Ganz schön viel…

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…ist 2014 geschehen. Erinnern Sie sich? Alle Jahre wieder sind die Zeitungen im Dezember damit beschäftigt, uns einen Jahresrückblick zu verschaffen. Manchmal wundert man sich, dass dieses und jenes erst im zu Ende gehenden Jahr geschehen ist. Die Zeit vergeht so rasend schnell, dass gewisse Ereignisse in unserer Erinnerung bereits viel weiter zurück zu liegen scheinen. Hinter uns sind gute Stunden, freudige Ereignisse, wundervolle Erfahrungen. Aber auch Misserfolge, Verletzendes und der Abschied von geliebten Menschen.

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Welche Stichworte uns in diesem Jahr beschäftigt haben, sind nachfolgend ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aufgelistet.

Conchita Wurst
WM 2014
iPhone 6
Nahostkonflikt
Robin Williams
MH370
ISIS
Christenverfolgung
Edathy-Affäre
Krimkrise
Ukraine
Geri Müller
Jahr ohne Sommer
Ebola
Erhöhung des Rentenalter der Schweizerinnen
Udo Jürgens
Joe Cocker
Kein Schnee an Weihnachten
Wetterbedingtes Verkehrschaos in Europa

Am meisten betroffen gemacht hat sicher die weltweit zugenommene Christenverfolgung, die unglaublichen Grausamkeiten, die Menschen an Menschen verübten, und weiterhin verüben werden. Ein Gefühl von lähmender, unglaublicher Machtlosigkeit hat von einem Besitz ergriffen und man überlegt, was man dagegen tun kann. Beten? Geld spenden? Protestbriefe schreiben? Demonstrieren? Im eigenen Land dafür sorgen, dass wenigstens hier jeder anständig behandelt wird? Selbst damit zu beginnen, die Menschen so zu behandeln, wie man selbst gerne behandelt werden möchte?

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Die Menschen hier erzählen von ihren Ängsten, was die Zukunft anbelangt. Sie sorgen sich angesichts ihrer Kinder um die Weltlage, die zahlreichen Krisenherde. Sie fürchten neue Krankheiten, instabile politische Verhältnisse. Sie haben Angst vor noch weiter steigenden Kosten, Armut im Alter und Arbeitslosigkeit. Es sieht düster aus.

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Sich aber dem Pessimismus hinzugeben, das macht hoffnungslos. Und Hoffnungslosigkeit darf keinen Platz haben. Hoffnungslosigkeit lähmt und macht passiv. Denn so lange es noch Menschen gibt, die in ihren Herzen Liebe verspüren, so lange wird es auch Menschen geben, die sich für das Gute einsetzen. Es heisst doch so schön: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Das heisst, wer sich selbst mag, hat auch etwas für andere Menschen übrig. Wer mit sich selbst unzufrieden ist, ist wahrscheinlich also auch mit andern ungnädig. Das Gute im eigenen Leben sehen, selbst Gutes zu tun und so zu leben, dass ein friedliches Miteinander in Würde und Respekt möglich ist, kann unser Leben und das unserer Mitmenschen im neuen Jahr besser, freundlicher und glücklicher machen.

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Das Gute schätzen, sich an das Schöne erinnern, das wir hatten, das sollte uns dankbar und zufrieden machen. Und wenn wir die unterstützen, die in einer schwierigen Lage sind, tun wir damit auch 2015 bestimmt nichts, das falsch ist..

Möge Ihnen das neue Jahr viel Freude bringen, und mögen Sie selbst ein Teil des Guten sein, dass das Leben des Einzelnen besser macht oder besser machen kann.

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Alles Gute und Gottes Segen zum neuen Jahr. Mögen Ihre Wünsche, Träume und Erwartungen in Erfüllung gehen.

Julias Weihnachtsfest

Mein Weihnachtsgeschenk – eine Weihnachtsgeschichte für Sie

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Julia sah dem Weihnachtsfest mit gemischten Gefühlen entgegen. Sehr gerne wäre sie der Familienfeier fern geblieben. Aber ihr fiel keine glaubwürdige Ausrede ein. Es war doch Weihnachten! Da sass man doch friedlich und einträchtig zusammen! Aber bei Julia daheim war das nicht so. Julia war in eine Familie hinein geboren worden, die so ganz anders war als sie selbst. Zwischen Julia, ihren Eltern und ihren Geschwistern gab es keine Gemeinsamkeiten. Alles, was Julia interessierte, fand ihre Familie uninteressant. Und das, was ihre Geschwister und Eltern spannend fanden, gefiel Julia nicht.

