Behalt es nicht für dich!

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Keine Weihnachtsgeschichte

Weihnachten – wenn wir den Begriff hören, denken wir dann an das Ereignis, das vor zweitausend Jahren in Bethlehem geschah? Oder – haben wir es wie so viele andere auch, schlicht vergessen oder verdrängt? Einfach deshalb, weil es viel zu unglaublich klingt, um wahr zu sein?

Wunder sind unfassbare Begebenheiten.

So nennt man dem menschlichen Geist nicht erklärbare oder unglaubliche Ereignisse «Wunder». Weil wir uns wundern, verwundern, und die dem Menschen vernünftig erscheinende Erklärung fehlt.

Ein Wunder geschieht, wenn Unmögliches möglich wird, wenn in grösster Not, Angst und Hoffnungslosigkeit etwas passiert, mit dem man niemals mehr gerechnet hat. Es ist ein Wunder, wenn Dinge geschehen, die zeitlich so perfekt passten, wie sie menschlich gesehen so niemals planbar und organisierbar gewesen wären.

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Unter einem Wunder verstehe ich also ein ganz besonderes Ereignis in Zeit oder Raum oder beidem zusammen, das meinem menschlichen Verstand, den allgemein üblichen Erfahrungen die wir Menschen machen, der allgemeinen Vernunft, dem üblichen Verständnis und den gegebenen Gesetzlichkeiten von Geschichte, unseren Erfahrungen und der Natur scheinbar oder dann tatsächlich ganz entgegen stehen.

Wir denken beim Wort «Weihnachten» oft zuerst einmal an Besinnung, Geborgenheit, Freude und Frieden. Wir sehen in Gedanken den Weihnachtsbaum, traumhafte Winterlandschaften und hören das Gebimmel der Glocken vom Pferdeschlitten. Wir freuen uns auf Geschenke, die Familie, das gemütliche Zusammensein in der warmen Stube und auf das gute Essen. Wir sitzen zusammen, singen, musizieren und lesen unseren Lieben die Weihnachtsgeschichte und andere schöne Geschichten vor. Das Wunder von Weihnachten aber, das der Welt Frieden und Liebe, Vergebung, Freude, und ewiges Leben bringt und bringen will, scheint aktuell vielen nichts mehr zu bedeuten. Das ist ein herber Verlust. Das Wissen und Kennen der Weihnachtsbotschaft, die uns Menschen geschenkt wurde, hat einen Einfluss auf ein Volk. Dieses wunderbare Ereignis wirkt sich auf das Verhalten, die Sozialkompetenz, die Empathie, die Fürsorge für andere, kurz, auf alle Charaktereigenschaften und Tugenden aus. Seien dies nun Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Höflichkeit, Respekt, Anstand, Fleiss, Achtsamkeit, Sorgfalt und Verantwortungsgefühl.

Für viele Menschen sieht die Realität aktuell hingegen ganz anders aus.

Denn ein Jahr mit vielen Terroranschlägen, Konflikten, Kriegen und unglaublich grausamen und verstörenden Pressebildern liegt bald hinter uns. Zahllos die Menschen, die unter absolut unwürdigen Bedingungen leben müssen. Obdachlos, verfolgt, beraubt, ausgebeutet, vergewaltigt, gefoltert, versklavt, krank, hungrig, frierend, völlig verarmt, auf der Flucht. Hunderte, Tausende, Millionen sind es. Ihre Menge ist unzählbar und unüberschaubar geworden. Die Hälfte der Betroffenen sind Kinder. Kinder! Sie alle sind Opfer von grenzenlosen Radikalismus, von erschütternder Arroganz, Selbstherrlichkeit, Terror, Egoismus, Hab-und Raffgier, Neid, Brutalität, Hass und Lieblosigkeit eines unvorstellbaren Ausmasses geworden. Sie sind Opfer von Tätern, die nicht wissen, was sie wirklich tun. Opfer von Menschen, die es nicht wissen wollen und meinen, das Richtige zu tun, das Recht dazu zu haben, andere zu zerstören und die nicht wissen, was «Weihnachten» ist, dass es «Weihnachten» gibt.

Krieg, Elend, Terror dominieren die Nachrichten

Immer mehr Menschen schalten Radio und TV aus, klicken die Nachrichten weg, weil sie es nicht mehr ertragen. Ohnmächtig muss man zusehen, wie die Regierungen sich nicht einigen können und es mit Hilfe harzt. Keiner will sich die Finger verbrennen, eigene Soldaten opfern, Kosten verursachen. Man sieht zu, wie Diplomaten und Regierungschefs am schicken Tisch im edlen Raum, mit teuren Blumen und Premium-Mineralwasser versuchen, zuerst ihre eigenen Interessen möglichst gut zu vertreten, während zeitgleich auf den Schlachtfeldern und in schmutzigen Camps Menschen darben und am Laufband sterben. Ohne Hoffnung auf Hilfe, ohne Zukunft, ohne Perspektiven. Immer geht es dabei um Macht, Landbesitz, Ansprüche, um Öl, um Geschäfte, kurz zusammengefasst, um Geld. Dazu beim eigenen Volk nicht in Misskredit zu geraten, die Ausgaben im Griff zu halten und nicht den Tod von eigenen Landsleuten verantworten zu müssen, um die eigene Wiederwahl nicht zu gefährden. Man sieht voller Furcht tatenlos zu, wie Grausamkeit und Barbarei grassieren und niemand greift zugunsten von Verfolgten ein. Die eigene Haut ist kostbar, die Angst, das Richtige zu tun, das vielleicht dann doch falsch sein könnte, lähmt. Und so leben wir inmitten einer angstvollen auf der einen und barbarischen Weltgemeinschaft auf der andern Seite, die langsam aus den Fugen gerät. Resignation, Angst und Hoffnungslosigkeit machen sich breit…

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Es scheint, dass der hiesige Normalbürger wenig tun kann. Er kann beten und hoffen. Er kann mit Spenden etwas vom Überfluss abgeben und Hilfswerke unterstützen. Er kann Regierungen und Politiker anschreiben und auf Social Media protestieren. Angesichts der unglaublichen Not scheint aber alles was man tut, schlichtweg nutzlos, und sämtliche fromme, beruhigende und tröstende Floskeln sind gefühlt nichts als hohle Worte.

Die gesamte Menschheit hat furchtbare Zeiten hinter sich.

Die Welt hat nichts gelernt. Trotz genialer, vorher nie da gewesener Errungenschaften. Eine Blutspur zieht sich von einer Generation zur andern. Mächtige, blutrünstige Herrscher kamen und gingen. Völker wurden ausgerottet und unterjocht. Die Menschheit ist und bleibt lernresistent, und man wundert sich, dass sie sich noch nicht selbst ausgelöscht hat.

Das Wissen um diese Tatsache hat wohl Martin Luther (1483-1546) dazu verleitet, zu sagen: «Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.»

Was würde geschehen, wenn viel mehr Menschen erfassen würden, was es heisst, den Sinn von Weihnachten im Herzen zu haben? Würden dann nicht viel mehr Apfelbäume gepflanzt? Würden dann nicht mehr Menschen gerettet und mit mehr Respekt behandelt werden? Würde nicht viel mehr Kindern geholfen werden, und würde nicht viel mehr Gutes getan werden? Würde es nicht weniger Eigennutz, Egoismus, Gewalt, Brutalität, Gier, Neid, Eifersucht und Hass geben? Würden nicht viel mehr Menschen begreifen, dass Schlechtigkeit furchtbare Folgen hat? Und dass jeder Mensch ein Recht auf Zukunft hat?

Wer also weiss, was die Geburt Jesu in diesem armseligen Stall damals in Bethlehem bedeutet, soll sich nicht schämen, die beste Botschaft aller Zeiten von der Geburt Jesu weiterzugeben.

