Mathematik macht schön

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Schönheit ist ein Begriff, den jeder kennt. Wir lernen bereits als Kind, was in unserem Kulturkreis „schön“ bedeutet, obwohl es doch ein abstrakter Begriff ist.

Laut Wikipedia wird als „schön“ bezeichnet, was einen angenehmen Eindruck hinterlässt. „Schön“ ist also ein positiver Begriff. Wer aber definiert, was schön ist? Wie sehr ist unser Empfinden von der Kultur und der Gesellschaft, in der wir leben, geprägt?

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Nicht jeder empfindet die gleichen Dinge als schön. Einmal schenkte ich einer kranken Dame Chrysanthemen. Ihre Tochter war davon nicht angetan. Entsetzt rief sie: „Aber das sind Blumen für den Friedhof!“ Ich war betroffen. Bis zu diesem Tag hatte ich Chrysanthemen wundervoll gefunden. Seither aber haben diese Blumen etwas Unangenehmes an sich. Was gut war, wurde durch eine vorwurfsvolle Bemerkung negativ.

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Ich erhielt ein Geschenk, das ich nicht schön fand. Wir alle kennen das. Es ist grauenhaft. Man kriegt etwas „Schönes“, dass man potthässlich findet…

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So liegen vielleicht den Völkern irgendwelche, uns Laien unbekannte Erfahrungen zugrunde, weshalb man anderswo Dinge schön findet, die in unserer Kultur als befremdend wahrgenommen werden. Wie die Tellerlippen bei den Mursi. Je grösser die Tellerlippe, um so attraktiver die Frau. Forscher vermuten, dass man ursprünglich so die Frauen uninteressant für Sklavenjäger machen wollte.

Vielleicht gibt es darum so etwas wie einen kollektiven Schönheitssinn. Wir kennen Kulturen, wo schlanke Frauen als nicht besonders schön gelten. Bei den Padaung kriegen die Frauen viele schwere Metallspiralen um den Hals gewickelt. Sie kriegen davon mit den Jahren einen „Giraffenhals“. Dann gibt es zum Beispiel Kleidertrachten, die finden wir hier im Westen zu bunt. Inderinnen in ihren eleganten Saris und mit ihrem Goldschmuck hingegen sehen toll aus, anmutig und zierlich. Würde ich aber einen Sari anziehen – es wäre unpassend. Ich würde niemals diese Grazie an den Tag legen, wie sie das tun.

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Was ist Schönheit? Was ist in meinen Augen schön? Sind es die aufgespritzten vollen Lippen? Oder ein mit Photoshop bearbeitetes, makelloses Gesicht auf der Frontseite einer Illustrierten? Jede Epoche hat ihre eigenen Schönheitsideale, und was heute als schön gilt, kann morgen vorbei sein. Wer würde denn heute noch gepuderte Perücken und Schnürbrust wie zur Zeit des Rokokos tragen wollen? Oder welcher Mann möchte noch mit einer Schamkapsel herumlaufen, wie das Heinrich VIII. tat? Heute wäre es unvorstellbar, seine Männlichkeit auf diese Art und Weise zu demonstrieren. Der Begriff „Schönheit“, insofern der Mensch Einfluss nehmen kann, ist also wandelbar und veränderlich. Er wird nicht nur von ortsüblichen Gepflogenheiten, sondern auch von persönlichen Vorlieben, dem Geschmack, der Herkunft und vielem mehr geprägt.

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Es gibt aber Schönheit, die weltumfassend widerspruchslos alle Menschen bejahen. Egal, welcher Ethnie sie angehören. Das ist dann der Fall, wenn uns die Natur in ihrer Pracht und Einzigartigkeit begegnet. Denn, welcher Mensch würde einen prächtigen Sonnenuntergang als hässlich bezeichnen? Oder einen stahlblauen Himmel? Oder ein Feld blühender Sonnenblumen? Einen glitzernden See? Schneebedeckte Gipfel? Weisse Sandstrände mit Palmen? In solchen Augenblicken sind sich ausnahmslos einmal alle Menschen einig. Solche Momente darf man also getrost als paradiesisch bezeichnen. So stehen oft Menschen aus vielen verschiedenen Nationen, von unterschiedlicher Hautfarbe, mit verschiedener Religionszugehörigkeit auf einem berühmten Berggipfel und sind sich völlig einig: „Es ist hier unfassbar schön!“

