Die Geschenke

Besonders an Weihnachten wünschen wir uns Zeichen der Liebe, der Zuneigung, der Freundschaft. Wir sehnen uns nach Zuwendung und Geborgenheit, nach Wärme und Frieden.

Unsere Erwartungen sind oft zu gross. Nicht immer werden sie erfüllt und dann ist die Enttäuschung gross.

Christoph sass frustriert mit der Familie vor dem Weihnachtsbaum. Alle hatten sie ein Geschenk erhalten. Er hatte seiner Frau das Parfum, das sie so gerne mochte, gekauft. Die Kinder hatten auch bekommen, was sie gerne haben wollten, Ina ein dickes Buch und eine Karte um auf iTunes etwas runter zu laden. Die Jungs jeder ein neues Game und Skibrillen für den anstehenden Skiurlaub. Und von den Grosseltern einen schönen Geldbetrag. Susanne, seine Frau, hatte von den Eltern zudem einen Gutschein für ein Wellness-Wochenende im Taunus erhalten und von den Kindern ein absolut tolles Notizbuch. Sie war selig. Und er? Was hatte er bekommen? Er fühlte sich absolut miserabel.

Christoph hatte den Schwiegereltern einen Kalender hergestellt, mit wunderbaren Bildern aus der Umgebung, die er selbst geknipst hatte. Er hatte sich sehr viel Arbeit damit gemacht und freute sich selbst an dem gelungenen Resultat. Sie hatten meistens einen billigen Werbe-Kalender in der Stube hängen, und so dachte er, würde es sehr nett sein, einmal einen wirklich schönen, persönlichen zu kriegen. Er freute sich richtig auf ihre erstaunten und zufriedenen Gesichter. Und auf ein Lob für die schöne Arbeit.

Dann war der Heilig Abend gekommen, den sie wie immer mit den Schwiegereltern verbrachten.

Und nun sass er da und war zutiefst verletzt.

Die Schwiegereltern hatten den Kalender ausgepackt, nur kurz drauf geguckt und dann meinte die Schwiegermutter: „Ach, einen Kalender? Ich habe schon einen bekommen, in der Apotheke, mit Gutscheinen drauf wo man kostenlos Gratismuster erhält. – Ah, und dann hat mir die Nachbarin noch einen geschenkt, mit Blumen. Vom Floristen. Der ist schön, der gefiel mir sehr!“

Dann legte sie seinen wertvollen Kalender achtlos beiseite. Christoph spürte einen heftigen Stich in der Brustgegend, und innerlich krampfte sich etwas in ihm zusammen. Er war tagelang durch die Gegend gepirscht, in freien Minuten hatte er nach Plätzen gesucht, die den Schwiegereltern etwas bedeuteten und sie richtig ins Bild gerückt. Danach hatte er ein paar Abende investiert, um die passenden Bilder auszuwählen und den Kalender zu gestalten. Ein Freund von ihm, der etwas von Fotografie verstand, hatte ihn gelobt, als er die Bilder sah. „Das wird sie freuen, sage ich dir! Total gut, wie du das hin gekriegt hast, sehr schön!“

Christoph sass da und spürte Wut hochkommen.

Von seiner Frau hatte er nichts erhalten, sie fand, er hätte ja eh alles, kaufe sich übers Jahr stets was er brauche und wenn sie etwas für ihn kaufe, würde er es sowieso umtauschen gehen. Er hätte aber so gerne auch ein nettes persönliches Geschenk gehabt. Weshalb versuchten sie und die Kinder denn nie, herauszufinden, was er gerne haben möchte, was ihm Freude machen würde? Man hatte doch ein Jahr Zeit dazu?

Von den Kindern bekam er ein paar selbst gemachte Gutscheine, die zwar nett gedacht waren, aber eher aus Mangel an Ideen entstanden waren. Husch, husch hingekritzelt, in letzter Minute. Weil man es verschlampt hatte und zu spät darüber nachgedacht hatte, was man dem Papa schenken könnte.

Christoph sass da, fühlte sich verraten, ungeliebt, missverstanden, ausgenutzt.