Julia war etwas schüchtern, aber hilfsbereit und taktvoll. Sie interessierte sich für Kunst, Kultur und klassische Musik, und für andere Menschen. Ihre Familie hingegen interessierte sich für Volksmusik, Kampfsport und Armbrustschiessen, und in erster Linie für sich selbst. Julia hatte sich damit abgefunden, sich unter ihnen wie ein Fremdkörper zu fühlen. Stets hatte sie sich um ein gutes Verhältnis zu ihnen bemüht. Sie konnte aber tun und lassen was sie wollte, es wurde ihr negativ ausgelegt. Jedes Wort und jede Handlung ihrerseits wurden verdreht und es waren zahllose falsche Behauptungen über Julia im Umlauf. Ausserdem wurde sie immer herum kommandiert und es wurde über sie hinweg bestimmt. Gab es ein Fest zu feiern, war sie die Letzte die davon erfuhr. Man legte das Datum fest, ohne sie zu fragen, ob es ihr dann auch passen würde. Wenn sie dann verhindert war, wurde sie schikaniert. Es fielen Begriffe wie Egoismus und mangelnden Familiensinn. Obwohl sie schon längst erwachsen war, konnte es der Familie in den Sinn kommen, etwas grundlos von Julia zu fordern. Julia realisierte, dass das nicht gut war. Sie müsste endlich Grenzen setzen. Aber das fiel ihr schwer.

Eines Tages stand sie im Garten der Mutter. Sie fotografierte die Blumen. Zur Mutter sagte sie: „Guck, die Kamera ist neu. Ich bin noch nicht so vertraut damit. Ich versuche aber, hier ein paar Fotos zu knipsen und wenn sie einigermassen gut sind, mache ich für dich zu Weihnachten ein Fotobuch. Und den Geschwistern kann ich ja dann zu Weihnachten eine Foto-CD machen, falls ich die Zeit dazu finde. Mal sehen!“

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Das Jahr nahm seinen Lauf und Julia plante wie immer exakt. Ihre Arbeit bedingte dies. Sie hatte nicht viel Spielraum, aber gelernt, damit umzugehen. Ende November würde sie wie immer alle Geschenke eingekauft haben. Danach würde sie noch Zeit haben, das Fotobuch zu machen, vielleicht noch die CDs zu brennen, Plätzchen zu backen und Karten zu schreiben. Sie freute sich darauf.

Beginn November kam eine Nachricht von ihrer Schwester. Mit der Aufforderung, ihr die Foto-CD, die Julia versprochen hatte, gefälligst endlich zu schicken. Sie wolle einen Weihnachtsbrief machen und dazu ein paar von den Fotos verwenden, die Julia im Sommer gemacht hatte. Julia war verdutzt. Der Ton des Schreibens war arrogant, vorwurfsvoll und befehlend. Julia überlegte. Wenn sie damals nämlich keine Kamera dabei gehabt hätte, dann müsste ihre Schwester sich anderweitig Fotos besorgen und wäre erst gar nicht auf den Gedanken gekommen. Julia hatte das einfach zufällig so von sich aus und für sich gemacht. Ihr Vorschlag, den Geschwistern vielleicht eine CD zu machen, verpflichtete sie zu nichts. Wenn ihre Schwester also von dem Garten keine Bilder hatte, dann war das nicht Julias Problem. Heute hatte jeder ein Handy mit Kamera und ihre Schwester immer das neuste Modell. Sie checkte ihren Kalender und sah, dass sie vor Beginn Dezember sowieso keine Zeit hatte, sich damit zu befassen. Sie hatte Wichtigeres zu tun.

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Mitte Dezember war sie dann soweit. Sie war ein wenig enttäuscht, dass die Fotos nicht besonders gelungen waren. Sie versuchte, sie noch ein wenig zu bearbeiten. Aber es brachte nicht viel. Mit den besten Bildern erstellte sie das Fotobuch und brannte die CDs. Aber das Programm bockte und sie musste jemanden fragen, der sich damit auskannte. Als sie dann fertig war, sandte sie zwei CDs an ihre Schwester und erwähnte, dass die Bilder leider nicht so toll waren. Mit der Bitte, eine der CDs dem Bruder, der in Namibia lebte, beim nächsten Urlaub zu geben. Ihre Schwester besuchte ihn fast jährlich. Das fand Julia toll, dass er jedes Jahr von Astrid Besuch erhielt und sie die Möglichkeit hatte, das zu tun. Bestimmt ein gutes Mittel gegen Roberts Heimweh.