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Wieso finden praktisch alle Menschen die Natur in ihrer Pracht und Schönheit einfach umwerfend und wunderbar? Weshalb zieht es an sonnigen Tagen Tausende hinaus ins Grüne? Weil das, was hier der Schöpfer geschaffen hat, dermassen perfekt ist! Das nimmt, wenn auch nicht immer der Verstand, so doch das Auge wahr. Jede noch so kleine Blume ist genial konstruiert. Überall finden wir die Goldene Zahl. Fünfblättrige Blüten beispielsweise sind geometrisch exakt, entsprechend einem Fünfeck aufgebaut, und repräsentieren damit die Schöpfung in höchster Vollendung. Denn eine Blüte ist so nicht mehr abstrakt und „nichtssagend“ wie ein blosses Fünfeck auf dem Papier. Eine Blüte lebt, duftet und ist bunt.

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Aber es gibt noch weitere spannende Fakten. Die Verteilung der Kerne in der Sonnenblume zum Beispiel ist nicht einfach zufällig. Sie ist mathematisch ganz genau versetzt um je 137,5°. Das ist wiederum genau die Gradzahl des Goldenen Winkels, der auch wieder auf die schöne Zahl des Goldenen Schnittes (1,618033…) zurückgeht. Und hier beginnen die Fragen: Wieso weiss jede Sonnenblume, egal wie mies das Wetter ist oder der Boden beschaffen, dass sie genau so wachsen muss, damit sie nachher so formvollendet aussieht?

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Wer sich noch mehr für diese wunderbaren und genialen Zusammenhänge und einige Fakten interessiert, kann sich hier umsehen:
http://www.was-darwin-nicht-wusste.de/wunder/mathematische-ueberraschungen.html

Ich selbst verstehe von Mathematik nur so viel, als dass sie in der Schöpfung überall vorkommt, gleichmässige Formen schafft, die von vollendeter Schönheit sind. Es scheint jedes noch so kleine Detail präzise geplant zu sein, damit es am Ende „aufgeht“ und jede Pflanze, jede Blüte ein vollkommenes, harmonisches und schön anzusehendes Ganzes ist.

So gibt es immer wieder Grund, dem Schöpfer für das Wunderbare, dass unseren Augen beschert wird, zu danken. Denn, er hätte ja einfach alles ohne Mathematik und Systematik schaffen können. Dann hätte ich es in der Schule einfacher gehabt. Aber, wir hätten hier das Chaos, und vielleicht wäre alles anstatt bunt und farbenfroh, einfach nur einfarbig. Eine schreckliche Vorstellung, nicht wahr?

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Mathematik macht also schön, ob man sie nun begreift oder nicht…

Vom Nebel zum Napf

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Die Tage werden kürzer. Nun legt sich oft dicker Nebel übers Mittelland. Manchmal sieht man die Sonne lange nicht. Im Unterland ist es dann kalt, während es in höheren Regionen schön und warm ist.

Ist aber Sonne angesagt, dann schwärmen die Schweizer aus wie Ameisen. An sonnigen Wochenenden verlassen sie die nebligen Niederungen. Sie wandern und klettern zu Hunderten auf alle die wunderbaren Aussichtspunkte, die das Land zu bieten hat. Ich lebe im Aargau, da wo der Nebel an manchen Tagen fast zur Haustüre herein kommt. Ist der Wetterbericht gut, dann werde auch ich zur Wanderameise.

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Das Emmental – im Herzen der Schweiz – eine hügelige Landschaft mit Wald und Weiden, ist ein Wandergebiet par excellence. Ich liebe diese Gegend. Hier ist meine Heimat. Hier zieht es mich hin, wenn ich nachdenken muss, und wenn ich Gott und der Schöpfung nahe sein will. Hier gehe ich hin, wenn ich Ruhe und Entspannung brauche, und vom Alltag abschalten will. Aber manchmal haben viele Mitbürger die gleiche Bedürfnisse…

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Es braucht hier keine hochalpine Kletterausrüstung. Es genügen gute Wanderstiefel, eine Jacke, und wer mag, nimmt seine Wanderstöcke mit. Die einzige Bedingung ist Trittsicherheit und Fitness. Denn viele Wanderwege führen steil bergauf.

