, ist schliesslich absolut umwerfend. „Es wird perfekt sein!“, sagte jemand. Wir versuchten uns vorzustellen, wie unsere persönliche Wohnung dort aussehen wird. Aber es fiel uns schwer. Es war unmöglich, weil es unsere Vorstellungskraft sprengt.

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„Ich werde dort einen kleinen Woll-Laden haben“, sagte eine der anwesenden Damen lächelnd. Jedem fiel etwas ein, das ihm lieb war und das er dort gerne haben würde.

Ich überlegte, was ich besonders mochte, aber mir fiel nichts ein. Der Gedanke, dort noch etwas zu brauchen, erschien mir unsinnig. Bei Gott werden alle unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte komplett gestillt sein. Dann aber kam mir in den Sinn, das ich Blumen besonders mochte. Jede Blume ist auf ihre Art und Weise wunderbar. In ihrer vollkommenen Schönheit ist jede Blüte ein Zeugnis für die fantastische Schöpferkraft eines äusserst kreativen Gottes.

„Ich werde dort ein Bett in einem Feld voller Klatschmohn haben! Ein Bett im Mohnfeld!“, erklärte ich. Alle lachten. „Das stelle ich mir wunderbar vor! Ein Blumenfeld für mich allein, das sanft vom Wind hin und her bewegt wird. Meine meine Wohnung wird also vielleicht voller Blumen sein!“

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Keiner weiss, wie das genau sein wird. Ich vermute aber, dass jede Blüte, die wir zu Gesicht bekommen, ein Hinweis auf das zu erwartende Unfassbare und Herrliche ist, das uns im Himmel vorbereitet wird.

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