Ja, zahlen, alles bezahlen, dafür war er gut genug. Aber sich die Mühe zu nehmen, ihm auch ein nettes Geschenk, dass ihm etwas bedeutete, zu machen, das wollte anscheinend keiner. Er kochte innerlich und wäre am liebsten aus der Stube gerannt.

Wie alle Jahre überreichte ihm die Schwiegermutter ein paar handgestrickte Wollsocken, die er wie immer nicht tragen würde, weil sie kratzten.

Und weil sie hässlich waren und nicht zu seinen dunklen Anzügen passten. Er arbeitete bei einem grossen Versicherungskonzern und hellblaue Wollsocken mit roten, grünen oder dunkelblauen Streifen waren tabu.

Als er das Päckchen aufmachte und die grässlich gekringelten Socken vorfand, aber dieses Jahr aus unerfindlichen Gründen der bisher übliche Briefumschlag mit dem Geld fehlte, platzte Christoph der Kragen. Er gab das Päckchen der Schwiegermama zurück und sagte kühl: „Mutter, ich habe noch etwa zwanzig Paar ungetragene Wollsocken in meiner Schublade, ich brauche dieses Jahr keine Socken und auch nächstes und übernächstes Jahr nicht. Ich bin allergisch auf Wolle. Sie kratzt.“

Sie guckte ihn erbost und beleidigt an und seine Frau Susanne rief entrüstet: „Aber Christoph!“

„Warum hast du das denn nie gesagt, dass du meine Socken gar nie trägst?“ blaffte ihn die Schwiegermutter an. Die vier Kinder schauten mit grossen Augen von einem zum andern. Es war ihnen peinlich, wie sich der Vater benahm. Aber insgeheim fanden auch sie die Socken furchtbar und ergriffen innerlich Partei für ihn.

Christoph schaute die Mutter fest an, dann antwortete er:
„Weil ich es als junger und frisch getrauter Ehemann nicht mit dir verderben und dich nicht verletzen wollte. Aus Respekt der Mutter meiner Frau gegenüber. Ich dachte auch, du würdest irgendwann merken, dass ich deine Socken niemals getragen habe. Oder Susanne würde es dir mal sagen. Und es ist richtig, dass ich es dir besser gleich hätte sagen sollen, dann hätte es damals kurz Zoff gegeben, aber es wäre damit erledigt gewesen. Nun haben wir den Streit halt eben jetzt. Du magst meinen Kalender nicht. Der mich viel Arbeit und Zeit gekostet hat und den ich speziell mit Liebe für euch gemacht habe, und weil du lieber Werbekalender magst. Und ich mag deine Socken nicht, die du mit Fleiss für mich gestrickt hast. Somit ist ja alles bestens und wir wissen beide jetzt Bescheid und machen es nächstes Jahr besser. – Wir schenken uns nichts mehr!“

Stille. Der Schwiegervater hüstelte, und versuchte sich am engen Kragen samt der seidenen Krawatte etwas Luft zu verschaffen.

Dann sagte er in die unangenehme Situation hinein: „Ich muss Christoph beipflichten. Man hätte ihn eigentlich mal fragen sollen, ob er Wollsocken überhaupt mag! – Und, damit du es weißt, Gertrud“, wandte er sich etwas unsicher an seine Frau, „ich, äh – also ich – ich mag Wollsocken eigentlich auch nicht, und habe mich auch nicht getraut, dir das zu sagen. Weil ich dich auch nicht verletzen wollte!“ Er senkte beschämt den Kopf.

Ruckartig stand die Schwiegermutter auf, Zornesröte stieg ihr ins Gesicht.

Dann fing sie an zu toben: „Was seid ihr doch für ein undankbares Pack! Vierzig Jahre lang habe ich mir die Finger krumm gestrickt, und nun das!“ Sie ging zackig wie ein Offizier zur Tür hinaus und knallte sie zu. So heftig, dass das Geschirr im Schrank laut klirrte. Die Zurückgebliebenen zuckten wie unter einem Peitschenhieb zusammen und schauten sich stumm und sprachlos an.

Gerade als sich der Schwiegervater bei allen entschuldigen wollte, ging die Türe nochmals mit einem wilden Ruck auf. Der zornrote Kopf der Schwiegermutter erschien im Rahmen.