Wie kann man für sich behalten, dass es in dunkelsten Zeiten Hoffnung, Frieden, Vergebung und einen Neuanfang gibt?

Wir sollten fröhlich, stolz und mit Freude davon zeugen, was die Weihnachtsgeschichte in unserem eigenen Leben Gutes ausgelöst hat, welche Wunder uns widerfahren sind, und welche besonderen Führungen wir erlebt haben.

Wer einen Baum ausreisst, hat nichts mehr von ihm. Es bleibt ein Loch zurück. Seine Blüten erfreuen im Frühling nicht mehr. Bienen finden keinen Nektar mehr. Er kann keinen Schatten mehr spenden. Man zersägt ihn, und verbrennt das Holz. Es bleibt nur staubige Asche.

Wo aber ein Baum gepflanzt wird, da pflanzt man etwas für die Zukunft. Denn eines Tages wird er herrliche Blüten und reiche Frucht tragen.

Frohe Weihnachten, Frieden und Gottes Segen!

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Trooping the Colour

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Trooping the Colour – dieser Begriff wird jetzt hier zweckentfremdet. So nennt sich die jährliche Militärparade im Juni zu Ehren des Geburtstages des amtierenden britischen Monarchen. Der Ursprung dieser Zeremonie liegt im Brauch des täglichen Vorbeitragens (Trooping) und Zeigen der Regimentsfahnen (Colours) für die Soldaten. Denn diese sollten die bunten Fahnen kennenlernen, sehen und im Kampf wiedererkennen.

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Auch der Herbst macht so etwas wie eine Parade und zieht an uns mit Farbenpracht vorbei, bevor der Winter das Land ganz in seine Gewalt nimmt.

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Wer jetzt an sonnigen Tagen nicht hinausgeht, ist selber schuld. Die letzten intensiven Sonnenstrahlen und die letzte Wärme noch richtig reinziehen, das ist ein Muss.

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Sprachgeschichtlich hat das Wort «Herbst» den gleichen Ursprung wie das englische Wort «harvest» (Ernte(zeit). Diese Bedeutung, die durch die naturgegebenen Umstände des Ernten im Herbst gegeben war, blieb im englischen Sprachraum erhalten. Im Deutschen hingegen verschob es sich zur allgemeinen Bezeichnung der Jahreszeit hin.

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Herbst und Ernte hängen zusammen. Wer im Herbst die Ernte nicht einbrachte, der hatte im Winter nichts zu essen. Hungersnöte waren vor unserer Zeit mit den heutigen Möglichkeiten auch in hiesigen Breitengraden häufig. Wer faul war, hatte in Notzeiten erst recht nichts zu beissen.

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Meine Mutter besass einen grossen Gemüsegarten. Hinzu kam in der Nähe des Hofes ein Stück Land, das jedes Jahr an einem neuen Platz für weiteres Gemüse bereit gemacht wurde.

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Das nannte man den „Köchplätz“ oder die „Pflanzung“. Hier säte und pflanzte man alles, was eine Grossfamilie brauchte. Bohnen, Kohl, Wirsing, Kürbis, Lauch, Sellerie, Karotten, Kopfsalat, Rapunzel, Schnittmangold, Rüben, Tomaten, Blumen- und Rosenkohl, Spinat, Brokkoli, Radieschen, Lattich, Rettich und rote Beete.

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Petersilie, Schnittlauch, Dill, Wermut, Kamille, Rosmarin und Thymian, Liebstöckel und Majoran, Pfefferminze und Zitronenmelisse gehörten auch dazu. Etwas fürs Auge durfte nicht fehlen – ein Beet mit Dahlien, Zinnien, Salvien, Studentenblumen, Kosmeen, Rosen und Sonnenblumen.

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War alles reif und ausgewachsen, begann die Erntezeit. Getreide und Kartoffeln wurden eingebracht, und die vielen Obstbäume bescherten meistens reiche Ernte. Dann wurde eingeweckt, Marmelade eingekocht und als es moderner wurde, vieles tiefgekühlt.

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Wenn dann alles geschafft war, spazierte meine Mutter zufrieden durch Keller und Vorratsräume. Sie strich über die sorgsam beschrifteten Einweckgläser mit Birnen, Zwetschgen, Pflaumen und Kirschen. Sie prüfte die vollen Truhen mit getrockneten Kräutern, die Stoffsäcke aus Halbleinen mit gedörrten Kirschen, Bohnen, Apfel- und Birnenschnitzen. Alles musste vor Schimmel und Mäusen geschützt werden. Sie freute sich an dem eingekellerten Gemüse, das sie alles in Sand eingebuddelt hatte, damit es lange frisch blieb.

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Unsere Mutter begutachtete die Lageräpfel und überlegte, ob der Vorrat bis zur Heuernte und bis die ersten Kirschen reif waren, reichen würde. Sie kontrollierte das frisch angesetzte Sauerkraut, die Marmeladegläser und dabei las sie die Etiketten: «Himbeeren, Johannisbeeren, Rhabarber mit Erdbeeren, Kirschen, Brombeeren». War sie fertig, seufzte sie tief. Sie hatte schwer gearbeitet, oft bis tief in die Nacht, und hier waren die Früchte ihrer Arbeit zu sehen. Dann sagte sie jeweils: «So, der Winter kann kommen!»

Das löste bei uns Kindern immer ein Gefühl der Sicherheit und der Geborgenheit aus. Mutti hatte vorgesorgt. Uns konnte nichts passieren. Wir hatten genug, bis wieder etwas wachsen würde.

Mit den Erntehelfern dann Erntedank zu feiern und mit ihnen zu teilen, das war stets krönender Abschluss eines arbeitsintensives Sommers.

Denn man war reich beschenkt worden, von dem, der es hatte wachsen lassen.
Heute hingegen geht man rasch zum Discounter, und hat von nichts mehr eine Ahnung.

Herbst – schöne, goldene Zeit, voller herrlicher Erinnerungen!

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Ereignisreiche Sommertage

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Endlich Urlaub. Anstrengende Monate liegen hinter einem. Im Urlaub erwartet man deshalb, dass man jetzt das nachholen kann, was man im Alltag ständig meint zu verpassen: Das Leben an sich, Erholung, Komfort, Abenteuer, tolle Begegnungen.

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Landschaft in Südbaden

Die Erwartungen sind gross. Die Tendenz, für möglichst wenig Geld viel kriegen zu wollen, hat von uns allen Besitz ergriffen. Das Luxushotel zum Schnäppchenpreis. Es muss für einen selbst stimmen. Ob es für die Anbieter, die Hotels und die Gastgeber (so noch) stimmt, darüber macht sich der Gast meist keine Gedanken.

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Nr. 10, aber nicht Downing Street…

Es ist eine Haltung, die uns vergessen lässt, dass Menschen vom Tourismus leben und sie in vielen Teilen dieser Erde sonst kaum Verdienstmöglichkeiten haben. Wenn eine Bekannte von mir einen Flug nach Berlin für nur noch neun Euro ergattert wie sie mir stolz erzählte, dann muss man sich schon fragen, was hier falsch läuft.

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Man muss auch nicht immer meilenweit reisen, um etwas zu erleben. Sehenswertes liegt oft näher als man meint.

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Seltsamer Baum in Schönau

Es gibt ihn, den perfekten Urlaub, aber damit rechnen sollte man nicht. Man müsste also ein wenig locker bleiben. Lockerer als ich es letzthin war. Denn so lange keine wirklichen Tragödien passieren, ist es nicht weiter schlimm, wenn nicht alles so ist wie daheim.