Nach ein paar Tagen erhielt Julia eine Nachricht:

„Hallo Julia,

danke für die CD.
Einige Fotos sind wirklich nicht so gut.

Aber erstaunt bin ich doch, was die CD für Robert bei mir soll?
Wieso ich sie monatelang lagern soll?

Hättest du wie ich dir gesagt habe Ende November geschickt, wäre sie nun im Paket nach Namibia, dass ich am 03. Dezember an Robert geschickt habe.

Gewisse Sachen muss ich wohl nicht verstehen!“

Julia schüttelte den Kopf. Ihre Schwester hatte in ihrer grossen Villa nirgends Platz, um bis zum nächsten Urlaub eine Foto-CD aufzubewahren? Und dann schrieb sie auch noch „das“ mit zwei s. Davon, dass Astrid Robert ein Paket senden wollte, davon hatte Julia nichts gewusst. Die Schwester hatte nur von Weihnachtsbriefen gesprochen. Und für die und die unbekannten Pläne ihrer Schwester fühlte sich Julia richtigerweise nicht verantwortlich. Sie beschloss, die arroganten, unhöflichen Worte zu ignorieren.

Julia war es gewohnt, dass man um etwas freundlich bat. Und nicht einfach andere herum kommandierte und frech Dinge forderte. Sachen, die man, weil man selbst gedankenlos und zu faul gewesen war, von andern erledigt haben wollte. Und nun sollte sie mit ihrer Familie Weihnachten feiern? Mit einer Familie, die immer an ihr herum mäkelte, sie auszunützen versuchte und Unwahrheiten über sie verbreitete?

Heilig Abend lief sie also die Strasse zum Haus ihrer Eltern entlang. Es fing sachte zu schneien an. Warmes Licht strömte aus den Fenstern und ab und zu hörte sie Musik, Gesang und Lachen. Julia sehnte sich nach Menschen, die sie mochten und gerne mit ihr zusammen waren.

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Ihr war das Herz schwer. Sie wusste, dass sie am bevorstehenden Abend nichts als Sticheleien zu erwarten hatte. Vorwürfe, die CD nicht schon Ende November gesandt zu haben, und vieles mehr. Man würde ihre Frisur beanstanden, ihr Kleid bemängeln und ihre Figur. Wie jedes Jahr würde sie schweigend das Essen über sich ergehen lassen, sich für die Schokolade bedanken, die sie bekam und dann traurig nach Hause gehen.

Gerade als Julia in die Gasse einbiegen wollte, wo ihre Familie wohnte, stiess sie mit einer Frau zusammen. Sie entschuldigte sich rasch. Dann erkannte sie ihre Nachbarin.

„Frau Seidl, entschuldigen Sie! Ich war so in Gedanken versunken! Ich hoffe, ich habe Ihnen nicht wehgetan!“

Frau Seidl wehrte ab.

„Nein, nein, mir ist nichts passiert!“ In diesem Moment aber fiel das Licht der Strassenbeleuchtung auf Frau Seidls Gesicht. Julia sah, dass Frau Seidl verweinte Augen hatte. Sofort rührte das ihr mitfühlendes Herz.

„Frau Seidl, was ist passiert? Sie haben geweint?“

Kaum hatte sie das gesagt, brach die Frau heftig in Tränen aus und Julia blieb nichts anderes übrig, als sie in ihre Arme zu schliessen. Tröstend tätschelte sie Frau Seidl den Rücken. Und weil die Schluchzer nicht aufhören wollten, fasste sie einen Entschluss.

Sie nahm Frau Seidl am Arm.

„Wir gehen jetzt zu mir. Es ist Heilig Abend und Sie sollen nicht weinen müssen. Lassen Sie uns zusammen in meine Wohnung laufen und dann erzählen Sie mir, was Sie plagt!“

Zu Julias Erstaunen liess Frau Seidl geschehen, was sie vorgeschlagen hatte. Die beiden gingen also den Weg zurück, den Julia gekommen war.

