Sommerregen – Regensommer

DSC01275

Zwei volle Tage wollte ich mit der Kamera durchs EMMENTAL pirschen. Durch die lieblichste Gegend der Schweiz. Aber das Wetter war gegen mich. Es fand zu Hause sozusagen gar nicht statt. Sommer war gemäss der Applikation auf meinem Smartphone überall auf der Welt, nur hier nicht. Das war also der falsche Ort. Und an einen falschen Ort geht man nicht hin. Auch wenn man ihn gnadenlos und leidenschaftlich liebt.

Also fährt man weg. Nach Hessen. Denn dort regnet es auch. Wo aber keine Berge sind, da hängen die Wolken nicht so tief. Man kann dann trotzdem ein paar Bilder machen.

DSC01268

Man rast also voll in den hessischen Regen hinein. Erlebt man nämlich gerade nichts, hat man nichts, worüber sich zu schreiben lohnt. Wenn also nichts geschieht, dann muss man etwas Mutiges tun, damit etwas passiert.

Auch andernorts gibt es überwältigende Landschaften, die das Herz berühren. Auch bei schlechtem Wetter. Und dazu gehört die Gegend rund um Gießen in Hessen.

DSC01307

Es ist seltsam, dass mir so etwas gefällt, auch wenn es Unkraut ist. Das heisst jetzt aber nicht, dass ich wegen Unkraut nach Hessen gefahren bin…

DSC01291

Ausblick von der Grüninger Warte bei Regen – Kornfeld in Hessen, Wetterau. Wenn fotografisch auch in die falsche Richtung, finde ich es doch irgendwie hübsch…

DSC01271

Regen ist nötig, denn wo es regnet, da gibt es auch Leben. Wenn es Zeiten gibt, wo es nur regnet, hat das auch sein Gutes. Es entsteht keine zweite Wüste Gobi. Ich will jetzt auch wissen, ob es in andern Ländern gleich regnet wie daheim. Denn, vielleicht ist der hessische Regen ja anders? Bunter, heftiger, größere Tropfen vielleicht? Und vielleicht riecht er ja nach etwas Unbekanntem? Nach Handkäse mit Musik? Oder er schmeckt vielleicht ein wenig wie die berühmte grüne Soße, die man in Hessen gerne isst und die so wunderbar schmeckt? Oder er riecht wie daheim? Einfach nach Regen?

IMG_3224

Das ist Handkäse mit Musik – ein kalorienarmer Käse mit einer Zwiebelmarinade. Köstlich. Für unwissende Schweizer: Die Zwiebeln machen die Musik. Es steht also kein Geiger da, der während dem Essen spielt.

DSC01302

Gebeutelt vom hessischem Wind – steht im Feld ein Schweizer Kind
Foto: Thomas Falkenrodt

Wer schreiben will, der muss zuerst etwas erleben. Von nichts kommt nichts. Geschichten entstehen nicht aus dem Leeren heraus. Erzählungen formen sich zu Worten aus Erlebtem. Was uns emotionell beschäftigt, macht Bilder im Kopf. Die Bilder werden zu Worten. Die Worte zu Sätzen. Sie finden den Weg vom Kopf in die Finger. Dann fliessen sie durch die Tasten auf den Screen. Und von da in die ganze Welt hinaus.

DSC01314

Getreidefelder sind faszinierend – und auch bei Regen schön…

DSC01279

Wer noch nie in Hessen war und nicht weiss, wo er den Sommerurlaub verbringen will, fährt am besten dorthin. Die Gegend ist traumhaft schön. Dann besucht man auch gleich noch die Landesgartenschau in Gießen:

http://www.landesgartenschaugiessen.de

DSC01274

Ach ja, bevor ich es vergesse. Hessischer Regen hat keinen Geruch und keinen Geschmack. Er ist wie der Regen daheim. Nass.

Ahorn – am Grenzpfad im Napfgebiet

DSC01208

Aussicht von der Ahornalp

DSC01240

Für kurze Tagesausflüge bietet sich die Ahornalp, kurz Ahorn genannt, wunderbar an. Die Alp liegt am Grenzpfad Napfbergland. Vom zentralen Mittelland der Schweiz führt der Grenzpfad, die Kulturgrenze Bern-Zentralschweiz, durch eine wunderschöne Gegend bis hin zum Brünig. Rund um die Ahornalp hat man eine tolle Aussicht – vom Jura bis zu den Berner Alpen, vom Pilatus bis hin zum Glärnisch.