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Sehenswert: Erdmannshöhle in Hasel

Wer alles so haben will wie zuhause, der muss erst gar nicht wegfahren. Denn das sind die allerschlimmsten Gäste – nämlich die, die über alles meckern, weil im eigenen Land vermeintlich alles besser, billiger und sauberer ist. Ach Leute, warum fahrt ihr dann weg, wenn es anderswo sowieso einfach nur, entschuldigt den Ausdruck, Scheisse ist?

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Kirche von Schönau

Es gibt tausend Dinge, die den Urlaub erlebnisreich machen können. Tolle Landschaften, fantastisches Wetter, neue Bekanntschaften, leckeres, bisher unbekanntes Essen. Ein verspäteter Flug, Stau ohne Ende. Eine Magenverstimmung, Insektenstiche, Unfälle, Sonnenbrand, Liebeskummer, Streit, rüpelhafte Gäste ohne jegliches Benehmen, Dauerregen.

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Getreidefeld bei Grafenhausen

Oder dann vielleicht eine Buchung, die nicht das hält, was sie versprochen hat? Ich habe da dieses „Comfort-Zimmer“ mit Minibar, Balkon und Whirlpool in einem tollen Hotel ganz kurzfristig gebucht, weil ich es mit dem Rücken habe. Minibar und Balkon helfen zwar nicht unbedingt gegen Rückenschmerzen, aber wären eigentlich ganz nett. Es wurde halt online so angeboten. Aber der Whirlpool! Ich stellte es mir so richtig schön vor, wie ich mich abends nach den Wanderungen von den Wasserdüsen herrlich weich und glücklich kneten lassen würde. Mühevoll und verspannt hinein krabbeln, um danach dem Pool leicht und schwebend wie eine verjüngte Elfe zu entsteigen.

Aber aus dem elfenhaften Schweben wurde nichts. Weder gab es eine Minibar noch einen Balkon und auch keinen Whirlpool. Was es gab, war ein Zimmer unter dem Dach mit einem Bett in der Form eines Segelschiffes, inklusive Möwen und Rettungsring. Es war stickig und heiss, und das Zimmer trug den klangvollen Namen «Segel(t)raum». Es wehte auch nicht die leichteste Brise, was zumindest eine ruhige See verhiess.

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Schiff oder Bett?

Den Traum von einem Raum fand ich persönlich aber ein Alptraum. Ich stand völlig perplex vor der unerwarteten Form des Bettes, und nichts hätte mich in dieses Boot gebracht. Sämtliche Überredungskünste meines Reisebegleiters fruchteten nichts. Weder wollte ich mit einem Seemann ins Bett noch hatte ich Lust auf einen Matrosen und eine Dekoration, mit der ich einfach hier nicht gerechnet hatte. Ich kam mir absolut blöd vor. Es war nichts für Leute wie mich, die beim blossen Gedanken an die Titanic seekrank werden. Ich fürchtete auch, im Halbschlaf mit dem Kopf gegen den Grossbaum zu knallen. Denn fremde Betten sind oft nicht nur eher unbequem, sondern häufig auch Fallen. Die Nachttischlampe wirft man runter, weil sie anderswo steht. Da man unbedacht andersrum schläft als daheim, schlägt man zudem irgendwann mitten in der Nacht auf dem harten Boden auf, weil der Bettrand auf der falschen Seite ist. Und deshalb, ja deshalb haut man auch gegen die Wand anstatt auf den schnarchenden Ehemann.

In einem normal geformten, fremden Bett hat man also so schon genug Stress mit Orientierung und Schlafsicherheit. Schlafen inmitten von Segel, Mast und Rettungsring, das passte also jetzt einfach irgendwie nicht. Das ging über meine aktuellen mentalen Kräfte. Ausserdem, was ist, wenn das Schiffs-Bett oder Bett-Schiff nachts kentert? Würden wir dann auf dem blauen Bodenbelag ertrinken? Nein, und nochmals nein. Es gelang mir nicht, locker zu bleiben…

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Romantisches Rosenzimmer für Neuvermählte

An der Rezeption versicherte man mir, dass für viele Gäste dieses eingebettete Schiff, dieses eingeschiffte Bett der absolute Komfort darstelle und es doch ausgesprochen witzig sei. Das konnte ich gut verstehen. Ich war aber zu müde für Witziges. Ich wollte einfach bloss ein sicheres Bett haben, kein witziges. Ich war hier im Schwarzwald, nicht an der Nordsee.

Das Segelschiffzimmer durfte ich gegen das nicht unbedingt altersgerechte, weil sehr romantische Rosenzimmer mit der hochmodernen Dusche eintauschen. Duschen ging nur mit Brille, sonst konnte man die Symbole auf den Knöpfen nicht erkennen. Aber das Ganze sah toll und sehr schick aus. Für das Fehlen der Minibar, des Balkons und des Whirlpools erhielt ich eine Preisreduktion. Das fand ich angemessen und sehr sehr anständig, auch wenn ich nicht im Sinn hatte, hier nochmals so eine Art Flitterwochen zu verbringen.

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Tolle Dusche – hochmoderne Technik für das Rundum-Programm

Dass das Zimmer mit dem Whirlpool schon besetzt war, war vielleicht ganz gut. Denn etwas später hörten wir ein beängstigendes, sehr lautes Blubbern über uns. Dann ein paar spitze Schreie und danach Totenstille. Fünf Minuten später erneut ein heftiges Blubbern und nochmals Schreie. Und wieder Stille.

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Ausblick von der Saigerhöhe

Ob es den Gästen im besagten Zimmer so erging wie uns letztes Jahr, als wir diese sensationelle Übernachtung im Luxushotel mit Whirlpool gewonnen hatten? Denn dieser Whirlpool erwies sich als nicht steuerbar. Die Gebrauchsanweisung war unverständlich und es schien viel komplizierter als das Bedienen eines Smartphones zu sein. Die Düsen machten was sie wollten, und wir setzten beinahe das ganze Luxusbad unter Wasser. Das Personal um Hilfe bitten, das getrauten wir uns nicht. Wir fanden uns nicht mehr schön genug…

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Mann, unterwegs gefunden. Ich habe ihn mitgenommen…

Im Urlaub erlebt man also losgelöst vom Alltag immer wieder Verrücktes. Man sieht Ungewohntes, Abenteuerliches. Wenn man sich in einem neuen Umfeld bewegt, fallen einem Dinge auf, die man daheim womöglich gar nicht wahrnehmen würde.

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Unerwartet Unanständiges am kleinen Badesee in Grafenhausen

Sehr bewusst zieht man auch die Schönheit der Natur in sich auf, denn jetzt hat man die Zeit dazu. Man kann die Seele baumeln lassen und die prächtige Landschaft so richtig auf sich wirken lassen.

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Am Feldsee im Schwarzwald

Man sollte auch unbedingt die regionalen Köstlichkeiten testen und sich ein paar kleine Mitbringsel aussuchen. Die, die man aufessen kann und später weder aufstellen noch abstauben, noch am Zoll deklarieren muss, sind immer noch die besten. Denn eine Kuckucksuhr mag im Schwarzwald inmitten all der dunklen Tannen ja voll cool aussehen, aber ob sie dann daheim zur Ikea-Wohnungseinrichtung passt, kann man aus der Ferne im Augenblick der urlaubshalber eingetretenen Unzurechnungsfähigkeit oft zu wenig abschätzen.

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Lecker zu Vanilleeis – die beschwipsten Pflaumen aus dem Schnapshäusle

Ein Urlaub muss nicht drei lange Wochen dauern, um viel zu erleben. Wie die Bilder hier beweisen, kann man in vier Tagen eine Menge sehen, und das ohne grossen Stress. Wenn dann als krönender Abschluss kurz vor der Ankunft daheim ein Anruf kommt, dass ein Angehöriger im nahen Ausland eine Panne hatte und Hilfe braucht, dann kehrt man einfach wieder um und kommt halt einen halben Tag später zuhause an.