Julia zog den Schlüssel zu ihrer kleinen Wohnung aus der Handtasche und schloss auf. Sie nahm Frau Seidl den Mantel ab und bat sie, auf dem grossen Sessel Platz zu nehmen. Dann nahm sie ihr Handy und wählte die Nummer ihrer Eltern.

„Mama? Ihr müsste ohne mich feiern, tut mir leid. Ich kann nicht kommen, ich war schon unterwegs und musste umkehren. Nein, mir selbst ist nichts passiert, aber jemand braucht gerade Hilfe. Ich komme morgen zu euch. An Weihnachten. Gute Nacht!“
Kurz und bestimmt hatte Julia geredet. Sie hatte noch gehört, wie ihre Schwester gerufen hatte: „Was, Julia kommt nicht? Spinnt die denn jetzt völlig?“

Ihre Familie würde das Fest ohne sie bestens überleben. So konnten sie ungeniert über Julia klatschen.

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Julia setzte Wasser auf und kochte Tee. Sie zündete die Kerzen an dem kleinen Christbaum an und setzte sich zu Frau Seidl.

Dann nahm sie Frau Seidls Hand.

„Jetzt erzählen Sie mir, was los ist!“

Frau Seidl war es nicht recht, Julia von der Familienfeier abgehalten zu haben. Julia aber versicherte ihr, dass sie auf einen Abend, wo man sie eh gedachte fertig zu machen, gut verzichten könne. Und sie würde gerne wissen, ob sie Frau Seidl in irgendeiner Weise helfen könne?

Nervös strich sich Frau Seidl übers Haar.

„Ach, Sie wissen doch, dass ich einen unehelichen Sohn habe. Das war nicht einfach gewesen. Ich habe aber alles für meinen Sohn getan und ihn alleine gross gezogen. Er konnte sogar studieren. Jetzt ist er Anwalt und schämt sich für seine Mutter, die nur eine Hilfskraft und unverheiratet ist. Er hat mich zwar für heute Abend eingeladen, aber mir den ganzen Abend zu spüren gegeben, dass ich eigentlich nicht in sein schickes Appartement und zu seiner mondänen Gattin passe. Ich hatte mich so auf den Abend gefreut. Ich sehe ihn und die Kinder ja kaum, obwohl sie auch hier in der Stadt wohnen. Sie haben mich alle so von oben herab behandelt, dass ich vorgab, starke Kopfschmerzen zu haben und darum bat, mich hinlegen zu dürfen. Danach habe ich einen Zettel geschrieben. Ich bin aus der Wohnung geschlichen, während sie beim Essen waren. Ich wollte nicht, dass es vor den Kindern eine Szene gibt.“

Nun weinte Frau Seidl wieder. Julia war erschüttert. Frau Seidl war eine tolle Frau. Ihr Sohn konnte stolz auf seine Mutter sein! Was die alles geschafft hatte!

Mitfühlend sagte sie: „Weinen Sie nicht, Frau Seidl. Es ist nicht Ihre Schuld, dass er so geworden ist, das ist nicht Ihr Fehler. Menschen wählen es oft selbst aus, wie sie sein wollen. Und Menschen ändern sich nicht, nur weil Weihnachten ist. Wir meinen das, aber es ist nicht so. Sie versuchen nicht einmal, sich besser als sonst zu benehmen. Sie haben nicht begriffen, was Weihnachten genau bedeutet und uns gebracht hat. Jetzt feiern wir zwei eben zusammen. Wir essen jetzt etwas und danach spiele ich auf dem Klavier die alten Weihnachtslieder und wir singen. Einverstanden?“

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Einige Zeit später drang Bratenduft aus der Türe und es erklangen aus der kleinen Wohnung die altvertrauten Melodien, die an Weihnachten aus Tausenden von Stuben erschallen. Und weil es mittlerweile warm geworden war, hatte Julia kurz ein Fenster aufgemacht.

Bald danach klingelte es an ihrer Tür. Julia öffnete. Vor ihr stand Udo Berger, ihr Nachbar. Er war seit kurzem verwitwet. Verlegen entschuldigte er sich. Er stammelte:

„Wir haben Ihre Musik gehört, und die ist so schön, und ich und mein Sohn, der Toni, wir sind so alleine, und…“

Er konnte nicht weiter reden. Tränen liefen ihm über die Wangen. Julia packte ihn kurzerhand an der Schulter und schob ihn in ihre Wohnung. Dann rief sie in die offene, gegenüberliegende Wohnungstüre hinein nach dem Sohn, der sich etwas peinlich berührt, für seinen Vater entschuldigen wollte.