DSC01250

Das Napfgebiet und das EMMENTAL bieten traumhafte Landschaften und Naturschönheiten.

DSC01251

Den Baum auf dem nachfolgenden Bild findet man auf dem Weg vom Ahorn Richtung Birnbaum-Luthern.

DSC01230_22
Foto bearbeitet von Thomas Falkenrodt

Wer seinen Sommerurlaub zu Hause verbringt und einmal gerne die Gegend besucht, findet hier nähere Informationen:

http://www.grenzpfad.ch

DSC01247

Hier ein Tipp: In den Monaten August und September ist der Sternenhimmel in mondlosen Nächten im EMMENTAL besonders schön und gut zu sehen. Dann sind die Tage schon etwas kürzer und es wird früher dunkel. Die Lichtverschmutzung ist hier noch nicht so arg wie in der Agglomeration und den Städten.

In dieser Zeitspanne kann man jeweils die Milchstrasse auf den Hügeln des EMMENTALS wie beispielsweise bei Eriswil, in ihrer ganzen Pracht bewundern.

DSC01259

Die Landschaft rund um Eriswil ist reizvoll. Das Dorf ist Ausgangspunkt für viele schöne Wanderungen.
http://www.eriswil.ch

Die Legende von der Krone

DSC01048

Gott schuf die Welt, und eine Legende besagt, dass der Allmächtige mit Eiger, Mönch und Jungfrau wirklich etwas ausserordentlich Schönes geschaffen hatte. Als er damit fertig war, blieb noch etwas Material übrig. Also schuf Gott damit den Hohgant. Und darum wird der Hohgant auch die Krone des EMMENTALS genannt.

Diese schöne Erzählung lieferte mir Hans. Mit ihm wollte ich auf den Hohgant.

DSC01129

Ungefähr 12 km Luftlinie nordöstlich von Interlaken her liegt der Hohgant im hinteren EMMENTAL.
Eine 7 km lange Bergkette mit mehreren Gipfeln kennzeichnet ihn. Sein höchster Punkt liegt 2197 m. ü. Meer.

DSC01054

DSC01076

Unter den Bergmassiven vom Hohgant, der Schrattenfluh und den sieben Hengsten befindet sich ein bekanntes, riesiges Höhlensystem. Es ist allerdings nur Höhlenforschern zugänglich.

Vor einigen Tagen habe ich es dann geschafft und den Hohgant bestiegen. Alles, was ich brauchte, war ein kurzfristiger Entschluss, einen freien Tag, stabiles Wetter, die passende Ausrüstung und eben Hans.

DSC01084

Ohne kundigen Begleiter sollte man nie in den Bergen unterwegs sein, wenn man die Gegend nicht so gut kennt. Ich mag die mildere Form des Bergabenteuers, ohne Seil, Pickel und Biwak. Das gefällt mir besser, als mitten in Viertausendern zu hocken und ihre Felswände anzustarren.

DSC01080

In dieser Gegend könnte man sich tot fotografieren, weil es so viel Schönes zu sehen gibt. Aber man will ja hochsteigen und weiterleben, also Beherrschung bitte.

DSC01115

In Anbetracht der tollen Aussicht werden einem die Herzen weit und man freut sich über die wunderbare Schöpfung. An Evolution und Urknall mag man nicht glauben, es erscheint einem unwahrscheinlich, ja ketzerisch, dass etwas so Wunderbares „einfach so“ entstanden sein sollte. Das zu glauben, würde ja einen riesigen Glauben bedingen. Und da war auch die Geschichte von dem Mann, der sagte: „Ich habe keine Probleme mit dem Urknall. Gott schnippte mit dem Finger, und dann knallte es!“

DSC01095

Aber – erfüllte Wünsche haben die negative Eigenschaft, neue Wünsche zu gebären. Auf dieser Wanderung wurde mir klar, dass es noch weitere lohnenswerte Ziele im EMMENTAL gibt. Das Räbloch, die Täuferhöhle, die im Innereriz geschützten Hochmoore, die Schrattenfluh.

Vorerst zieht es mich also noch nicht nach New York.

DSC01111

Dieser Link führt zum Schweizer Fernsehen, das sollte man sich ansehen:
http://www.srf.ch/sendungen/srf-bi-de-luet-wunderland/2012/hohgant-gebiet-krone-des-emmentals

DSC01119

DSC01103