Laut, mit einem unterdrückten, tiefen Schluchzer schrie sie in den Raum hinein: „Und – damit ihr es wisst – ich h a s s e stricken!“

Nun standen sie alle da, mit offenem Mund.

Den Schwiegervater aber packte es als Erster. Zuerst versuchte er es noch zu unterdrücken, aber es ging nicht. Er prustete los und bald kugelten sich alle vor Lachen. Nein, sie lachten und sie weinten durcheinander. Dann ging der Schwiegervater zur Tür. Er gebot allen, nun ruhig zu sein, da die Mutter das Gelächter falsch auffassen könnte. „Ich regle das mit ihr – ich trage eigentlich die Schuld dran. Wartet bitte hier.“

Es dauerte eine ganze Weile, bis die beiden wieder erschienen, die Mutter mit geröteten Augen. Sie setzten sich hin und dann begann der Vater zu sprechen.

„Wir haben das geklärt. Es ist meine Schuld“, sagte er, „dass es so gekommen ist. Als wir jung waren, war das Stricken für Frauen und Mädchen einfach Pflicht. Es gab ja nur diese Wollsocken. Als ich dann meine Frau kennenlernte, und wir die erste Weihnachtsfeier als Verlobte mit den zukünftigen Schwiegereltern feierten, überreichte mir Gertrud als erstes Geschenk ein Paar Wollsocken. Ich hatte sie nie gerne getragen, sie kratzten, und so lief ich, sobald es warm genug war, immer ohne Socken rum. Als dann die ersten dünneren modernen Dinger auf den Markt kamen, trug ich solche jeweils unter den Wollsocken. Und wenn Gertrud es nicht bemerkte, liess ich die wolligen Dinger ganz weg.

Ich war damals sehr verliebt. Ich wollte dieses tolle Mädchen nicht verletzen und dankte ihr etwas übertrieben für dieses Geschenk. Sie war über meine Reaktion leicht bestürzt und so doppelte ich noch etwas nach und erklärte nochmals, wie sehr ich mich darüber freue. Was ich aber bis heute nicht wusste – Gertruds Mutter hatte ihr gesagt, sie müsse ihrem Bräutigam unbedingt ein Paar Socken stricken, damit er sehe, dass er eine fähige, fleissige Frau kriegen werde. Obwohl sie wusste, wie sehr Gertrud stricken hasste. Und Gertrud war über meine Begeisterung entsetzt, sie hatte insgeheim irgendwie gehofft, dass ich die Socken nicht wirklich mochte. Aber – es gab ja für uns arme Leute noch keine Alternative, und das wusste sie auch. Gertrud also fügte sich den Konventionen. Und strickte schicksalsergeben fleissig jedes Jahr mehrere Paar Socken für mich zu Weihnachten. Denn ich hatte mich ja so wahnsinnig darüber gefreut. So seufzten wir vierzig Jahre lang heimlich – Gertrud, weil sie vermeintlich stricken musste, und ich, weil ich die Socken dann tragen sollte. Sie strickte aus Liebe, und nicht, weil sie es mochte, und ich trug sie aus Liebe, und nicht, weil ich sie gerne trug. Wir hätten miteinander reden sollen und ehrlich zueinander sein. Dann wäre Christoph gegenüber nicht wieder der gleiche Fehler passiert. Einfach so anzunehmen, dass er auch Wollsocken mag.“

Der Schwiegervater wandte sich an Christoph. „Tut mir leid, mein Junge. Wir vertragen uns wieder, gell? Aber sag – was hättest du denn gerne zu Weihnachten gehabt?“

Christoph erwiderte vorsichtig: „Darf ich das sagen?“
„Aber ja, mach schon!“ lachte der Schwiegervater.
„Dann“, stammelte Christoph, „dann hätte ich eigentlich sehr gerne, dass ihr übers Jahr versucht raus zu finden was mir Freude machen könnte und was mir gefallen würde. Ich lese und bastle oft, ich fahre Ski, ich gehe im Gebirge klettern. Ich mag Musik. Ich fotografiere und werkle im Garten – und wenn ihr trotzdem nichts findet dann fragt. Ich kann euch – sagen wir – dann drei Dinge nennen und davon wählt ihr etwas aus. Es macht nämlich auch nicht sehr viel Spass, wenn man im Voraus weiss was man kriegt!“

„Und was hättest du denn dieses Jahr gerne gehabt? Komm, sag schon, wir haben was gut zu machen. Du kriegst das noch, abgemacht?“
„Okay, das lasse ich gelten. Dann hätte ich sehr gerne dieses neue fantastische Fotobuch über die Schweizer Alpen gehabt – für einen Kletterer ein Muss!“

„Prima, das regeln wir!“ Der Vater war zufrieden.