„Sagen Sie nichts. Kommen Sie einfach rein!“ Julia nickte ihm wohlwollend zu und blickte in seine braunen, warmen Augen.

Sie schenkte den Männern eine Tasse Tee ein, versorgte sie mit Gebäck und setzte sich wieder ans Klavier.

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Zu viert sangen sie, bis sie nicht mehr konnten. Julia las die Weihnachtsgeschichte vor. Der Nachbar faltete die Hände und sprach ein inniges Gebet, das allen zu Herzen ging. Dann tranken sie noch ein Glas Wein zusammen. Herr Berger und Frau Seidl lächelten nun wieder, ihre Tränen waren versiegt.

„Vielen Dank, das hat uns so gut getan, nicht wahr?“ Udo Berger blickte zu Frau Seidl hin, und sie hakte sich bei ihm ein.

Sie nickte und beide schüttelten Julia die Hand. Sie drückten sie innig und boten ihr an, sie beide doch beim Vornamen zu nennen. Der Sohn schloss sich dem an.

„Ich hoffe, es war nicht das letzte Mal, dass wir zusammen gesungen haben, Julia. Es war wunderschön!“ Toni blickte sie freundlich an, und Julia wurde ganz warm ums Herz.

Als alle heim gegangen waren, sank Julia müde ins Bett. Sie hatte den Eindruck, von Gott am heutigen Abend eine Art Ersatzfamilie geschenkt bekommen zu haben.

Am nächsten Morgen erhielt sie einen Anruf ihrer Schwester.

„Wie konntest du uns den Heilig Abend nur so verderben? Es ist mit dir immer dasselbe! Du bist eine absolut scheußliche und egoistische Person! Du warst ja nicht einmal in der Lage, mir die CD rechtzeitig zu geben, die ich von dir haben wollte. Du bist total egoistisch. Vollkommen asozial! Was hast du überhaupt für einen Scheiss angestellt, dass du nicht kommen konntest?“

Ohne zu antworten, würgte Julia das Gespräch ab und schaltete das Handy aus. Ihr Blick fiel auf das Bild, das an der Wand hing. Es zeigte Jesus, wie er am Kreuz hing. Jesus hatte sich nicht gerechtfertigt. Er hatte das nicht nötig gehabt. Und Julia fand, sie müsse sich auch nicht rechtfertigen. Was hätte sie auch sagen sollen?

Lächelnd setzte sie sich ans Klavier. Heute war Weihnachten. Vor zweitausend Jahren war Jesus geboren, um den Menschen Frieden zu bringen. Julia war glücklich. Sie summte die ersten Takte, und dann sang sie. Ihre glockenhelle Stimme trug das „Gloria in Exelsis Deo“ in die Welt hinaus.

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Lieber Leser, ich wünsche Ihnen frohe, gesegnete und friedliche Weihnachten. Möge der Friede Gottes Sie auch ins neue Jahr begleiten, und möge es Ihnen und Ihren Lieben gut gehen!

Was ist das?

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Rätselhaftes…
Was sehen Sie hier? Können Sie erkennen, was abgebildet ist? Oft sieht man etwas, und weiss doch nicht genau, was es ist. Manchmal irrt man sich und fällt einer Täuschung zum Opfer. Man hat keine Ahnung, was abgeht oder was los ist. Dann entsteht dieses unangenehme Gefühl, das uns dann befällt, wenn wir uns verfahren haben. Wenn wir nicht genau wissen, wohin der Weg führt und wir irgendwo landen, wo man niemals hin wollte.

Vom Weg abgekommen
Es gibt Menschen mit einem ausgezeichneten Orientierungssinn. Sie finden noch nach Jahren einen Ort wieder, an dem sie einmal waren. Egal, ob es Nebel hat oder stockdunkel ist. Sie landen auch dann am Ziel, wenn die Wegbeschreibung diffus war und die Strasse nur schlecht erkennbar. Ich kann da nicht mithalten.

