Mein Garten

«Frauen lieben Klatschmohn» – Peter Seharsch, hessischer Maler

Von Ferne höre ich der Strasse Lärm,
doch in meinem Garten herrscht viel Frieden,
Wie habe ich das Plätzchen gern,
ich kann es einfach nichts als lieben.

Stets morgens geh ich in den Garten,
dann sind Licht und Farben einfach toll.
Ich kann es jeweils kaum erwarten,
und sehe Blumen die mit Bienen voll.

So wächst in meinem kleinen Reiche bunt,
was ich gepflanzt mit so viel Fleiss.
Wenn die fette Hummel freudig brummt,
dann ist die Freude mir der Preis.

Oft pflücke ich mir einen grossen Strauss,
und trag im Arm die bunten Blüten,
voller Glück hinein ins traute Haus,
und laufe damit rasch zu dem Geliebten.

Dann stehen sie in einer Vase gross
auf dem Schreibtisch so entzückend schön,
ich sitze dann auf seinem Schoss,
und kann so jedes zarte Blättchen sehn.

Fährt durchs Fenster dann der laue Wind,
verteilt süssen Duft in alle Ecken,
küsst er mich so ganz geschwind,
und will mich wegen meiner Blumen necken.

Dann muss entrüstet ich mich schnelle wehren,
denn für den Sommer wurden sie gemacht,
um Genuss fürs Auge zu bescheren,
damit mir Herz und Seele freudig lacht.

Kein Sommer dauert hier das ganze Jahr,
bald doch fallen Laub und Blätter nieder,
dann ist vorbei was herrlich war,
und gedeiht im neuen Jahr erst wieder.

So will ich den Garten stets geniessen,
egal wie man mich damit neckt.
Mich laben an dem frohen Spriessen,
das jedes Jahr von neuem Freude weckt.

Klatschmohn – einfach schön

Mein Daheim – mein Schloss

Wer kennt den Spruch nicht? My home is my castle – oft hängt er irgendwo bei einem Hauseingang oder in einer netten Wohnung. Wenn ich ihn erblicke weiss ich, hier leben Menschen, die zufrieden und glücklich sind, die angekommen sind. Es spielt dann keine Rolle, ob es sich um eine kleine, entzückende Bleibe oder eine weitläufige Villa handelt.

Ein Zuhause zu haben ist etwas unvorstellbar Kostbares.
Kein Daheim zu haben hingegen etwas ganz Furchtbares.

Ein grosses Bauernhaus ohne Komfort, das war das Zuhause meiner Kindheit. Ich mochte es, obwohl alles schlicht war. Lange trauerte ich dem nach, dass ich es verlassen musste, weil mein Bruder den Hof zugesprochen bekam.

Es war eine Welt, die mir heute unwirklich vorkommt. Ich fühle mich oft wie etwas, das aus einer andern Ära in die heutige Zeit herüber gekommen ist.

Da gab es zwei Kammern, nur mit einem Ölofen beheizbar. Zwei Stuben waren mit einem Kachelofen zu heizen, aber die ganzen Schlafkammern waren ohne Öfen. Winters war es in den Schlafzimmern eiskalt und Eisblumen zierten die Fenster.

Im Sommer bimmelte uns das Kuhglockengeläut vor den Fenstern in den Schlaf.

Da war der Duft von frischem Heu und frisch gebackenem Brot. Kein fliessendes, heisses Wasser, keine Dusche, ein Plumpsklo in der zugigen Tenne. In der Küche ein Holzherd, der eingefeuert werden musste, wenn heisses Wasser gebraucht wurde. Das gab viel Dreck vom Holz und von der Asche. Und heute?

Nach einer Kindheit wie dieser schätze ich den modernen Komfort und bin dafür unendlich dankbar.

Im Winter morgens schon eine warme Wohnung, jeden Tag eine heisse Dusche. Klasse!

Eine Waschmaschine, ein Trockner und eine Küche, die sehr funktional ist. Dann unnötige Dinge wie TV, Internet, Facebook, Instagram, Twitter, Smartphone, alles Sachen, die man eigentlich nicht wirklich braucht, aber die doch so cool sind.

Nun lebe ich wieder in einem alten Chalet, das soweit als möglich renoviert wurde. Seit letztem Sommer ist es der Blickfang im Quartier.

In rund tausend Arbeitsstunden wurde ein in die Jahre gekommenes Haus, von dem die Farbe abblätterte zu meinem Schloss.

Etwa sechshundert Stunden Einsatz hat mein Mann zusammen mit mir, haben Verwandte, unsere Kinder, Freunde und Nachbarn in wochenlanger Knochenarbeit geleistet. Die übrigen rund vierhundert Stunden haben gründlich ausgebildete Fachleute sorgsam erledigt.

Noch immer staune ich darüber, was daraus geworden ist. Ich lernte zu staunen über die Handfertigkeit und die grossartige Zimmermannskunst, die sich in unserem Land über Jahrhunderte entwickelt hat.

Erst da wurde mir bewusst:

Hier war grossartiges Können ohne Universität oder Hochschule erlernt, ausgetüftelt und von Generation zu Generation weitergegeben worden.

Ich freue mich immer wieder neu über das Gespür und das Wissen, dass Zimmermänner und Schreiner für das Erstellen harmonische Proportionen hatten, über ihren Schönheitssinn und über die unglaubliche Liebe zum Detail, die man überall in der Schweiz an alten Bauten erkennen kann.