Dann wandte sich Christoph an die Schwiegermutter: „Findest du denn den Kalender wirklich so mies? Guck ihn dir doch mal richtig an!“

Beschämt packte die Mutter den Kalender, setzte sich zum Vater.

Das erste Bild nach dem Deckblatt mit der neuen Jahreszahl kam zum Vorschein. Ein entzückter Ausruf. „Das ist ja im Park bei dem Wasserspiel wo du mir den Heiratsantrag gemacht hast!“ Die Schwiegermutter lächelte glücklich.
„Ja, und hier, in diesem alten, romantischen Kirchlein haben wir geheiratet!“
„Ah und da lebten wir die ersten Jahre!“
„Und hier gingen alle unsere Kinder zur Schule!“
„Och, und da ist das Haus!“
„Und sieh, er hat den Garten fotografiert, wie wunderbar. Guck, die Rosen!“
Sie waren begeistert, bis zum Dezember und fielen Christoph um den Hals.

„Junge“, sagte der Schwiegervater, „das hast du toll hingekriegt. Und fast hätten wir es vermasselt! Entschuldige nochmals! Wir werden das ganze Jahr über Freude an den tollen Fotos haben! Garantiert!“

Susanne trat zu Christoph hin und schmiegte sich in seinen Arm. Sie gab ihm einen Kuss und sagte: „Schatz, nachdem das mit den Eltern nun geregelt ist, glaube ich, sollten wir auch reden, nicht wahr? Du musst arg enttäuscht sein, es tut mir Leid, mein Lieber!“

Sein Zorn war verflogen. Er drückte sie und sagte: „Ja, nächstes Jahr machen wir es besser. Denn – ich bin nicht wirklich geschaffen für Weihnachten. Ich bin viel zu harmoniebedürftig und an Weihnachten sind die gegenseitigen Erwartungen einfach oft zu gross. Ich fühlte mich ausgenutzt und zu kurz gekommen.“

„Ich bedauere es“, sagte Susanne, „und du hast Recht, nie ist es leichter als an Weihnachten, die, die man liebt, zu enttäuschen…“

Er nickte und die übrigen ebenso.

Sie setzten sich also nochmals einmütig zusammen um den Baum um noch einmal ein paar Lieder zu singen.

Die Schwiegereltern schauten sich glücklich an, hielten sich an den Händen, die Kinder strahlten und Christoph hielt seine Susanne im Arm. Der Frieden war wieder hergestellt. Und jeder spürte – dass jetzt richtiger wirklicher Weihnachtsfrieden eingekehrt war.

Der letzte Ton des letzten Liedes war verklungen, friedlich sassen sie einträchtig im warmen Raum. Da erklang plötzlich ein furchtbarer, aber glücklicher Schrei, der alle zusammenfahren liess:

„Hurra! – Nie mehr stricken! – Hurra!“

Die Geschichte zum Ausdrucken:
Die Geschenke

Weitere Weihnachtsgeschichten:

https://www.il-verlag.com/autoren/plüss-marianne-helena/der-weihnachtswunsch/

Behalt es nicht für dich!

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Keine Weihnachtsgeschichte

Weihnachten – wenn wir den Begriff hören, denken wir dann an das Ereignis, das vor zweitausend Jahren in Bethlehem geschah? Oder – haben wir es wie so viele andere auch, schlicht vergessen oder verdrängt? Einfach deshalb, weil es viel zu unglaublich klingt, um wahr zu sein?

Wunder sind unfassbare Begebenheiten.

