Wandern im Winter. Nirgends geht das besser als im EMMENTAL. Viel Schnee, eine wunderschöne, romantische Landschaft. Stille und Ruhe. Die ideale Gegend, um sich vom Alltag auszuklinken. Bewusst stelle ich mich auf die Lautlosigkeit ein. Jedes Geräusch nimmt man hier wahr. Einen bellenden Hofhund, der sein Revier verteidigt. Weit entfernt eine Motorsäge. Ein Trecker, der von einem abgelegen Hof weg tuckert. Die Kirchenglocken, und ab und zu ein Auto.
Die kalte Luft scheint jeden Klang weit und klar über das Land zu tragen. Es gibt hier kaum Verkehrslärm. Und nachts ist es dunkel wie in einem Kuhmagen. Gefühlt scheinen hier Tage und Stunden länger zu dauern. Das muss an der Landschaft liegen. Die sanfte, hügelige Hoflandschaft des EMMENTALS weckt Heimatgefühle. Die mächtigen, schneebedeckten Dächer strahlen Geborgenheit aus. Wer hier geboren wurde, kehrt immer wieder zurück. Er lässt einen Teil seines Herzens hier.
Hyperaktive Städter geraten leicht in Versuchung, das Leben hier als langweilig zu bezeichnen. Sie sind die Stille nicht mehr gewohnt. Sie wird als beängstigend empfunden. Langeweile definiert man als etwas Aufgezwungenes, das Unlust und Unwohlsein auslöst. Dagegen kann man aber meistens etwas tun. Nämlich die Fähigkeit entwickeln, in sich selbst zu ruhen und einfach mal zu sein.
Je weniger man bereits als Kind geübt hat, selbst mit freier Zeit umzugehen, desto rascher verspürt man Langeweile, wenn man nicht von außen bespaßt wird. Wer also hierher kommt und Langeweile hat, weiss nicht, dass es auch genussvolle Muße gibt. Er bleibt dann besser in der Stadt.
Den Lebensmittelpunkt aber auf einem der Höfe des EMMENTALS zu haben heißt, nicht zum Entspannen hier zu sein. Wer auf einem der abgelegenen Betriebe lebt, muss sich organisieren. Der Supermarkt liegt nicht gleich um die Ecke. Die oft mehrere hundert Jahre alten Häuser müssen der Nachwelt erhalten werden. Sie sind wertvolles Kulturgut.
Der Unterhalt der alten Bausubstanz ist aufwendig und kostspielig. So sind die Bewohner oft in mehreren Berufen tätig, um genügend Einkommen zu haben. Das Leben ist teuer geworden. Ein kleiner Prozentsatz der ehemaligen Bauernschaft arbeitet noch als Landwirt. Es gibt immer weniger davon, weil dieses Leben nicht bequem ist. Die verbleibenden Bauern pflegen also die Landschaft, Äcker, Wiesen, Felder, Wald und das Vieh. Daneben arbeiten oft beide Elternteile wie auch die junge, nachfolgende, den Hof weiterführende Generation in einem weiteren Beruf. Man findet alles. Von der Krankenschwester bis zum LKW-Fahrer. Die Zeiten wie vor hundert Jahren, wo ein mittlerer Hof eine Grossfamilie zu ernähren vermochte, sind vorbei.
EMMENTALER sind arbeitsam und machen nicht viele Worte. Nachbarschaftshilfe ist selbstverständlich. Das Klima prägt die Menschen. Sie sind das eher raue Klima, die strengen Winter gewohnt. Sie kommen gut mit viel Schnee klar. Wintertaugliche Fahrzeuge mit Vierradantrieb und Schneeketten fehlen nirgends.
Hier kennt man sich noch und grüßt jeden. Wer mir begegnet, sagt einen Gruß, winkt oder nickt aus dem Auto heraus. Egal, ob er mich nun kennt oder nicht. So ist es Brauch. Wer hier nicht grüßt, schadet sich selbst.
EMMENTAL – ein schützens- und erhaltenswertes Landschaftsbild von nationaler Bedeutung. Aber – vielleicht sollte man es nicht allen sagen, wie schön es hier ist.
Sonst gehen womöglich alle hin…



