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Krönender Abschluss eines Kurzurlaubs – Pannenhilfe in Weil am Rhein

Ach Leute, wie gut ist es doch, dass die Schweiz so klein ist und das Ausland so nahe liegt. Und es gleich auf der andern Seite der Landesgrenze beginnt…

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Geheimnisvolles Wunderhaus

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Abb. 1: Sehr repräsentativer Hof in Dürrenroth

Das Emmentaler oder auch Berner Bauernhaus ist mit Abstand eines der schönsten Häuser der Schweiz. Diese jahrhundertealten Bauwerke sind eine Summe von konstruktiven, funktionalen und formalen Elementen, die ihresgleichen suchen. Fachleute definieren sie als «komplette bauliche Individuen mit einer eigenen Ausstrahlung und von formvollendeter Schönheit». Das Emmental ist ein typisches Einzelhofgebiet. Die vollumfänglich aus Holz gebauten Häuser liegen verstreut, zu kleinen Gruppen, oft abseits. Früher waren sie in strengen Wintern oft über Tage und Wochen von der Umwelt abgeschnitten.

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Abb. 2: Haupthaus des Gehöfts Zimmerzei in Eggiwil

Zu einem stattlichen Berner Gehöft gehörten schon immer mehrere Gebäude. Da ist einmal das imposante, stattliche Haupthaus. Unter seinem riesigen Dach finden wir die Dreschtenne, die Ställe und den Wohnteil mit einer schönen Vorderfront.

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Abb. 3: Mit dem Farbanstrich täuschte man Mauerwerk vor und gab so dem Haus einen noblen, städtischen Touch

Im Erdgeschoss sind Küche und Stuben untergebracht, im ersten Stock die «Gaden», die ganz früher oft als Lagerraum benutzt wurden und später zu Schlafstuben für die Bediensteten oder die zahlreichen Kinder wurden.

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Abb. 4: Gehöft Zimmerzei, Eggiwil – ausgesprochen prächtiges Stöckli, das vom grossartigen Können des Zimmermanns und dem Wohlstand des Bauherren zeugt, 1794 erbaut

Zum Hof gehörte meist auch der Stock oder das «Stöckli», ein kleineres Nebenhaus. Hier ziehen sich die Eltern zurück, wenn sie den Hof der nächsten Generation weitergegeben haben. Im Ofen- oder Waschhaus wurde gebacken und gewaschen. Etwas abseits wegen der Brandgefahr, aber immer in Sichtweite wegen möglicher Diebe, baute man einen mit schweren Schlössern mehrfach gesicherten Speicher. Hier bewahrte man Saatgut, Dörrobst, die Aussteuer, das Bargeld, die Trachten, schönes Zaumzeug, Gerätschaften, den Schmuck und Wertpapiere auf. Wer reich genug war, baute auch noch ein Küherhaus oder ein Knechtenhaus.

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Abb. 5: Speicher in Wyssachen, Huebershus, Baujahr 1798.

Das Emmentaler Bauernhaus ist ein langgestrecktes Vielzweckhaus, einzigartiges Mehrgenerationenhaus, das meistens sehr viele Bewohner beherbergte. Es bot nicht nur Wohnraum für den Bauern und seine Familie, sondern oft auch für ledige Geschwister und behinderte Angehörige, die auf dem Hof blieben, und ebenso für die betagten Eltern, wenn kein Stock für deren Lebensabend vorhanden war. Als es noch Mägde und Knechte, einen Melker und einen Karrer brauchte, wohnten diese mit dem Bauer und seiner Familie unter einem Dach, im oberen Stockwerk in den hinteren, dunklen Kammern, die „Gaden“ genannt wurden, wenn es denn kein Knechtenhaus gab.

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Abb. 6: Lauben sind immer schön verziert

Das Berner Bauernhaus hat auffallend viele vorhandene Böden, Lauben und Aufhängevorrichtungen. Im niederschlagreichen Hügelland dienten sie dazu, Futter, Getreide, Flachs, Baumfrüchte, Kräuter und Gemüse zu trocken. Auch eine Rauchkammer zum Räuchern von Fleischwaren durfte nicht fehlen und meistens gab es auch einen Webkeller, wo man Leinen wob. Das Haus bot also genug Raum für jede Form von Roh- und Fertigprodukten.

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Abb. 7: Ein mehrgeschossiges, wunderschönes Haus in Röthenbach

Mehrgeschossige Dispositionen der Häuser und das hügelige Gelände führen dazu, dass das Obergeschoss des Wirtschaftsteil (Bühne) seit dem 16. Jh. mit Hocheinfahrten erschlossen ist. Das jeweilige Gelände bestimmt die Lage der Hocheinfahrt.

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Abb. 8: Neu renovierter Hof, Fritzenfluh, Wasen, mit bergseitiger Hocheinfahrt

Es fällt dem Betrachter auf, wie perfekt die Gebäude in die Landschaft eingebettet sind. Es wurde darauf geachtet, dass das Haus entweder der Hügel- oder aber der vorhandenen Tallinie entsprechend positioniert wurde. Das vermittelt den Eindruck, dass die Bauten mit der Landschaft wie zu einer vollumfänglich harmonischen Einheit zusammengewachsen sind.

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Abb. 9: Gehöft in typischer Emmentaler Hügellandschaft, Eriswil

Mit der Ausrichtung des Hauses markiert man die Hauptseite, mit welcher das Haus mit seiner Umgebung funktional in Kontakt tritt und den Besucher auf sich aufmerksam macht. Die so genannte Ründi, ein dekorativer Verschalungunsbogen an der Vorderfront, hat vor allem repräsentative Zwecke und will den Betrachter beeindrucken.

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Abb. 10: Die typische, sehr dekorative Ründe an der Vorderfront soll repräsentieren

In ihrer Stattlichkeit sind die Berner Bauernhäuser wirklich kaum zu übertreffen. Ihre Schönheit zeugt von handwerklichen Meisterleistungen, sie sind von einer beeindruckenden, formalen Ästhetik, die unvergleichlich ist. Hier paarte sich das über viele Generationen von begabten Zimmerleuten erworbene Wissen und Können, also grossartiges Handwerk mit der Wohlhabenheit einer Bauherrschaft, die repräsentieren wollte und die viel Freude an der Zierde hatte. Dass gegenseitiges Übertrumpfen auch vorkam, ist häufig dort gut erkennbar, wo die Gehöfte mehrerer wohlhabender Bauern einen Weiler bildeten.

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Abb. 11: Gehöft Zimmerzei, Eggiwil – das wahrscheinlich schönste Gehöft des Emmentals, und seit Generationen von der gleichen Familie bewohnt und bewirtschaftet

Jede agrarische Modernisierung hat Spuren hinterlassen. Es kamen Umnutzungen, Umbauten, Neubauten, Anbauten, die neuen, schweren Maschinen standhalten mussten. So ist nicht mehr alles erkennbar, wie es in alten Zeiten war. Die Denkmalpflege legt viel Wert darauf, dass ein bedeutendes Kulturgut, wie es das Berner Bauernhaus darstellt, so weit als möglich erhalten bleibt. Die Erhaltung und der Unterhalt der uralten Höfe ist für die Besitzer sehr kosten- und arbeitsintensiv. Noch längst nicht alle Bauernhäuser verfügen über den Komfort, den die meisten von uns heute als selbstverständlich ansehen.