Als ich noch kein Navigationsgerät besass, waren unbekannte Ziele eine Herausforderung. Da war diese Fahrt nach Hessen. Es war Freitag, und ich hatte eine Verabredung. Es hatte viel Verkehr. Eine Stunde vor dem Ziel stand ein LKW quer auf der Autobahn. Die Sonne ging langsam unter und ich geriet leicht in Panik, als ich auf die Uhr schaute. In der Aufregung verliess ich die Autobahn eine Ausfahrt zu früh und fand mich plötzlich in Gießen wieder. Da hatte ich aber gar nicht hin gewollt. Während die Dämmerung hereinbrach, versuchte ich anhand der Schilder und der Strassenkarte herauszufinden, wo ich gerade war. Und da mir das Kartenlesen nicht liegt, dauerte es eine Weile, bis ich das raus hatte. Ich war noch nie in dieser Stadt gewesen. Der Schweiss lief mir in den Nacken und ich hoffte einfach, dass ich es noch in letzter Minute schaffen würde.

Ich wundere mich immer noch, dass ich das Ziel trotz der Dunkelheit fand. Die Gastgeber waren schon sehr besorgt gewesen. Vor Schreck hatte ich nicht einmal daran gedacht, anzurufen und zu sagen, dass ich mich verspätet hatte.

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Die Rettung
Eines Tages schenkten sie mir dann ein Navigationsgerät. „Nun bin ich alle Sorgen los!“ Das dachte ich zufrieden. Jetzt würde ich immer alles finden.

Eines Tages ging das Gerät kaputt. Ich kaufte ein neues. Das funktionierte aber nicht richtig. Mehrmals ging es zurück an die Firma. Nach der dritten Reparatur in Holland versicherte man mir, dass es nun perfekt funktionieren sollte.

Weit gefehlt. Als ich es wieder benutzen wollte, um einen abgelegenen Ort zu finden, streikte es plötzlich. Ausgerechnet auf der Autobahn, vor einem Tunnel. Ich hatte keine Ahnung, welche Ausfahrt ich danach nehmen musste. Die erste, die zweite? Ich entschied mich für die erste. Das war falsch. Die Sicht war schlecht. Es schneite leicht. Der vor mir liegende Weg war kaum erkennbar. So übersah ich ein strategisch wichtiges Schild. In der Folge landete ich mitten in Eis und Schnee auf einem Berg. Dort kam der Wagen auf einem Eisfeld ins Rutschen. Ich hatte keine Ahnung, welche Manöver nun auszuführen waren, um hier schadlos weg zu kommen. Es war im Dunkeln unmöglich, Schneeketten zu montieren. Die Strasse war zugeweht und nicht mehr erkennbar.

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Es blieb mir nichts anderes übrig, als Hilfe zu holen. Nachdem man mich gerettet hatte, funktionierte auch das Gerät wieder. Seither sind meine Gefühle für diese Sorte Hilfsmittel ambivalent…

Ist es so nicht auch oft im Leben? Wir wissen nicht mehr weiter. Das Ziel scheint unklar, wir geraten in eine Sackgasse oder gehen einen Weg, den wir besser nicht gewählt hätten. Wir haben uns geirrt, und die eingeschlagene Richtung ist weder einfach noch sicher.

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Hilfreiche Leitplanken für ein besseres Leben
Wir brauchen also sozusagen auch sonst ein Navigationsgerät, damit wir einigermassen die Spur halten können. Sei es, wenn etwas nicht klar ist oder wir nicht genau wissen, wie wir handeln sollen. Dann, wenn wir versucht sind, eine Dummheit zu begehen, uns oder anderen schaden könnten. So etwas in der Art sind gewissermassen die Zehn Gebote. Man könnte meinen, dass sie ein alter Zopf sind und nicht mehr ins Heute passen. Und vergisst ganz, dass unsere Rechtsprechung und die Gesetzgebung darauf beruhen. Diese klar und knapp formulierten Gebote waren also die Basis, um das Zusammenleben der Menschen erstmalig untereinander erträglich zu machen.

Wir wissen alle, dass der Mensch kaum in der Lage ist, all das sein Leben lang ganz zu halten. Wer aber sein Bestes tut, der trägt dazu bei, dass es auf Erden weniger schwierig ist. Das Leben aller wird friedlicher, sicherer, angenehmer. Die Gebote schützen unser Leben und unser Eigentum. Wenn wir also ganz ehrlich wären, dann müssten wir eingestehen, dass diese wenigen, knapp definierten Worte uns nützen. Sie sind klar formuliert und eben alles andere als diffus…

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Fotos: Copyright by Thomas Falkenrodt 2014