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Mein Ziel war dieses Mal der Napf – nein, das ist kein Kuchen, und auch kein Gefäss. Sondern der Hausberg der Emmentaler. Von seinem höchsten Punkt aus führen ringsum Eggen, Gräben und Täler hinunter und wer sich die Landkarte ansieht, erkennt aufgrund der geologischen Gegebenheit den Napf als Nabe, die Täler und Gräben mit ihren Bächen und Wegen als Speichen und die Haupttäler als Felge.

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Viele Wege führen auf den Napf. Dieses Mal bin ich bis Langnau im Emmental gefahren, dann Richtung Trubschachen und Fankhaus. Dann weiter bis zur Mettlenalp. Beim Gasthof Mettlenalp kann man parken. Von da aus geht es steil hoch. Eine Stunde Schweiss. Und oben trifft man tausend Wanderer, die das gleiche Ziel wählten. Und die staunend das tolle Panorama geniessen und sich in der Sonne aalen. Es herrschen sprichwörtlich Frieden und Freude.

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Wie die Betreiber des Gasthofes so einen Ansturm bewältigen, ist beeindruckend. Genau wie die unglaublichen Mengen an Erde, die die Wanderer ins Restaurant und auf die Toiletten schleppen. Ich frage mich, wie man das wieder weg kriegt.

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Zurück geht es hintenrum, da ist es nicht so steil, dafür dauert der Abstieg etwas länger als eine Stunde. Und verhungern muss man im Emmental nicht. Hier findet man überall gemütliche Alpwirtschaften und Gasthöfe.

Wenn Sie also diesen Herbst nochmals raus wollen, dann auf ins Emmental!

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Im Westerwald – da weht der Wind so kalt

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Einmal im Jahr verbringe ich ein männerfreies Wochenende und besuche eine Freizeit für Frauen. Das ist immer wieder neu eine positive Erfahrung. Nicht deshalb, weil es da keine Männer hat. Denn genau so, wie die Männer uns brauchen, genau so brauchen wir sie ja auch. Aber losgelöst vom Alltag kann man sich auf sich selbst besinnen.

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Man tauscht sich bei Gesprächen und auf Spaziergängen oft schon frühmorgens aus über das, was speziell Frauen beschäftigt. Man hat Raum um nachzudenken. Über das eigene Leben, über Gott und das, was einen gerade bewegt. Man hat Zeit, sich neue Ziele zu setzen, und wenn nötig, Dinge abzuhaken und hinter sich zu lassen.

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Ein paar Stunden ist man unter sich, muss weder kochen, waschen oder bügeln, und sich um nichts und niemanden kümmern. Und weil einen niemanden beim Nachdenken ablenkt, kann die Frau so richtig abschalten und neue Energie tanken.

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Frauen mögen es, sich mit tief gehenden Themen zu beschäftigen, die sie geistlich weiterbringen und die im Alltag hilfreich und nützlich sind. Das diesjährige Thema war dem Gedanken gewidmet, wie man starke Wurzeln entwickeln kann, um den Stürmen des Lebens standhalten zu können. Jede Frau hat ja ihre eigene Lebensgeschichte, geprägt von allen erlebten Höhen und Tiefen.

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Jeder Mensch kann von seinen eigenen Erfahrungen berichten und dazu beitragen, was helfen kann, um standhafter zu werden. Damit man die Tage besser ertragen kann, von denen wir wünschen, es gäbe sie nicht.

Ein gegenseitiger Austausch ist bereichernd, tröstlich und lehrreich. Das schafft eine tiefe Atmosphäre der Verbundenheit untereinander.

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Wenn dann noch eine wunderschönen Umgebung dazu beiträgt, dass man sich gut fühlt, dann ist so ein Wochenende sozusagen perfekt. Der Westerwald, wo der Wind so kalt wehen soll, zeigte sich von seiner besten Seite. Warmes Herbstwetter, weite Wiesen und Felder, Natur pur.