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Abb. 12: Prachtvoller Blumenschmuck am Stöckli, Gehöft Zimmerei, Eggiwil

Zum besonderen Blickfang des Berner Bauernhauses gehört im Sommer ein üppiger Blumenschmuck. Prächtige Geranien, die um 1680 erstmals von Afrika nach Europa kamen und inzwischen zur Schweizer Nationalblume mutiert sind, entzücken das Auge. Sie sind der ganze Stolz der Bäuerinnen und hübschen die uralten Höfe mächtig auf.

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Abb. 13: Sehr schöner Hof in Heimisbach

Das Emmental liegt abseits vom grossen und lauten Tourismus. Es ist gerade deshalb einen Besuch wert. Hier kann man noch Stille finden und zur Ruhe kommen. Eingebettet in einer mystischen und melancholisch anmutenden Hügellandschaft begegnet man hier altem Kulturgut und einem Stück Vergangenheit.

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Abb. 14: Die mystisch-melancholische Landschaft des Emmentals tut der Seele gut

Am stimmungsvollsten präsentiert sich die Landschaft im Spätsommer. Dann ist das Licht goldfarben, weich und mild, in den gepflegten Bauerngärten blühen Zinnien, Tagetes, Astern und Dahlien um die Wette. Aus den «Chrächen», wie Einheimische die Talsenken nennen, steigen sanfte Nebel auf, die dem Land etwas Geheimnisvolles verleihen. Und nachts kann man bei klarem Wetter noch die ganze Pracht der Milchstrasse bewundern. Denn hier im Emmental, da wird es noch richtig dunkel. Das Zirpen der Grillen und das Geläut der Kuhglocken wiegen einen in den Schlaf und man wähnt sich in einer heilen, längst vergangenen Welt. Wehmütig wird man in den Alltag zurückkehren und wissen, dass man wiederkommen wird.

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Abb. 15: Emmental – denn nirgends ist es schöner.

Hilfreiche Links für die Planung Ihres Urlaubs im Emmental:
http://www.myswitzerland.com/de-ch/sommer-destinationen-emmental.html
http://www.myswitzerland.com/de-ch/napfgebiet-emmentaler-gratwanderung.html
http://www.emmental.ch
http://www.ausflugsziele.ch/regionen/emmental/
http://www.slowup-emmental.ch/route.html

Quelle: http://www.erz.be.ch/erz/de/index/kultur/denkmalpflege/publikationen/bauernhausforschung0.html

Dankbarkeit – wofür – wozu?

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Was genau ist eigentlich Dankbarkeit? Denn Dankbarkeit kennt man in jeder Kultur und in jeder Weltreligion und praktiziert sie entsprechend den herrschenden Gepflogenheiten.

Dankbarkeit ist eine Empfindung, ein positives, ethisches Gefühl, eine innere Haltung, womit man besagt, dass man dankbar ist für etwas, das man erhalten hat, oder voraussehbar erhalten wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um etwas Materielles oder Immaterielles handelt. Dem Göttlichen gegenüber dankbar sein, einem andern Menschen gegenüber, oder einfach gegenüber der Existenz, dem Sein, das alles sind mögliche Formen der Dankbarkeit.

Erst so um das Jahr 2000 herum begann man innerhalb der Psychologie mit dem systematischen Studium der Dankbarkeit. Die Psychologie hatte sich ja bis anhin nur mit den negativen Emotionen der Menschen beschäftigt, mit Wut, Angst, Trauer, Hass, Depressionen, Pessimismus und so weiter. Es ging hier um Störungsbehebung und das Lösen von Konflikten. Die neu entstandene, positive Psychologie hingegen befasst sich mit Emotionen wie Freude, Glück, Vertrauen, Geborgenheit, Optimismus, und damit rückte auch die Dankbarkeit in den Fokus der Fachleute.

Untersuchungen haben gezeigt, dass es eine Korrelation zwischen Dankbarkeit und Wohlbefinden gibt. Wer dankbar ist, fühlt sich subjektiv besser, er ist psychisch stabiler, ist zufriedener, glücklicher und lebt glücklicher mit dem was er hat, ohne dass er meint, er sei zu kurz gekommen, er habe weniger Erfolg gehabt und die andern würden mehr besitzen. Ein dankbarer Mensch ist also weniger neidisch, eifersüchtig und frustriert, weniger depressiv, weniger krank und weniger gestresst.

Er hat die besseren sozialen Beziehungen, ist weniger zänkisch, dafür gelassener und die Lebenszufriedenheit liegt auf einem höheren Niveau. Seine Umgebung, sein persönliches Wachstum, das Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit sind besser. Ein dankbarer Mensch kann besser mit komplizierten, schwierigen Lebenssituationen und dramatischen Veränderungen umgehen. Dankbarkeit hilft, in den dunklen Zeiten des Lebens das seelische Gleichgewicht besser zu halten.

Dankbare Menschen können besser mit Problemen umgehen. Es fällt ihnen leichter, sich ihnen zu stellen und sie dann auch zu bewältigen oder herauszufinden, wie man etwas auf eine gute Art umgehen oder angehen kann. Sie finden eher Lösungen und suchen bei Schwierigkeiten nicht die Ursache zuerst immer gleich bei sich selbst. Sie sind weniger anfällig für Alkohol- und Drogenmissbrauch und sie schlafen besser. Weil sie vermutlich vor dem Einschlafen eher gute Gedanken hegen.

Den Untersuchungen gemäß ist Dankbarkeit ein ausgesprochen relevanter Faktor für die psychische Gesundheit unserer Charakterzüge.

Außerdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Dankbarkeit, Empathie, Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft. Ein dankbarer Mensch kann sich also leichter in andere hineinversetzen und daraus entsteht das Bedürfnis zum Teilen und Helfen. Ein dankbarer Mensch ist großzügiger und eher bereit, für einen andern etwas zu tun. Er ist eher in der Lage, auf etwas zu seinen Gunsten zu verzichten, und dafür dort etwas zu investieren, wo es anderen, mehreren zugute kommt.

Der Mensch ist nicht automatisch von Geburt an dankbar. Dankbarkeit muss und kann man lernen. In unserem Kulturkreis gehört das Danken zu den guten Umgangsformen. Wer das negiert, macht sich unbeliebt. Wie die Familie, deren Kinder sich niemals für ein Geschenk bedankten. Weder bei Paten, Grosseltern noch bei Freunden. Darauf angesprochen, sagten die Eltern stolz: „Unsere Kinder sind eben so. Die bedanken sich nicht, und sie müssen sich auch nicht bedanken, wenn sie das nicht wollen!“ Das kam nicht gut an. Es war klar, dass die Kinder bald einmal nichts mehr kriegten.

Wenn Eltern Kindern das Danken nicht beibringen, werden sie es nicht von selbst lernen. Als Erwachsene werden sie später als Leute mit schlechten Manieren abgetan. Kinder lernen Zähneputzen nach dem Essen auch nicht von selbst. Das muss ihnen ebenso beigebracht und dann antrainiert werden.

Danken ist also ein Bestandteil unserer Kultur und gehört zum guten Umgangston. Wer sich bedankt, drückt Wertschätzung aus und würdigt damit die Bemühungen oder die Aufmerksamkeit, die man seinetwegen auf sich genommen oder ausgedrückt hat.

Der Dank wiederum löst bei dem, der etwas gegeben hat, auch positive Gefühle aus. Seine Bemühungen den andern zu ehren und ihm etwas gegeben zu haben, wurden gewürdigt. So sind der Beschenkte wie der Schenkende, der Nehmende wie der Gebende die Beschenkten.

Wer das Danken lernt, der lernt zu schätzen was er hat, ohne auf das zu gucken, was er nicht hat, und es hilft ihm, keine unrealistischen Ansprüche zu entwickeln. Er lernt, dass Dinge wie politischer und sozialer Friede, Gesundheit, Nahrung, Heimat und Arbeit nicht selbstverständlich sind. Er ist sich mehr bewusst, dass er von Gott und seiner Gnade abhängig ist.