So nennt man dem menschlichen Geist nicht erklärbare oder unglaubliche Ereignisse «Wunder». Weil wir uns wundern, verwundern, und die dem Menschen vernünftig erscheinende Erklärung fehlt.

Ein Wunder geschieht, wenn Unmögliches möglich wird, wenn in grösster Not, Angst und Hoffnungslosigkeit etwas passiert, mit dem man niemals mehr gerechnet hat. Es ist ein Wunder, wenn Dinge geschehen, die zeitlich so perfekt passten, wie sie menschlich gesehen so niemals planbar und organisierbar gewesen wären.

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Unter einem Wunder verstehe ich also ein ganz besonderes Ereignis in Zeit oder Raum oder beidem zusammen, das meinem menschlichen Verstand, den allgemein üblichen Erfahrungen die wir Menschen machen, der allgemeinen Vernunft, dem üblichen Verständnis und den gegebenen Gesetzlichkeiten von Geschichte, unseren Erfahrungen und der Natur scheinbar oder dann tatsächlich ganz entgegen stehen.

Wir denken beim Wort «Weihnachten» oft zuerst einmal an Besinnung, Geborgenheit, Freude und Frieden. Wir sehen in Gedanken den Weihnachtsbaum, traumhafte Winterlandschaften und hören das Gebimmel der Glocken vom Pferdeschlitten. Wir freuen uns auf Geschenke, die Familie, das gemütliche Zusammensein in der warmen Stube und auf das gute Essen. Wir sitzen zusammen, singen, musizieren und lesen unseren Lieben die Weihnachtsgeschichte und andere schöne Geschichten vor. Das Wunder von Weihnachten aber, das der Welt Frieden und Liebe, Vergebung, Freude, und ewiges Leben bringt und bringen will, scheint aktuell vielen nichts mehr zu bedeuten. Das ist ein herber Verlust. Das Wissen und Kennen der Weihnachtsbotschaft, die uns Menschen geschenkt wurde, hat einen Einfluss auf ein Volk. Dieses wunderbare Ereignis wirkt sich auf das Verhalten, die Sozialkompetenz, die Empathie, die Fürsorge für andere, kurz, auf alle Charaktereigenschaften und Tugenden aus. Seien dies nun Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Höflichkeit, Respekt, Anstand, Fleiss, Achtsamkeit, Sorgfalt und Verantwortungsgefühl.

Für viele Menschen sieht die Realität aktuell hingegen ganz anders aus.

Denn ein Jahr mit vielen Terroranschlägen, Konflikten, Kriegen und unglaublich grausamen und verstörenden Pressebildern liegt bald hinter uns. Zahllos die Menschen, die unter absolut unwürdigen Bedingungen leben müssen. Obdachlos, verfolgt, beraubt, ausgebeutet, vergewaltigt, gefoltert, versklavt, krank, hungrig, frierend, völlig verarmt, auf der Flucht. Hunderte, Tausende, Millionen sind es. Ihre Menge ist unzählbar und unüberschaubar geworden. Die Hälfte der Betroffenen sind Kinder. Kinder! Sie alle sind Opfer von grenzenlosen Radikalismus, von erschütternder Arroganz, Selbstherrlichkeit, Terror, Egoismus, Hab-und Raffgier, Neid, Brutalität, Hass und Lieblosigkeit eines unvorstellbaren Ausmasses geworden. Sie sind Opfer von Tätern, die nicht wissen, was sie wirklich tun. Opfer von Menschen, die es nicht wissen wollen und meinen, das Richtige zu tun, das Recht dazu zu haben, andere zu zerstören und die nicht wissen, was «Weihnachten» ist, dass es «Weihnachten» gibt.