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Frauen haben es gerne harmonisch und schön. Das fängt schon beim Einrichten des eigenen Heims an und dehnt sich auch oft bis auf den Garten aus. Sie machen es sich selbst und ihren Lieben gerne gemütlich und angenehm. Sie können gute Augenblicke intensiv geniessen, im Wissen darum, dass es auch andere Momente im Leben gibt. Der Aufenthalt in der Natur ist also oft wie ein Spaziergang durch die Stube Gottes, eine Art erweiterte Wohnung.

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Und das, was uns gut tut, dass tut dann auch unseren Familien gut. Man bringt gestärkt neue Eindrücke mit nach Hause. Und ein paar mickrige Fotos, die aber doch davon zeugen, wie schön der Schöpfer unsere Erde gemacht hat.

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Es ist schön im Westerwald, nicht wahr?

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Ein perfekter Urlaub

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Urlaub. Endlich. Seit vielen Jahren einmal zwei Wochen am Stück. Keine Kinder, Haustiere, Blumen und Gemüsepflanzen, die mitgeschleppt, umsorgt oder versorgt werden müssen. Wunderbar.

Urlaub – die Zeit, wo man sich erholen will und Dinge tun möchte, für die man sonst nie Raum hat.
Liebenswerte Einladungen von Freunden annehmen, an die See fahren, lesen, ausruhen, faulenzen.
Und einige tolle Events besuchen. In Hessen.

Hier deshalb ein paar Schnappschüsse von der sehenswerten Landesgartenschau in Gießen. Ein Muss für Gartenfreaks.

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Dann der Besuch der „Golden Oldies“ in Wettenberg bei Gießen – Oldtimer, Petticoats und Rock’n’Roll…

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Wie lernt man ein Land kennen? Indem man es durchquert. Vom Aargau in der Schweiz durch Baden-Württemberg nach Hessen. Dann weiter nach Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern. Die Weite fasziniert. Thüringens Wälder, die schmucken Ortschaften, riesige, erntereife Getreidefelder. Rund um Berlin die riesigen Windräder. Die Uckermark. Das viele Wasser. Die Insel Usedom. Wunderschön. Was soll ich also in Thailand oder in der Mongolei, wenn es nicht weit von meinem Zuhause Gegenden von solcher Schönheit gibt? Denn ein einziges Leben reicht nicht aus, um alles zu sehen, was Deutschland, geschweige denn ganz Europa zu bieten hat.

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Herrlich sonnige Tage an der Ostsee. Kilometerlanger Strand mit weissem Sand. Eine leichte Brise, angenehme Temperaturen. Keine aufdringlichen Strandverkäufer. Keine Mücken. Kein Lärm. Keine Strandräuber. Kein Gedränge. Freundliche Menschen.

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Man ruht sich aus, liest, faulenzt, schwimmt, badet und holt sich einen Sonnenbrand. Daheim hingegen ist es kalt und regnet fortwährend.

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Die Seebrücke von Bansin

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Man entdeckt DAS Blau…

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Nach schönen und erholsamen Tagen fällt es schwer, wieder dem Alltag zuzusteuern. Wie schön, dass ein solcher Urlaub überhaupt möglich war. Es ist nicht selbstverständlich.

Man fährt also zurück, streift Bayern auch noch und erreicht wohlbehalten das Zuhause.

Hier warten sehnsüchtig erwachsene Kinder. Die genau wissen wollten, wann man anreist. Die müde aussehen. Verdächtig. Ob etwas passiert ist? Ob einer etwas angestellt hat? Das Garagentor eingedellt? Die Küche beschädigt? Einen Hund angeschafft, den man nicht haben will?

Aber nichts dergleichen. Nur viel schlimmer. Die Kinder haben in den zwei Wochen kurzerhand das schäbige Wohnzimmer renoviert. Sie haben die Wände neu tapeziert, den alten Parkettboden geschliffen und geölt. Fenster, Türe und die Decke sind neu gestrichen.

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Eine neue Couch steht da. Neue Kissen und Vorhänge in freundlichem Gelb. Die Überraschung ist gelungen. Es sieht toll aus. Eine überwältigende Erfahrung.

Es war der perfekte Urlaub. Und das perfekte Heimkommen.