Nach Notzeiten haben unsere Vorfahren vor rund hundertachtzig Jahren den Eidgenössischen Dank-, Buß- und Bettag eingeführt. Angesichts der dramatischen Weltlage ist es sicher nicht falsch, wenigstens einmal im Jahr national intensiv dafür zu danken dass man es gut hat und dass die Verhältnisse noch stabil sind. Wissen wir denn, was morgen sein wir? Werden wir heute Abend noch leben, morgen noch gesund sein und übermorgen noch Arbeit haben? Werden wir in zwanzig Jahren hier noch in Frieden leben? Wir wissen es nicht.

Rund sechzig Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Auf Deutschland angewandt, würde dass heißen, dass von vier Deutschen drei ohne Heimat sind. Wer das Glück hat, es besser getroffen zu haben, sollte mit Dankbarkeit großzügig umgehen.

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Dankbarkeit kann man üben. Gott jeden Tag bewusst für das Gute danken – für den leckeren Kaffee, das warme Bett, die Arbeit, für das Lachen eines Kindes. Es gibt jeden Tag etwas, das gut ist und wofür man danken kann.

Wie wäre es zudem, sich einmal umzusehen, ob da vielleicht einer ist, der einen Dank verdient hat? Es ist falsch zu denken, dass zu viel Dank die Leute hochmütig macht oder dass man sie verwöhnt. Es ist auch falsch, andern den Dank zu verweigern, weil sich bei einem selbst auch nie einer bedankt hat. Sehe und merke ich denn überhaupt, wenn ein Dank angebracht wäre? Oder pflege ich etwa selbst nur eine mickrige Dankeskultur? Wir haben die Gewohnheit, den Leuten zu sagen, was sie falsch machen, wo sie nicht gut sind oder wann sie uns auf den Keks gehen. Es ist doch so – wenn jemand etwas gut macht oder gut kann oder sich aufopfert und etwas auf sich nimmt, dann sagen wir nichts. Wir nehmen es als selbstverständlich hin. Oder dann machen sich Neid und Eifersucht breit.

Wenn Dank ausbleibt, dann demotiviert das. Man ist dann nicht mehr so leicht bereit, etwas auf sich zu nehmen oder auszuhalten. Unzufriedenheit und Frustration machen sich breit. Wenn wir uns hingegen bedanken und dankbar sind, dann passiert das Gegenteil. Es entstehen positive Gefühle. Wir sollten uns also so verhalten, dass wir positive Signale aussenden, denn sie kommen in irgendeiner Form eines Tages wieder zu uns zurück. Wir sollten es also besser machen und oft daran denken, dass das Danken uns und anderen gut tut. Unsere große Dankbarkeit Gott und Jesus gegenüber für das was er für uns getan hat, sollte sich in unserem Dankbarkeitsverhalten anderen gegenüber widerspiegeln.

Wen wir Gott und den Menschen gegenüber dankbarer werden, wird uns das gut tun. Einander mehr Wertschätzung und Liebe erweisen, wird uns und andere motivieren und in uns und in anderen enorme Kräfte freisetzen. Denn auf dem Danken, da liegt Segen. Dankbarer zu sein wird uns alle bereichern, zufriedener, glücklicher und liebevoller machen. Und es wird uns Jesus ähnlicher werden lassen.

Gott weiß, dass uns Dankbarkeit gut tut und dass auf ihr Segen liegt. Es gebührt ihm auch unser Dank, denn das Danken ehrt ihn. Er fordert uns deshalb in seinem Wort auf, (Eph. 5.20)

…allezeit für alles IHM als unserem Gott und Vater Danke zu sagen, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Amen

Auf ins neue Jahr!

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Wohin des Weges im neuen Jahr?

Der erste Tag des neuen Jahres ist da. Nach den hinter uns liegenden Dramen und Tragödien hofft die Menschheit auf bessere Zeiten. Aber – wird es sie geben? Vieles beunruhigt uns und wir wissen nicht, welchen Zeiten wir entgegengehen und was noch alles passieren wird.

Die vielen negativen Botschaften, schlimme Ereignisse wie beispielsweise dasjenige von Paris, Krisen, Kriege, Terror und das ganze Flüchtlingselend lösen beim Einzelnen Gefühle der Resignation aus. Man ist hilflos, machtlos, kann vermeintlich nichts tun. Viele Menschen sind sehr pessimistisch geworden und ziehen sich zurück.

Es gibt aber Hoffnung und Zuversicht. Wenn jeder an seinem Platz das Gute tut und für das Gute einsteht, dann glaube ich, dass die Welt ein klein wenig besser wird. Wenn wir auf Unehrlichkeit, Hass, Lüge, Diebstahl, Mord und Betrug verzichten. Wenn wir den andern respektieren und uns gegenseitig mit Wertschätzung und Freundlichkeit begegnen. Wenn wir auf das hören, was dem andern wichtig ist und auf ihn eingehen. Wenn wir fähig sind, auf andere einzugehen, und nicht ständig auf dem Ego-Trip reiten. Der uns dazu verleitet, in allen Dingen zuerst an uns selbst zu denken: „Mir muss es gut gehen. Hauptsache, es stimmt für mich. Die andern gehen mir am Arsch vorbei. Meine Meinungen und meine Ansichten sind die einzig richtigen, alle andern liegen falsch.“

Jeder Mensch möchte im Grunde genommen gerne ein angenehmes Leben haben. Einige leben das aber auf Kosten anderer. Das kann barbarische Grausamkeit bedeuten und das hat mit ganz viel Verblendung, Arroganz, Ignoranz und Egoismus zu tun. Wer wirklich ein guter Mensch sein will und ein friedliches und schönes Zusammenleben sucht, der muss selbst ein Friedensstifter sein. Wer gerne nehmen will, muss also zuerst auch einmal etwas geben.

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Hoffnung und Zuversicht – Rettungsanker in schwierigen Zeiten

Vielleicht sollten wir wieder öfters die Zehn Gebote lesen und sie uns zu Herzen nehmen. Denn wir sollten jetzt einmal ganz ehrlich sein. Wenn diese Gebote, die keine Verbote sind, von der Menschheit etwas mehr befolgt würden, wäre auf Erden manches besser. Das neue Jahr gibt uns daher die Gelegenheit, Gutes zu tun und Dinge besser zu machen als bisher. Mit Liebe und mit guten Taten können Bösartigkeit und Schlechtigkeit überwältigt werden. Was aus Liebe getan wird, ist nämlich niemals vergeblich. Ergreifen wir diese Chance, mehr Freude, Liebe und Licht in diese Welt zu bringen.

Lieber Leser, ich wünsche Ihnen von Herzen ein gutes, gesegnetes, glückliches und friedliches neues Jahr. Mögen Ihre Wünsche und Träume in Erfüllung gehen, und möge das Gute, das Sie tun, in irgendeiner Form zu Ihnen zurückkehren!

Die Zehn Gebote lesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote

Am Anfang war kein Prunk…

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Heilig Abend, Weihnachten. Familien versammeln sich, um gemeinsam der Geburt Jesu zu gedenken. Das heisst, wenn sie den Grund und den Ursprung des Festes noch kennen. Oder dann eben einfach, um sich zu beschenken und ein üppiges Mahl im Kreise ihrer Lieben zu geniessen. Das bedeutet viel Arbeit. Man muss organisieren, einkaufen, putzen und einpacken, und zwar rechtzeitig. Es ist eine logistische Herausforderung, die neben den alltäglichen Arbeiten auch noch bewältigt werden muss.

