Spätsommer – ist der Hammer!

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Die grösste Hitze des Sommers ist vorbei. Aber – noch immer sind die Temperaturen angenehm. Am Morgen ist es schon etwas kühl und abends kann man nicht so mehr lange draussen sitzen. Man stellt fest, dass es um sechs Uhr in der Früh bereits wieder dunkel ist und wertet das als Einbusse an Lebensqualität.

Der Spätsommer ist eine wunderbare Zeit, dieser sanfte, liebliche Übergang in den Herbst. Die Farben verändern sich, das Licht wird weicher, die Sonne steht nicht mehr so hoch, und sie scheint nicht mehr so grell. Es riecht anders. Die Getreidefelder werden abgeerntet…

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Die ersten Früchte wie Mirabellen und Klaräpfel sind reif, die Astern und Dahlien beginnen zu blühen und man pflanzt noch einmal Kohlrabi und Salat, den Nachbars Katze gleich wieder ausbuddelt. Nie findet man den Sternenhimmel so klar und schön wie im August und im September. Denn die Sonne sinkt nun früher und tiefer unter den Horizont als im Hochsommer, der helle Dämmerschein im Nordwesten hat abgenommen. Über uns der hellste Stern des Sommerdreiecks, die Wega im Sternbild Leier und viele weitere Sternbilder, deren Namen man vergessen oder gar nie gewusst hat.

Auch die Wolkenbilder verändern sich. Oft sehen sie aus wie Pinselstriche am stahlblauen Himmel. Sie formen sich zu beeindruckenden Gebilden. Sie ziehen vorbei, in eine uns unbekannte Ferne. Man möchte sie aufhalten, das Bild festhalten, aber der leichte Wind, der nun so oft über die Gärten und Felder streicht, nimmt sie mit.

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Mit wehendem Haar steht man am Rande des Feldweges und schaut ihnen wehmütig nach. Das Fernweh macht sich breit und man verspürt diese alljährliche wiederkehrende Sehnsucht, dieses schreckliche Ziehen in der Brust, das danach schreit, jetzt noch aufzubrechen, weg zu gehen, irgendwohin, wo man frei ist…

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Jeden einzelnen Augenblick, den man noch draussen verbringen kann, geniesst man jetzt ganz bewusst. Man lebt, fühlt und arbeitet intensiv. Jede Minute ist kostbar, stets mit dem kommenden Winter vor Augen, wo man wieder ewig ans Haus gebunden sein wird und gegen den Winterblues ankämpfen muss. Man freut sich innig über die üppig blühenden Blumen, und darüber, dass man tagsüber noch immer barfuß gehen kann. Man staunt, wie das selbst ausgesäte Basilikum gedeiht und wie gross die Blätter der Pflanzen geworden sind. Am Morgen mit Frischkäse auf dem Toast, einfach lecker!

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Man muss unbedingt nochmals ins EMMENTAL, um die Blumenpracht auf den schönen Höfen zu bewundern, wie auf demjenigen des Patenkindes. Ein schöner Ort – HEIMAT!

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Nochmals im Fluss schwimmen, bevor es zu kalt wird. Hier, am zum Privatstrand erklärten Platz am Ufer der Aare.

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Der einzige, der die Ruhe unterbricht, ist der Mann mit dem Boot, der flussaufwärts tuckert.

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Am Abend setzt man sich hingegen mit der Fleece-Jacke, einem Glas Wein, Laternen und Teelichtern ins windgeschützte Gartenhaus.

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Und bei jeder sich bietenden Gelegenheit schmeißt man den Grill an, isst draussen, hockt vor der Haustür auf der Stufe, auf der Gartenbank oder den Bistrostühlen, werkelt im Garten und freut sich, wenn sich einer dazu gesellt und sich unterhalten will.

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Man freut sich über alles Unerwartete, das man entdeckt. Über den Frosch im Teich einer Freundin, der so lange still hält, bis man ihn geknipst hat. Aber – als man ihn küssen will, haut er ab. Da will einer also nicht geküsst werden? Pfui! Weiss er überhaupt, was er verpasst hat? – Nein, sonst wäre er einem bestimmt auf den Schoss gehüpft! – Und weg ist er, der so lange herbeigesehnte Prinz. Wie furchtbar – und so traurig, schluchz…! Wenigstens ein Foto bleibt einem, der grossen Träume winziger Trost…

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Die Veränderungen in der Natur beobachtet man argwöhnisch, aufmerksam, in der Hoffnung, dass es noch lange, sehr sehr lange warm und sonnig bleiben wird. Jeden Regentag und jeden Kälteeinbruch betrachtet man als seinen persönlichen Feind, obwohl man weiss, wie nötig Regen ist, und dass dieser auch seine Berechtigung hat. – Aber, noch wünschen wir Socken, Strümpfe und warme Jacken ins Pfefferland…

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Ja, der Sommer kommt, der Sommer geht. Jedes Jahr lassen wir ihn wehmütig zurück, mit vielen guten Erinnerungen, schönen Fotos und tollen Erlebnissen, die wir unterwegs, in Wiesen, Wald und Feld gemacht haben. Mit diesen Bildern im Kopf übersteht man die dunkle Jahreszeit besser. Denn, wenn wir an langen Winterabenden die Fotos des Sommers durchsehen, Alben erstellen und aussortieren – können wir uns dankbar an das Schöne erinnern, das hinter uns liegt. – Und uns mit jeder Faser unseres Herzens auf den nächsten SOMMER freuen…

Kochen am Morgen bringt Kummer und Sorgen

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Der Tag ist frühmorgens am schönsten. Alle übrigen Bewohner schlafen noch tief. Es herrscht himmlische Ruhe.

