Die Strickerinnen aus dem Emmental

Im Emmental hat sich eine Kulturtechnik erhalten, von der ich annahm, dass sie eines Tages aussterben wird. Weil ich sie nicht mochte. Sie hat aber überlebt. Auch Dank einem dänischen Import.

Eine Reportage hat mich auf die Strickerinnen im Emmental aufmerksam gemacht. Merkwürdig, dass mich das ansprach. Als Kind litt ich unter der damals herrschenden Strickpflicht. Während meine jüngeren Geschwister draussen Schlitten fahren durften, sollte ich lebhaftes Vorschul- und Bewegungskind stricken lernen. Dazu hatte man mir einen «Wunderknäuel» gemacht. In dem Wollknäuel waren Süssigkeiten versteckt. Aber meine kleinen Hände, vom Arbeiten bereits schwielig und voller Rhagaden, kamen mit der roten Wolle nicht zurecht. Ich klaubte die Bonbons vorzeitig aus dem Knäuel raus, und das kam gar nicht gut an.

Es dauerte nicht lange, und ich hasste Stricken. Ich will gar nicht erzählen, in wie vielen Handarbeitsstunden ich bittere Tränen vergoss.

Trotz mieser Erinnerungen an alles was mit Stricken zusammenhing, faszinierte mich der Bericht. Die Schönheit der Produkte gefiel mir. Ich beschloss, die Frauen zu besuchen, die solche formvollendete Kindermode stricken.

Ich hatte also HOHGANT entdeckt.

Alles begann mit einer jungen und begabten Dänin, Hannah Strøm, die der Liebe wegen in die Schweiz kam. Sie brachte die dänische Tradition der Erdbeermütze mit, die man in ihrer Herkunftsfamilie immer schon an Neugeborene verschenkt hat. Von Basel gelangte die Mütze ins Emmental und eroberte zusammen mit der daraus entstandenen und erweiterten Kollektion die Welt.

Die berühmte Erdbeermütze

HOHGANT – das heisst hochwertige, handgestrickte Kinderkleidung, die international Anklang und Anerkennung gefunden hat und im EMMENTAL von fleissigen und begabten Strickerinnen in Handarbeit hergestellt wird.

Hannah Strøm und ihre Familie investierten viel in dieses wundervolle Projekt, das bis ins kleinste Detail und von A bis Z perfektioniert wurde. Aber – jedes Ding hat seine Zeit. Eines Tages zog die Schöpferin weiter, um sich neuen Projekten und Aufgaben zu widmen. Die nächste Generation führt das Werk weiter.

HOHGANT wurde zum Verein. Sitz, Material- und Warenlager finden sich in Langnau im Emmental. Hier habe ich Ruth Wüthrich und Ruth Ischi getroffen.

Ruth Ischi und Ruth Wüthrich im Warenlager in Langnau

Ruth Wüthrich, Mutter und Grossmutter, hat eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Sie ist für die Lagerhaltung und den Versand verantwortlich.

Ruth Wüthrich verstand Stricken immer als befriedigendes Hobby, das einfach zu ihr und zum Umfeld gehörte. Denn Generationen von Mädchen konnten im Emmental schon stricken, bevor sie schulreif waren. Mütter und Grossmütter brachten es ihnen bei. Man war stolz, wenn man bei Schulbeginn schon stricken konnte. Das war auch die Motivation meiner Mutter gewesen, die selbst prima stricken konnte.

Meine Schwester und ich hingegen, wir hatten total andere Gene.

Wir waren eine krasse Enttäuschung für Mutti, die mit uns angeben wollte. Unsere Gaben lagen einfach anderswo, aber das zählte damals eben nicht. Auf den abgelegen Höfen war es zudem üblich, sich als Mädchen und Frau stets beschäftigt zu halten.

Eine völlig untätige Frau mit den Händen im Schoss? Das ging gar nicht.

So sah man überall Frauen mit ihrer «Lismete», ihrer Strickarbeit. Stricken galt im Gegensatz zu heute als Arbeit und wurde überall nebenbei noch erledigt. Es gab ja noch keinen Supermarkt, wo man Wegwerfsocken kaufen konnte. Sonntags durfte man deshalb nicht «lismen».

Für Ruth Wüthrich kein Muss mehr, hat sie in all den Jahren bereits ungefähr hundert der süssen Jäckchen gestrickt. Sie hat ihr Können weitergeben, an Söhne und an die jungen Enkelinnen, die sich dafür interessieren und es lernen wollen.

Wunderschöne Jäckchen, und dazu kann man auch passende Höschen haben

Ruth Ischi ist Handarbeitslehrerin und Mutter von zwei Töchtern, die selbst zwar nicht stricken, aber es cool finden, was die Mama macht. Eines Tages las sie von HOHGANT. Sie nahm sich vor, dem nachzugehen, wenn die Kinder grösser sein würden. Dann traf sie Hannah irgendwann im berühmten Jakobsmarkt in Zollbrück. So begann ihre Mitarbeit. Heute koordiniert sie die Strickerinnen von HOHGANT.