Krieg, Elend, Terror dominieren die Nachrichten

Immer mehr Menschen schalten Radio und TV aus, klicken die Nachrichten weg, weil sie es nicht mehr ertragen. Ohnmächtig muss man zusehen, wie die Regierungen sich nicht einigen können und es mit Hilfe harzt. Keiner will sich die Finger verbrennen, eigene Soldaten opfern, Kosten verursachen. Man sieht zu, wie Diplomaten und Regierungschefs am schicken Tisch im edlen Raum, mit teuren Blumen und Premium-Mineralwasser versuchen, zuerst ihre eigenen Interessen möglichst gut zu vertreten, während zeitgleich auf den Schlachtfeldern und in schmutzigen Camps Menschen darben und am Laufband sterben. Ohne Hoffnung auf Hilfe, ohne Zukunft, ohne Perspektiven. Immer geht es dabei um Macht, Landbesitz, Ansprüche, um Öl, um Geschäfte, kurz zusammengefasst, um Geld. Dazu beim eigenen Volk nicht in Misskredit zu geraten, die Ausgaben im Griff zu halten und nicht den Tod von eigenen Landsleuten verantworten zu müssen, um die eigene Wiederwahl nicht zu gefährden. Man sieht voller Furcht tatenlos zu, wie Grausamkeit und Barbarei grassieren und niemand greift zugunsten von Verfolgten ein. Die eigene Haut ist kostbar, die Angst, das Richtige zu tun, das vielleicht dann doch falsch sein könnte, lähmt. Und so leben wir inmitten einer angstvollen auf der einen und barbarischen Weltgemeinschaft auf der andern Seite, die langsam aus den Fugen gerät. Resignation, Angst und Hoffnungslosigkeit machen sich breit…

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Es scheint, dass der hiesige Normalbürger wenig tun kann. Er kann beten und hoffen. Er kann mit Spenden etwas vom Überfluss abgeben und Hilfswerke unterstützen. Er kann Regierungen und Politiker anschreiben und auf Social Media protestieren. Angesichts der unglaublichen Not scheint aber alles was man tut, schlichtweg nutzlos, und sämtliche fromme, beruhigende und tröstende Floskeln sind gefühlt nichts als hohle Worte.

Die gesamte Menschheit hat furchtbare Zeiten hinter sich.

Die Welt hat nichts gelernt. Trotz genialer, vorher nie da gewesener Errungenschaften. Eine Blutspur zieht sich von einer Generation zur andern. Mächtige, blutrünstige Herrscher kamen und gingen. Völker wurden ausgerottet und unterjocht. Die Menschheit ist und bleibt lernresistent, und man wundert sich, dass sie sich noch nicht selbst ausgelöscht hat.

Das Wissen um diese Tatsache hat wohl Martin Luther (1483-1546) dazu verleitet, zu sagen: «Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.»

Was würde geschehen, wenn viel mehr Menschen erfassen würden, was es heisst, den Sinn von Weihnachten im Herzen zu haben? Würden dann nicht viel mehr Apfelbäume gepflanzt? Würden dann nicht mehr Menschen gerettet und mit mehr Respekt behandelt werden? Würde nicht viel mehr Kindern geholfen werden, und würde nicht viel mehr Gutes getan werden? Würde es nicht weniger Eigennutz, Egoismus, Gewalt, Brutalität, Gier, Neid, Eifersucht und Hass geben? Würden nicht viel mehr Menschen begreifen, dass Schlechtigkeit furchtbare Folgen hat? Und dass jeder Mensch ein Recht auf Zukunft hat?

Wer also weiss, was die Geburt Jesu in diesem armseligen Stall damals in Bethlehem bedeutet, soll sich nicht schämen, die beste Botschaft aller Zeiten von der Geburt Jesu weiterzugeben.

Wie kann man für sich behalten, dass es in dunkelsten Zeiten Hoffnung, Frieden, Vergebung und einen Neuanfang gibt?

Wir sollten fröhlich, stolz und mit Freude davon zeugen, was die Weihnachtsgeschichte in unserem eigenen Leben Gutes ausgelöst hat, welche Wunder uns widerfahren sind, und welche besonderen Führungen wir erlebt haben.

Wer einen Baum ausreisst, hat nichts mehr von ihm. Es bleibt ein Loch zurück. Seine Blüten erfreuen im Frühling nicht mehr. Bienen finden keinen Nektar mehr. Er kann keinen Schatten mehr spenden. Man zersägt ihn, und verbrennt das Holz. Es bleibt nur staubige Asche.

Wo aber ein Baum gepflanzt wird, da pflanzt man etwas für die Zukunft. Denn eines Tages wird er herrliche Blüten und reiche Frucht tragen.

Frohe Weihnachten, Frieden und Gottes Segen!

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