Diese Tage schrieb mir eine liebe Freundin: „Ich staune jedes Jahr wieder, wie viel Mehrarbeit es für die Frauen bedeutet, alles für ein paar schöne Festtage herzurichten. Oft sind es doch die Ansprüche, die wir Frauen selbst an uns stellen?“

Ich fand, dass das etwas an sich hatte und musste ihr beipflichten. Wir möchten es unseren Familien so schön wie möglich machen, damit alle zufrieden sind. Aber es liegt nicht nur an den Frauen. Auch die Angehörigen haben so ihre Vorstellungen, wie es dann sein sollte. Frauen hetzen sich also enorm ab und sind dann an Weihnachten oft völlig erschöpft. Es braucht deshalb manchmal nur sehr wenig, bis an Weihnachten die Tränen fliessen oder sich ein Konflikt anbahnt. Das muss nicht sein. Wir müssen wieder neu lernen, dass weniger einfach mehr ist.

Wir haben vergessen, wie Weihnachten begann: In einem Stall. Da roch es nicht nach Chanel, sondern nach Mist. Da gab es Staub, Dreck, Heu, Stroh, und sicher jede Menge Ungeziefer. Kein Glitzer, kein Prunk, kein Luxus. Wir müssen daher auch kein Fest der Superlative richten. Es passt also, wenn wir es bescheidener und einfacher versuchen zu halten.

Den Fokus an Weihnachten vermehrt auf Jesus zu richten, auf seine Geburt und das was er für uns auf sich genommen hat, das macht Sinn. Weniger backen, weniger Geschenke, aber mehr Zeit für die Menschen, die man liebt.

Denn Zeit ist kostbar. Uns sind gemessen an der Ewigkeit nur ein paar mickrige Jahre vergönnt. Mit der geschenkten Zeit gut zu haushalten ist heutzutage sehr schwierig geworden. Je älter man wird, um so kürzer werden die Tage, Wochen, Monate und Jahre.

Sich also an Weihnachten Zeit nehmen um mit der Familie zusammen zu sein, um mit Freunden gemütliche Stunden zu verbringen und einfach zu sein. Durchatmen, runterfahren, loslassen. Das möge uns allen gelingen.

Fröhliche, gesegnete und entschleunigte Weihnachten!

Farbenfrohe Welt

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BUNT und leuchtend ist unsere Welt. Anregende Farben, wo man hinschaut. Reinste Freude! Blauer Himmel, bunte Blumen, grüne Wälder und Wiesen.

Versuchen wir uns vorzustellen, wie es aussehen würde, wenn die Welt nur schwarzweiss wäre. So edel das auf den ersten Blick aussehen könnte, so schwer würde das vermutlich innerhalb kurzer Zeit auf die Psyche drücken. Der Mensch braucht Farbe. Sie hat einen Einfluss auf uns. Mit Farben verbinden wir bestimmte Gefühle und Emotionen. Jeder Kulturkreis spricht Farben ihre besondere Bedeutung oder Wirkung zu.

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WEISS ist eine Grund- oder Nichtfarbe. Sie ist in Europa die Farbe für Frieden und Unschuld, für Vollkommenheit, Reinheit, Sauberkeit. Darum wird sie oft von Bräuten getragen. In asiatischen Ländern ist es die Farbe der Trauer. Weiss reflektiert Licht gut, macht hell und vergrössert kleine Räume. Weiss ist neutral und mit allem kombinierbar.

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SCHWARZ ist eine so genannte Nichtfarbe, weil sie unbunt ist. Schwarz steht für Angst, Furcht, Trauer, Dunkelheit, Verlust. Aber ebenso ist diese Nichtfarbe elegant und edel, und wird gerne an wichtigen Anlässen in Form von schicker Kleidung getragen. Im Gegensatz dazu sollte in China an feierlichen, fröhlichen Anlässen kein Schwarz getragen werden, da Schwarz Traurigkeit, Schmutz und das Böse symbolisiert.

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GRAU ist eine weitere Nichtfarbe. Grau wirkt oft trostlos, spießig, alt, öde und langweilig. Grau aber wirkt auch seriös, sachlich, elegant, neutral, passt zu Bürokratie, Schreibtisch, Ordnung und Pünktlichkeit. Grau ist funktional, und kann zusammen mit leuchtenden Farben wie zum Beispiel Gelb eine wunderbar frische Kombination ergeben.

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BRAUN sieht man überall, an Gebäuden und in der Natur. Braun vermittelt Geborgenheit, Naturnähe, Wärme und Gemütlichkeit. Braun wirkt beruhigend, kuschelig, heimelig und freundlich.

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ROT ist eine reine Farbe, eine Primärfarbe. Sie ist die Farbe der Liebe. Es gibt wohl keinen, der nicht irgendwann eine rote Rose schenkte oder geschenkt bekam. Diese starke Farbe kann auch aufregen. Menschen mit zu hohem Blutdruck sollten ihr Schlafzimmer nicht damit streichen. Rot ist dominant, kräftig, warm, und sinnlich. Rot lässt uns an Sex und heisse Liebesnächte denken. In China symbolisiert Rot Glück, Ruhm und Zufall.

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ORANGE ist eine Sekundärfarbe. Sie entsteht, wenn man die zwei Primärfarben Gelb und Rot mischt. Orange löst bei vielen Menschen unterschiedliche Gefühle aus. Entweder mag man die Farbe oder eben nicht. Viele finden sie anregend, assoziieren damit Freude, Aktivität und Lebenslust. Andere empfinden Orange als billig oder gar aggressiv.

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GELB ist eine fantastische, lebendige Farbe. Sie vermittelt Wärme, verströmt eine positive Atmosphäre, fördert die Konzentration und hat positive Auswirkungen auf den Verlauf von Gesprächen. Gelb stimmt freundlich, fröhlich, heiter, belebend und anregend. Gelb symbolisiert das Leben.

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Grün ist die Farbe der Hoffnung. Sie hat eine beruhigende Wirkung, kann aber auch vitalisieren und die kreative Seite in uns wecken. In einer grünen Umgebung erholen wir uns. Grün entspannt. Grün vermittelt Heimatgefühl und löst das Empfinden von Geborgenheit aus. Deshalb ist ein Garten für viele Menschen so etwas wie eine zweite Wohnung.

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TÜRKIS ist sehr attraktiv und erfrischend. Es ist eine kalte, klare, rein wirkende Farbe. Türkis wird deshalb gerne im Badebereich eingesetzt. In heissen Ländern verwendet man diese kalte Farbe oft als Wandfarbe oder als dominierender Teil in Wandmosaiken und Kacheln.

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BLAU empfindet man als kalt, sauber, beruhigend und entspannend. In orientalischen Ländern werden oft Türen und Fensterrahmen blau gestrichen, um die guten Geister anzuziehen und die bösen fern zu halten. Die Jungrau Maria wird häufig mit einem blauen Mantel dargestellt. Die Primärfarbe Blau symbolisiert Treue, Glauben, Frieden, Sicherheit, Hingabe und Vertrauen.

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VIOLETT und LILA verbinden Wärme mit Kälte. Es sind Mischformen, die Sekundärfarben von Rot und Blau. Damit werden gerne Egoismus, Arroganz, Frustration, Emanzipation und unmoralisches Handeln verbunden. Diese Farben stehen aber auch für Opferbereitschaft, Würde und Extravaganz. Violett und Lila mit Silber und Chrom kombiniert wirken sehr edel und exklusiv. Violett soll appetithemmend sein.

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ROSA ist die Farbe der Zartheit, Mädchenhaftigkeit, Ruhe, Romantik und Verliebtheit. Sie ist das Gegenmittel zu Aggressionen. Strafanstalten betreiben neuerdings ein rosarotes Zimmer, weil Rosa auf aggressive Insassen entspannend, besänftigend und beruhigend wirkt. Rosa verbessert unser Urteilsvermögen und lässt uns besser schlafen.