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Sommerregen – Regensommer

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Zwei volle Tage wollte ich mit der Kamera durchs EMMENTAL pirschen. Durch die lieblichste Gegend der Schweiz. Aber das Wetter war gegen mich. Es fand zu Hause sozusagen gar nicht statt. Sommer war gemäss der Applikation auf meinem Smartphone überall auf der Welt, nur hier nicht. Das war also der falsche Ort. Und an einen falschen Ort geht man nicht hin. Auch wenn man ihn gnadenlos und leidenschaftlich liebt.

Also fährt man weg. Nach Hessen. Denn dort regnet es auch. Wo aber keine Berge sind, da hängen die Wolken nicht so tief. Man kann dann trotzdem ein paar Bilder machen.

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Man rast also voll in den hessischen Regen hinein. Erlebt man nämlich gerade nichts, hat man nichts, worüber sich zu schreiben lohnt. Wenn also nichts geschieht, dann muss man etwas Mutiges tun, damit etwas passiert.

Auch andernorts gibt es überwältigende Landschaften, die das Herz berühren. Auch bei schlechtem Wetter. Und dazu gehört die Gegend rund um Gießen in Hessen.

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Es ist seltsam, dass mir so etwas gefällt, auch wenn es Unkraut ist. Das heisst jetzt aber nicht, dass ich wegen Unkraut nach Hessen gefahren bin…

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Ausblick von der Grüninger Warte bei Regen – Kornfeld in Hessen, Wetterau. Wenn fotografisch auch in die falsche Richtung, finde ich es doch irgendwie hübsch…

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Regen ist nötig, denn wo es regnet, da gibt es auch Leben. Wenn es Zeiten gibt, wo es nur regnet, hat das auch sein Gutes. Es entsteht keine zweite Wüste Gobi. Ich will jetzt auch wissen, ob es in andern Ländern gleich regnet wie daheim. Denn, vielleicht ist der hessische Regen ja anders? Bunter, heftiger, größere Tropfen vielleicht? Und vielleicht riecht er ja nach etwas Unbekanntem? Nach Handkäse mit Musik? Oder er schmeckt vielleicht ein wenig wie die berühmte grüne Soße, die man in Hessen gerne isst und die so wunderbar schmeckt? Oder er riecht wie daheim? Einfach nach Regen?

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Das ist Handkäse mit Musik – ein kalorienarmer Käse mit einer Zwiebelmarinade. Köstlich. Für unwissende Schweizer: Die Zwiebeln machen die Musik. Es steht also kein Geiger da, der während dem Essen spielt.

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Gebeutelt vom hessischem Wind – steht im Feld ein Schweizer Kind
Foto: Thomas Falkenrodt

Wer schreiben will, der muss zuerst etwas erleben. Von nichts kommt nichts. Geschichten entstehen nicht aus dem Leeren heraus. Erzählungen formen sich zu Worten aus Erlebtem. Was uns emotionell beschäftigt, macht Bilder im Kopf. Die Bilder werden zu Worten. Die Worte zu Sätzen. Sie finden den Weg vom Kopf in die Finger. Dann fliessen sie durch die Tasten auf den Screen. Und von da in die ganze Welt hinaus.

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Getreidefelder sind faszinierend – und auch bei Regen schön…

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Wer noch nie in Hessen war und nicht weiss, wo er den Sommerurlaub verbringen will, fährt am besten dorthin. Die Gegend ist traumhaft schön. Dann besucht man auch gleich noch die Landesgartenschau in Gießen:

http://www.landesgartenschaugiessen.de

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Ach ja, bevor ich es vergesse. Hessischer Regen hat keinen Geruch und keinen Geschmack. Er ist wie der Regen daheim. Nass.

Ahorn – am Grenzpfad im Napfgebiet

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Aussicht von der Ahornalp

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Für kurze Tagesausflüge bietet sich die Ahornalp, kurz Ahorn genannt, wunderbar an. Die Alp liegt am Grenzpfad Napfbergland. Vom zentralen Mittelland der Schweiz führt der Grenzpfad, die Kulturgrenze Bern-Zentralschweiz, durch eine wunderschöne Gegend bis hin zum Brünig. Rund um die Ahornalp hat man eine tolle Aussicht – vom Jura bis zu den Berner Alpen, vom Pilatus bis hin zum Glärnisch.