Draussen zwitschern bereits die Singvögel um die Wette, und im Osten beginnt sich der Morgenhimmel von seltsamen rosafarbenen Streifen zu tiefroten Striemen zu verfärben. Es ist der beste Augenblick des Tages. Man kann in aller Stille ein paar Zeilen lesen, die Gedanken ordnen. Entweder draussen im wundervollen Garten…

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…oder – dann halt in der Küche, falls der Wind geht. Mist. Er geht heute. Also Küche. Die erste Tasse Kaffee, die Zeitung, Toast, Butter, Marmelade. Genuss pur, Luxus der Extraklasse, denn es gibt Menschen, die nicht wissen, ob sie heute etwas zu essen kriegen. Während man genüsslich kaut, fällt der Blick auf eine Notiz. Von einem, der mitten in der Nacht das Haus verlassen musste, um zur Arbeit zu gehen. Er möchte hart gekochte Eier haben. Man prüft den Bestand und schmeißt was noch da ist, sanft in einen Topf.

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Die Eieruhr stellt man auf 8 Minuten. Dann setzt man sich wieder hin, und liest den überdimensionierten Artikel über Oprah Winfreys elende Schweizer Handtaschen-Geschichte zu Ende – und gibt zu, dass man die Dame auch nicht erkannt hätte. Die eigene Hirnregion für die Gesichtserkennung ist völlig unterentwickelt. Es gibt einfach zu viele Menschen auf diesem Erdball, um jedes Gesicht speichern zu können…

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Dann plötzlich ein wahnsinniger Knall! WER schiesst da auf den friedlichen Kaffeetrinker? Man wirft die Hände in die Höhe, schleudert die Kaffeetasse gegen die Gardine und das gestern geputzte Fenster, das Butterbrot fliegt samt Marmelade an die frisch getünchte Decke und der Stuhl kippt um. Und – man spürt nichts. Keinen Schmerz, kein Einschussloch, kein Blut. Aber – ein simples Ei ist EXPLODIERT, ein schlichtes, unauffälliges Schweizer Ei. Das von der Explosionskraft verdrängte Wasser hat den Herd unter Wasser gesetzt, während die restlichen Eier ruhig und gelassen weiter blubbern und sich normal verhalten.

Es ist bekannt, dass Eier in der Mikrowelle explodieren. Aber im Kochtopf? Was war das für ein Ei? Es stammte doch aus dem EMMENTAL, wurde am Fusse des Napfs von einer glücklichen, artgerecht gehaltenen Henne, der ein stolzer Hahn und eine liebevolle Bäuerin zur Seite standen, gelegt? Danach wurde das Ei sanft von Hand aus dem kuscheligen Nest geholt, wiederum artgerecht vorsichtig verpackt, transportiert, dann dreissig Kilometer weiter nördlich von der Köchin freundlich in Empfang genommen und eierkonform aufbewahrt.

Nach über vierzig Jahren Eier kochen steht man hier also vor einer neuen Frage. Hat die Henne etwas gefressen, dass sich im Ei manifestiert hat? Verstrahlte Körner? Radioaktive Samen? Auf einem Bio-Hof? Unvorstellbar! Genmanipuliertes Mais? Unmöglich. Nicht im EMMENTAL! Der Knall klang wie das überdimensionierte POP von Popcorn. Oder hat sich im Ei einfach ein Wind, (der Schweizer nennt das „Furz“), eingekapselt, dann den falschen Weg genommen, und sich infolge der Erhitzung einen Ausgang ins Freie gesucht? Fragen über Fragen…

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Gedankenverloren klaubt man den Marmeladentoast von der Decke. Dass Butterbrote stets mit der bestrichenen Seite auf den Boden fallen, das wussten wir ja schon. Dass es aber auch in die andere Richtung geht, ist neu. – Aber nichts ist passiert, nichts beschädigt, keiner verletzt.

Kochen war schon immer gefährlich. Man lässt es also am besten bleiben und holt sich einen Döner…

Die übrigen Eier bleiben unauffällig. Man hatte es also mit einem Einzeltäter zu tun.

Die kläglichen, aber irgendwie doch beeindruckenden Überreste von dem bösartigen Ei werden begutachtet, und man überlegt, sie ans Institut für Rechtsmedizin in Zürich zu senden. Nach zahllosen Folgen von „Navy CIS“, mit dem heiss geliebten Mark Harmon in der Titelrolle, kommt ein arger Gedanke auf – es könnte sich ja um einen Anschlag handeln…

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Ja, genau, DAS war es. Ein Anschlag auf mein mir heiliges Morgenritual!

P.S.: Und damit keiner auf den Gedanken kommt, den riskanten Drehtest zu machen, um den Unterschied zwischen gekochten und ungekochten Eiern herauszufinden, MARKIERT man sie. Vorsichtshalber…

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