Die Frauen fasziniert das wunderschöne Material, das Entstehen eines qualitativ hochwertigen Stückes, das Kreative. Stricken entspanne total, sagen sie.

Stricken könne süchtig machen

Nicht selten stricken viele Frauen noch ein wenig vor dem Zubettgehen, weil sie danach besser einschlafen können. Stricken ist kontemplativ.

HOHGANT beschafft das Material eigenhändig beim Garnlieferanten. Dieser hat dafür spezielle Farben eingefärbt. Vom Lager geht die Wolle an die Strickerinnen. Wer für das Label stricken will, muss ausgezeichnet und auf hohem Niveau stricken können. Nicht so wie ich, die ich nur ein völlig unregelmässiges Maschenbild mit so genannten Kuhmaschen fertigbringe. Und so als Kind in der Strickschule nichts als Schelte erntete.

Im Warenlager von HOHGANT

HOHGANT strickt auch auf Bestellung. Ruth Ischi klärt ab, wer sich für welches Produkt aus der Kollektion am besten eignet und teilt dann die Arbeit zu. Am Schluss nimmt sie mit dem fertigen Produkt auch die kostbare Restwolle zurück.

Zu der herzigen Erdbeermütze kamen mit der Zeit weitere Artikel dazu. Hannah Strøm verstand es, der Kollektion einen individuellen Touch zu geben. Hier wurden Hochwertigkeit, Strapazierfähigkeit, lange Lebensdauer, leichte Pflege, modische Aspekte, tolle Passform und harmonische Farbgebung perfekt zusammen gebracht. Als ich das erste HOHGANT-Produkt in der Hand hatte, bedauerte ich auf der Stelle, es nicht schon als frischgebackene Mama gekannt zu haben.

Aktuell aber bin ich gerade Oma geworden. OMA! Eine Erdbeermütze für meinen Enkel ist jetzt ein Muss

HOHGANT wächst mit dem Kleinkind mit. Der Designerin, Mutter und Oma Hannah Strøm war es wichtig, dass genug Platz für die Windel vorhanden ist. HOHGANT hat basierend auf der Qualität eine ungemein lange Lebensdauer und kann von mehreren Generationen von Kindern getragen werden. In der Waschmaschine im Schongang gewaschen, bleibt das wertvolle Produkt aus reiner Merinowolle schöner als von Hand gepflegt.

Lange wurden die Strickanleitungen geheim gehalten. Inzwischen aber sind sie frei gegeben. Auch wenn andere kopieren – es bleibt ein sichtbarer Unterschied in Qualität und Handfertigkeit.

Zu der Erdbeermütze gibt es passende «Finkli» und «Händschli» – allerliebste Mitbringsel für Neugeborene

HOHGANT kaufen Menschen, die nachhaltig denken und leben und Wert auf Qualität legen, Künstler, Designer, Bodenständige. Leute mit Sinn für Ästhetik, Perfektion, Tradition und Handwerk.

Eltern, lasst euch HOHGANT schenken. Zur Geburt oder zur Taufe. Oder zu Weihnachten.

Denn HOHGANT ist in der Anschaffung auf den ersten Blick teuer. Auf den zweiten Blick nicht wirklich. Ein Jäckchen gibt satte 50 Stunden Arbeit und das Material ist einmalig hochwertig. Es kann über Jahre hinweg von vielen Kindern getragen werden. Würden die Strickerinnen den Mindestlohn verlangen und würden alle Kosten von der Administration bis hin zu den landesüblichen Sozialleistungen verrechnet, wie viel würde dann ein buntes Jäckchen etwa kosten?

Mehr als tausend Franken. Mehr! WER würde das bezahlen?

Es liegt auf der Hand, der Preis ist gerechtfertigt – und mit Stricken reich werden ist nicht möglich. Die Frauen machen es, weil es ihnen Freude macht und als Zustupf, als kleiner Nebenerwerb. Und nicht, um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie würden glatt verhungern.

Die Erdbeermütze hat ein Geschwister – die Brombeermütze

Wenn Sie also nicht wissen, was sie zur Geburt des nächsten Babys in Ihrem Umfeld schenken wollen, dann gehen Sie zu HOHGANT .

HOHGANT ist ein Stück Heimat geworden, von begabten Frauen mit viel Liebe, grosser Handfertigkeit und enormer Sorgfalt hergestellt.

Und wenn Sie selbst das perfekte Stricken lernen möchten?
HOHGANT bietet Strick-Kurse an. Sie sind gut besucht. Hier lernt man, wie man ohne hässliche Kuhmaschen Edles strickt.

Hier geht es zu HOHGANT:

DER HOHGANT

Die Geschichte von Hannah Strøm:
http://hohgant.ch/hg/hohgant/die-hohgant-story/

Wie die Erdbeeren von Basel nach Dänemark kamen:
http://mamasunplugged.ch/hohgant/

 

 

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