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Das Napfgebiet und das EMMENTAL bieten traumhafte Landschaften und Naturschönheiten.

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Den Baum auf dem nachfolgenden Bild findet man auf dem Weg vom Ahorn Richtung Birnbaum-Luthern.

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Foto bearbeitet von Thomas Falkenrodt

Wer seinen Sommerurlaub zu Hause verbringt und einmal gerne die Gegend besucht, findet hier nähere Informationen:

http://www.grenzpfad.ch

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Hier ein Tipp: In den Monaten August und September ist der Sternenhimmel in mondlosen Nächten im EMMENTAL besonders schön und gut zu sehen. Dann sind die Tage schon etwas kürzer und es wird früher dunkel. Die Lichtverschmutzung ist hier noch nicht so arg wie in der Agglomeration und den Städten.

In dieser Zeitspanne kann man jeweils die Milchstrasse auf den Hügeln des EMMENTALS wie beispielsweise bei Eriswil, in ihrer ganzen Pracht bewundern.

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Die Landschaft rund um Eriswil ist reizvoll. Das Dorf ist Ausgangspunkt für viele schöne Wanderungen.
http://www.eriswil.ch

Die Legende von der Krone

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Gott schuf die Welt, und eine Legende besagt, dass der Allmächtige mit Eiger, Mönch und Jungfrau wirklich etwas ausserordentlich Schönes geschaffen hatte. Als er damit fertig war, blieb noch etwas Material übrig. Also schuf Gott damit den Hohgant. Und darum wird der Hohgant auch die Krone des EMMENTALS genannt.

Diese schöne Erzählung lieferte mir Hans. Mit ihm wollte ich auf den Hohgant.

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Ungefähr 12 km Luftlinie nordöstlich von Interlaken her liegt der Hohgant im hinteren EMMENTAL.
Eine 7 km lange Bergkette mit mehreren Gipfeln kennzeichnet ihn. Sein höchster Punkt liegt 2197 m. ü. Meer.

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Unter den Bergmassiven vom Hohgant, der Schrattenfluh und den sieben Hengsten befindet sich ein bekanntes, riesiges Höhlensystem. Es ist allerdings nur Höhlenforschern zugänglich.

Vor einigen Tagen habe ich es dann geschafft und den Hohgant bestiegen. Alles, was ich brauchte, war ein kurzfristiger Entschluss, einen freien Tag, stabiles Wetter, die passende Ausrüstung und eben Hans.

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Ohne kundigen Begleiter sollte man nie in den Bergen unterwegs sein, wenn man die Gegend nicht so gut kennt. Ich mag die mildere Form des Bergabenteuers, ohne Seil, Pickel und Biwak. Das gefällt mir besser, als mitten in Viertausendern zu hocken und ihre Felswände anzustarren.

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In dieser Gegend könnte man sich tot fotografieren, weil es so viel Schönes zu sehen gibt. Aber man will ja hochsteigen und weiterleben, also Beherrschung bitte.

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In Anbetracht der tollen Aussicht werden einem die Herzen weit und man freut sich über die wunderbare Schöpfung. An Evolution und Urknall mag man nicht glauben, es erscheint einem unwahrscheinlich, ja ketzerisch, dass etwas so Wunderbares „einfach so“ entstanden sein sollte. Das zu glauben, würde ja einen riesigen Glauben bedingen. Und da war auch die Geschichte von dem Mann, der sagte: „Ich habe keine Probleme mit dem Urknall. Gott schnippte mit dem Finger, und dann knallte es!“

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Aber – erfüllte Wünsche haben die negative Eigenschaft, neue Wünsche zu gebären. Auf dieser Wanderung wurde mir klar, dass es noch weitere lohnenswerte Ziele im EMMENTAL gibt. Das Räbloch, die Täuferhöhle, die im Innereriz geschützten Hochmoore, die Schrattenfluh.

Vorerst zieht es mich also noch nicht nach New York.