Farben bringen Leben ins Leben. Ohne sie wäre es hier ziemlich trist. Sie sind somit der wichtigste Bestandteil von Gottes herrlicher Schöpfung. Die Farben machen sein Werk perfekt.

Gartenglück

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Lavendel, Sommerflieder, weisse Dahlien, Phlox und Malven blühen. Ein kleines Kind nimmt mich an der Hand.

„Komm mit mir, Blumen gucken!“

Es zieht mich hin zum Blumengarten. Dort bewundert es die satten Farben, hält die Nase an die Blüten. Ich zerreibe Lavendel, damit es daran riechen kann. Es sagt: „Uh, das riecht aber stark!“

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Es sieht die Hummel Bertha, die ihm ihren mit Pollen übersäten, glitzernden Po entgegenstreckt. Das Kind ruft immer wieder: „Ah!“ und „Oh!“ Ich gehe mit ihm dahin, wo die Hummel wohnt. Sie hat es sich mit ihrer Familie im Nistkasten am Haus gemütlich gemacht, da wo sonst Rotschwänzchen hausen. Nun summt es hier Tag und Nacht.

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Wir suchen Schneckenhäuser und finden keine, und auch der Igel hat sich vor der Hitze verkrochen. Er wird erst abends aus seinem Versteck hervorkommen. Ein Zitronenfalter schwirrt um eine Blüte und ein orangefarbener Schmetterling tobt herum. Ich überlege, ob es ein Admiral, ein Distelfalter, ein grosser oder ein kleiner Fuchs ist. Sie sehen sich alle ähnlich und ich muss passen. Den Schwalbenschwanz aber erkennt man problemlos. Fotografieren lässt sich keiner, sie mögen nicht posieren und so schwirren sie davon.

Die Begeisterung des Kindes für die Schönheit des Gartens ist ansteckend. Ich fühle mich reich, gesegnet, privilegiert. Ich habe ein herrliches Plätzchen bekommen und darf es mit andern teilen.

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Wie wird ein Kind, das die Schönheit der Schöpfung noch mit unverfälschten Sinnen wahrnimmt, die Welt in ein paar Jahren sehen? Wird es sich diese kindliche Freude und Begeisterung bewahren können? Wird es auch noch als erwachsene Person voll Freude durch den Garten laufen, die Nase an die Blumen halten und ihren Duft einziehen? Und dann auch ein kleines Kind an der Hand halten?

Ich hoffe und wünsche es mir. Auf dass in meinem Garten immer frohes Lachen erklingen möge…

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Heimat – wo das Herz daheim ist

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Was Heimat ist
Wie definiert man den Begriff Heimat eigentlich?

Heimat heisst, dass der Mensch zu einem bestimmten Ort oder Raum eine Beziehung hat. Heimat wird als der Platz bezeichnet, wo der Mensch hineingeboren wird, wo er die erste Sozialisation erlebt, wo sein Wesen zuerst geprägt wird. Das Wesen der Heimat beeinflusst unsere Mentalität, die Einstellung der Welt gegenüber und den Charakter. Die Heimat gibt uns eine Identität. Heimat ist also da, wo man sich sicher, geborgen und zu Hause fühlt. Heimat ist dort, wo die Menschen leben, die wir lieben, wo unser Lebensmittelpunkt ist und wo unser Herz daheim ist.

Die Heimat vergisst man nicht
Heimat ist der Ort, wo man gerne zurückgeht, wenn man wegziehen musste oder wollte. Es muss schon Gravierendes vorgefallen sein, wenn jemand die Heimat meidet oder sie ganz vergessen will. Die meisten Menschen lieben ihre Heimat und bleiben ihr zeitlebens verbunden. Nicht wenige sind sehr stolz auf ihren Herkunftsort. Wenn sie auch weggezogen sind, erinnern sie sich in der neuen Heimat doch immer wieder an die alte und alles, was sie damit verbinden, ist ihnen lieb.

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Der Verlust der Heimat
Was muss es aber bedeuten, keine Heimat mehr zu haben? Wir, die wir hier so sicher, ruhig und satt leben, haben keine Vorstellung davon. Wir können nicht erahnen, was es heisst, wenn man in der eigenen Heimat nicht mehr sicher ist. Wenn man alles stehen und liegen lassen muss und nur die nackte Haut retten kann.

Sich gedanklich einmal hineinversetzen…
Sehen Sie sich nun einmal in ihrer schönen Wohnung um. Betrachten Sie Ihre tollen Möbel, die hübschen Bilder an den Wänden, die Erinnerungsstücke, die liebevollen Geschenke, die Sie erhalten haben. Schauen Sie sich um und überlegen Sie, welche Dinge Ihnen besonders wertvoll sind. Und dann denken Sie sich aus, wie es wäre, wenn Sie Ihren gepflegten Besitz aufgrund einer Katastrophe innerhalb der nächsten halben Stunde verlassen müssten. Nur mit dem, was Sie gerade auf dem Leib tragen. Im Wissen, dass eine Rückkehr nicht möglich sein wird…

Wir können uns das nicht vorstellen. Es ist unmöglich, unfassbar. Aber solches geschieht vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Millionen müssen fliehen, sie werden verjagt, gejagt und fürchten um ihr Leben. Sie verlieren alles, den Besitz, die Heimat, das Zuhause und ihre Angehörigen. Sie können nichts mitnehmen, keine Erinnerungsstücke, kein Geld, keine Papiere, einfach nichts.

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Unvorstellbarer Verlust
Es ist unvorstellbar und nicht auszumalen, was es bedeutet, keine Heimat mehr zu haben, kein Daheim, keinen Ort, wo man sicher ist und sich wohl und geborgen fühlt. Nichts mehr zu besitzen, das einem ganz allein gehört und keinen mehr zu haben, der für einen da ist und sich um einen sorgt. Heimatlosigkeit ist Schutzlosigkeit, fehlende Geborgenheit, mangelnde Sicherheit, Einsamkeit, Heimweh, Angst und nackte Verzweiflung.

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Jeder Mensch braucht ein Zuhause
Der Mensch braucht eine irdische Heimat, um psychisch gesund zu bleiben. Er braucht ein sicheres Zuhause und Menschen, die ihn lieben. Gott sagt, dass es nicht gut ist, dass der Mensch alleine ist. Wer sich von den Menschen verlassen fühlt, kann sich auch von Gott verlassen fühlen. Wir haben also eine Verantwortung unserem Schöpfer gegenüber. Denn Gott sagt, dass wir uns um die kümmern sollen, die in Not sind. Wir sollen uns um ihre leiblichen, aber auch um ihre geistlichen Bedürfnisse kümmern und etwas vom Überfluss abgeben. Denn, wissen wir, wie es uns morgen ergehen wird? Ob es hier immer so bleiben wird, wie wir es jetzt haben? Wären wir dann nicht auch froh, wenn man uns helfen würde?

Dankbarkeit ist angesagt
Wir leben in einem wunderschönen und sicheren Land. Im Frühling erfreuen uns die blühenden Wiesen, im Sommer die Seen und Berge. Im Herbst die bunten Wälder und Winter der leuchtende Schnee. Hier sind wir geboren, geborgen und daheim. Es geht uns gut, wir haben ein Zuhause, wie es schöner nicht sein könnte. Das sollte uns dankbar machen. Tragen wir Sorge zum Guten, das wir haben. Vergessen wir die nicht, die es schlechter getroffen haben. Denn, das muss man sich immer vor Augen halten – es ist nicht selbstverständlich, eine Heimat, ein sicheres Zuhause zu haben…