Goethe ist es zu verdanken, dass es diesen Ausspruch gibt – der in Anlehnung an seinen Vierzeiler „Erinnerung“ entstanden ist.
„Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
denn das Glück ist immer da.“
Endlich – ein paar Urlaubstage sind angesagt. Der verpasste Frühjahrsputz ist nachgeholt. Blumen und Garten sind versorgt, alles ist erledigt. Irgendwie schafft es Frau sonst nicht, wegzufahren, um sich dann schaukelnd in einer Hängematte unter Palmen im Abendwind zu entspannen. Denn zwischen den vollkommenen Sonnenuntergang über dem Meer und ihrem inneren Auge schieben sich dauernd der Wäscheberg, die Buchhaltung und die schmutzigen Fenster.
Kostbare Tage des stets knapp bemessenen Urlaubs sind also mit Arbeit vollgestopft gewesen und bereits vorbei. Mit Arbeiten, die sonst keiner erledigt hätte. Wo aber nun die restlichen Tage verbringen? Im Stau am Gotthard? In einem stickigen Zug? In einem Flieger? Nein! Niemals! Jede Minute ist kostbar. Ans Wasser muss es gehen. Wasser beruhigt, entspannt. Plätschernde Wellen – Musik für die Seele. Aber wohin? Die Zeit reicht nicht mehr, um ans Meer zu fahren.
Wozu aber gibt es Satelliten, das Internet und Google?
Man kann damit im Umkreis von zwei Fahrstunden alle Seen abklopfen. Den Ufern entlang zoomen, Unterkünfte direkt am Strand und Strandbäder suchen. Diese Funktion ist traumhaft, denn man kann sich so die Gegend schon mal ansehen, entdeckt kleine, reizvolle und unbekannte Orte. Man erkennt auf Anhieb, dass es dort zwar bestimmt Urlauber haben wird, aber nicht diese von Sonnenkrem triefenden, lärmenden Massen sonnenverbrannter Ferienhungriger, die bis tief in die Nacht hinein fortwährend Rambazamba machen und einen um die ersehnte Erholung bringen.
Ein paar Anrufe später hat man keine zwei Stunden Reisezeit von daheim ab dem nächsten Tag im Ausland ein Hotel gebucht. Wie locker das doch heute geht, sensationell! Ein hübscher Platz, mit Bootsanlegestelle und einer Terrasse direkt am See!
Die wunderschönen Strandbäder sind makellos, mit Sandstrand und von viel Schilf umgeben. Zahllose Wasservögel bereichern den See, dann weiße Segelboote, und, weil ein Unwetter aufkommt, biegen sich im Wind die riesigen Silberpappeln und Weiden. Den wegfliegenden, bunten Sonnenschirmen rennen Mütter und Kinder kreischend nach und am Himmel erscheinen die wunderbarsten Wolkenformationen. Am Abend im Strandcafé, bei einem Glas Wein, lauscht man den Gesprächen der Einheimischen, und kichert über die schnulzigen Lieder, die eine alternde Hotelband mit viel Gefühl unter dem herrlichen Abendhimmel einem nicht sonderlich am Tanzen interessierten Publikum vorträgt. Dann aber, als sie Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York…“ zu singen beginnt, macht sich plötzlich Wehmut breit.
Wehmut über die nicht gehabten Möglichkeiten, Trauer über die verpassten Gelegenheiten, Schmerz über das, was hätte sein können und das niemals gewesen ist und auch nie sein wird. Leichte Entrüstung darüber, dass die Sonne so schnell untergegangen ist, wo der Abend doch erst angefangen hat, und nun die Insekten eklig summend und ungefragt auf heisser Haut andocken. Man ärgert sich über den sentimentalen Anfall, schimpft sich selbst und erklärt laut, damit man es selbst hört und glaubt, das komme vom Alkohol, von der Hitze, von den Mücken, vom schlechten Schlaf im ungewohnten Bett. Anderntags, wenn man psychisch wieder so tickt, wie es die Welt erwartet, zückt man die billige Kamera, fotografiert damit so gut es geht den lieblichen See, die Schwäne, hätte auch gerne den auf einem knallroten Strandtuch liegenden Mann geknipst. Den älteren Herrn mit dem gen Himmel aufsteigenden, kugelrunden und kurz vor dem Platzen stehenden „Gasbierbauch“, getraut sich aber nicht, weil man anständig und gut erzogen ist – und bleibt somit ein Feigling. Man macht stattdessen brav ein Bild vom Traumhaus am See, vom witzigen Nummernschild an einem schicken roten Auto und trinkt zum Trost ein Glas Aperol. So verbringt man ein paar ruhige Tage am Wasser, innerlich fern vom alltäglichen Stress, der Hektik und dem Trott. Bei der Abreise ist man überzeugt, dass man irgendwann wieder hierher in diese Gegend, fernab vom lauten Getümmel, kommen wird.
Ausgeruht, um einige Euro ärmer, dafür um viele schöne Eindrücke, einen Sonnenbrand, ganze elf Mückenstiche und einen Bremsenstich an einer nicht weiter genannten Stelle reicher, geht es heimwärts, zurück in den anstrengenden Alltag. Wo einen der unglaubliche Lärm von Nachbarn empfängt, die bis tief in die Nacht hinein ausgelassen eine riesige Party feiern, im Pool kreischen, planschen und die Musik so laut donnern lassen, dass das ganze Haus und somit auch das Bett exakt im Takt vibrieren. RAMBAZAMBA…
Eine einzige SOLCHE Nacht – und man ist URLAUBSREIF!
ICH WILL MEINEN SEE WIEDERHABEN!!!