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Dieser Link führt zum Schweizer Fernsehen, das sollte man sich ansehen:
http://www.srf.ch/sendungen/srf-bi-de-luet-wunderland/2012/hohgant-gebiet-krone-des-emmentals

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Sonntage im EMMENTAL

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Sonntage sind besondere Tage. Für mich ist es der Tag der Woche, an dem uns Gott Ruhe und Erholung verordnet hat. Wie dankbar bin ich dafür! Ohne schlechtes Gewissen darf man sich auf den Liegestuhl legen, stundenlang wandern, spazieren, ein Buch lesen, oder gar nichts tun. Denn der Montag ist auch noch ein Tag.

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Wer sechs Tage die Woche fleissig ist, darf mit gutem Gewissen an einem siebten Tag eine Pause einlegen. So dachten meine Grosseltern. Das dürfe man auch dann, wenn trotz viel Fleiss nicht alles geschafft worden sei. Man komme nicht schneller ans Ziel, wenn man auch am Ruhetag arbeite. Die Welt gehe nicht unter, wenn nicht alles erledigt sei. Es gebe eh immer etwas zu tun, und die Arbeit gehe einem nie aus.

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Ich teile diese Einstellung. Und es ist mir egal, wenn man mich deswegen altmodisch und rückständig nennt. Denn es ist anscheinend sogar wissenschaftlich erwiesen, dass der Mensch in diesem Rhythmus einen Ruhetag braucht. Ich vermute, dass es Folgen hat, wenn man sich keine regelmässige Erholung gönnt. Ausserdem ist der wöchentliche Ruhetag gut fürs Äussere. Er glättet unsere Falten, weil man sich entspannen kann. Es macht also Sinn, den Alltag einmal die Woche hinter sich zu lassen.

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Am Ruhetag hat man Zeit zum Laufen, zum Nachdenken, Beten, Zeit für den Gottesdienst, für die Familie. An Sonntagen halte ich mich gerne in der freien Natur auf.

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Man atmet den herrlichen Duft der Heuwiesen ein, hört das Zirpen der Grillen und das Summen der Bienen. Manchmal ist der Himmel an Sonntagen besonders blau. Mir kommt es jedenfalls so vor. Er sieht einfach blauer aus, wenn ich ihn nicht durchs Fenster meines Büros anschauen muss.

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Nirgends ist der Himmel bei besonderen Wetterlagen so schön wie im EMMENTAL. Über der heimeligen Landschaft liegt Ruhe. Hier findet man zahllose stille Plätzchen zum Verweilen, weitab vom Stress und dem Lärm der übrigen Welt. Grandiose Wolkenbilder ziehen vorbei. Wolken, die aussehen, wie mit dem Pinsel aufgemalt. Unfassbar schön. Man kann sich daran nicht sattsehen. Hier wird die Seele des Menschen von Gott liebkost.

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An solchen fantastischen Tagen kann auch der Ungeübte nette Fotos machen. Denn die ganze Landschaft ist eine Augenweide. Wie ein kostbares Gemälde zeigt sie sich von ihrer besten Seite und posiert so, dass die Kamera gar nicht anders kann, als ein schönes Bild zu schiessen.

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Lieber Leser, wenn Sie sich einmal etwas Gutes tun wollen, und Sie noch nie im EMMENTAL waren, dann sollten Sie das unbedingt einmal nachholen. Bevor Sie einen Trip nach New York planen. New York kann warten. Das EMMENTAL nicht.

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Der Markt der Märkte – Gotthelf-Märit

EMMENTAL – Land zwischen Brauchtum, Tradition und Moderne
Kleine Foto-Tour

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Immer im Juni findet der Gotthelf-Märit in Sumiswald im Emmental, Kanton Bern, statt. Der Markt in Sumiswald gehört zu den schönsten Märkten, die es in der Schweiz gibt.

Sumiswald bietet sich mit dem alten Dorfkern, den wunderschönen und typischen Häusern geradezu an, hier einen historischen abzuhalten. Zahllose Stände laden ein, fast vergessenes Handwerk in Erinnerung zu rufen. Korbmacher, Strohflechter, Drechsler, Seifenmacher, Klöpplerinnen, Töpfer, Waschweiber, Holzschnitzer und viele andere zeigen ihr grossartiges Können und bewahren jahrhundertealte Handfertigkeit vor dem Vergessen.

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Viele Besucher und Marktfahrer tragen stolz ihre Tracht oder historische Kostüme aus der Zeit Gotthelfs.
Als der Markt um halb neun Uhr eröffnet wird, strömen bereits grosse Scharen ins Dorf. Für Unterhaltung ist gesorgt und sie repräsentiert reines, altes Brauchtum, das weiter gepflegt werden will. Erfreulich viele Kinder und junge Leute sind in den traditionellen Vereinen aktiv. In der Trachtengruppe, der Dorfmusik, im Schwingclub. Smartphone und Kleidertracht schliessen sich also nicht aus. Die Besucher sehen Volkstanz, Fahnenschwingen, hören Jodellieder, Zitherspiel, Alphornbläser, den Kinderchor in Tracht.

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Auch das Schwingen der Jungen fehlt nicht. Schwingen – der schweizerische Nationalsport schlechthin. Wie die Grossen gehen auch die Kleinen in Edelweisshemd und Schwingerhose den Wettkampf mit grossem Ernst an.

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Der Markt ist auch eine kulinarische Fundgrube. Köstlichen Käse, Wurst, Honig, Gewürze, Obst, Gebäck, Brot, Wein, Schnaps, alles von fleissigen Händen aus der Region hergestellt.

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Die Vielfalt und der angebotenen und ausgestellten Produkte ist eine Augenweide. Die Menschenmenge nimmt zu, man tritt sich auf die Füsse, aber das tut der guten Laune keinen Abbruch.

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Wer könnte jetzt hier auch schlechte Laune haben? Da ist einer, der mir anbietet, seinen Käse zu kosten, dort einer, der dasselbe mit seiner leckeren Rauchwurst tut, und dazwischen überall Tische und Bänke, wo man etwas essen und trinken, sich ausruhen und den Treiben zusehen kann.

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Der Emmentaler hat echt keinen Grund, schlechte Laune zu haben. Er hat nicht nur schöne Märkte und die schönsten und fleissigsten Frauen weit und breit. Er hat auch ein Brauchtum, das es wert ist, erhalten zu werden. Er hat das Glück, in einer der wundervollsten Gegenden der Welt zu leben.

EMMENTAL – das bedeutet nicht nur Heimat, sondern für mich stets ein kleines Stück Paradies auf Erden.

Der nächst Gotthelf-Märit findet am 13. Juni 2015 statt.

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Ein Bett inmitten von Klatschmohn

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Vor einigen Tagen sprach ich mit ein paar Leuten darüber, wie das einmal im Himmel sein wird. In der Bibel steht nämlich, dass Jesus uns dort eine Wohnung zubereitet. Wir malten uns also aus, wie das dann sein könnte. Die Vorstellung, dass Gottes Sohn das persönlich für uns tut, ist schliesslich absolut umwerfend. „Es wird perfekt sein!“, sagte jemand. Wir versuchten uns vorzustellen, wie unsere persönliche Wohnung dort aussehen wird. Aber es fiel uns schwer. Es war unmöglich, weil es unsere Vorstellungskraft sprengt.

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„Ich werde dort einen kleinen Woll-Laden haben“, sagte eine der anwesenden Damen lächelnd. Jedem fiel etwas ein, das ihm lieb war und das er dort gerne haben würde.

Ich überlegte, was ich besonders mochte, aber mir fiel nichts ein. Der Gedanke, dort noch etwas zu brauchen, erschien mir unsinnig. Bei Gott werden alle unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte komplett gestillt sein. Dann aber kam mir in den Sinn, das ich Blumen besonders mochte. Jede Blume ist auf ihre Art und Weise wunderbar. In ihrer vollkommenen Schönheit ist jede Blüte ein Zeugnis für die fantastische Schöpferkraft eines äusserst kreativen Gottes.

„Ich werde dort ein Bett in einem Feld voller Klatschmohn haben! Ein Bett im Mohnfeld!“, erklärte ich. Alle lachten. „Das stelle ich mir wunderbar vor! Ein Blumenfeld für mich allein, das sanft vom Wind hin und her bewegt wird. Meine meine Wohnung wird also vielleicht voller Blumen sein!“

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Keiner weiss, wie das genau sein wird. Ich vermute aber, dass jede Blüte, die wir zu Gesicht bekommen, ein Hinweis auf das zu erwartende Unfassbare und Herrliche ist, das uns im Himmel vorbereitet wird.

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