Beim Bau unseres Hauses war es damals nicht so wichtig, wie lange die Bauleute dazu brauchten. Es ging nicht nach Stundenlohn, Stundentarif, der besagt, je mehr Arbeitsstunden, um so teurer der Bau. Da gab es noch nicht diesen Druck und diese Hektik. Die Anzahl Arbeitsstunden war nicht so relevant wie heute. Wichtig war die Qualität, und dass das Haus vor dem Wintereinbruch fertig wurde.

Pfusch am Bau? Damals? Das gab es nicht.

Bei grosser Hitze haben wir also letzten Sommer mit Unterstützung von Fachleuten zuerst tagelang geschliffen und die alte Farbe von den vielen Ornamenten abgekratzt. Dann wurde das Haus rund herum grundiert, und ein erstes Mal gestrichen. Es folgte ein zweiter Anstrich. Weil gewisse Partien der UV-Strahlung ausgesetzt waren, sog das Holz die Farbe nicht überall gleich regelmässig auf, obwohl wir uns bemüht hatten, die Schleifarbeiten möglichst perfekt zu machen. Es bestand die Gefahr, dass die Fassade stellenweise fleckig wurde. Ein Farbexperte wurde hinzu gezogen. Er empfahl, das Haus nach dem zweiten Anstrich noch mit Wachs zu behandeln.

Also wurde das Haus insgesamt vier Mal gestrichen. Boah …

Rückblickend kommt es uns unwirklich vor, das geschafft zu haben. Der Aufwand, der viele Staub, der Dreck – es hat sich gelohnt. Denn das Resultat ist umwerfend. So schön ist es geworden, dass Spaziergänger manchmal stehen bleiben und uns in ein Gespräch verwickeln.

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Jedes Mal aber, wenn wir draussen sind und die neu zur Geltung kommende Schönheit unseres Hauses bewundern, erfüllen uns Stolz und vor allem ganz viel Dankbarkeit.

Dankbarkeit, dass alles fertig geworden ist und bezahlt werden konnte. Dankbarkeit, dass kein Unfall passiert ist. Dankbarkeit, dass das Wetter mitgespielt hat. Und Stolz, dass wir in der Lage waren, viele Arbeiten selbst zu erledigen. Das war gut so, denn für die ganzen tausend Stunden hätte unser Geld niemals gereicht und dann wäre das Resultat zudem mit Sicherheit nicht so toll geworden.

Hier leben nämlich Perfektionisten, und die zahlreichen Verzierungen am Haus wurden von diesen zusammen mit fähigen Malern mit äusserster Sorgfalt neu gemalt.

So lebe ich nun in einer Art Schloss.

Es ist für mich das perfekte Zuhause, mein Daheim, wo ich angekommen bin.

Es ist ein Ort, wo sich Kinder, Verwandte, Freunde, Nachbarn und Gäste gerne aufhalten und oft auch einfach unangemeldet kommen dürfen. Hier trinken sie dann ein Bier, ein Glas Wein, einen Kaffee oder auch nur ein Glas Wasser, verweilen einen Augenblick, spazieren durch den Garten, entspannen sich, sprechen von ihren Freuden und Sorgen, und kommen gerne wieder.

Wenn man etwas Gutes von Gott bekommen hat, dann soll man es auch mit andern teilen.

So gehört Gastfreundschaft zu diesem einladenden Haus einfach wie von selbst dazu.

Sollten Sie also eines Tages hier des Weges kommen, dann klingeln Sie. Denn im Gegensatz zu meiner Kindheit, wo ich die Kaffeebohnen noch über dem Feuer rösten musste, gibt es nun auch eine praktische Kaffeemaschine.

Gartenglück

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Lavendel, Sommerflieder, weisse Dahlien, Phlox und Malven blühen. Ein kleines Kind nimmt mich an der Hand.

„Komm mit mir, Blumen gucken!“

Es zieht mich hin zum Blumengarten. Dort bewundert es die satten Farben, hält die Nase an die Blüten. Ich zerreibe Lavendel, damit es daran riechen kann. Es sagt: „Uh, das riecht aber stark!“

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Es sieht die Hummel Bertha, die ihm ihren mit Pollen übersäten, glitzernden Po entgegenstreckt. Das Kind ruft immer wieder: „Ah!“ und „Oh!“ Ich gehe mit ihm dahin, wo die Hummel wohnt. Sie hat es sich mit ihrer Familie im Nistkasten am Haus gemütlich gemacht, da wo sonst Rotschwänzchen hausen. Nun summt es hier Tag und Nacht.

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Wir suchen Schneckenhäuser und finden keine, und auch der Igel hat sich vor der Hitze verkrochen. Er wird erst abends aus seinem Versteck hervorkommen. Ein Zitronenfalter schwirrt um eine Blüte und ein orangefarbener Schmetterling tobt herum. Ich überlege, ob es ein Admiral, ein Distelfalter, ein grosser oder ein kleiner Fuchs ist. Sie sehen sich alle ähnlich und ich muss passen. Den Schwalbenschwanz aber erkennt man problemlos. Fotografieren lässt sich keiner, sie mögen nicht posieren und so schwirren sie davon.

Die Begeisterung des Kindes für die Schönheit des Gartens ist ansteckend. Ich fühle mich reich, gesegnet, privilegiert. Ich habe ein herrliches Plätzchen bekommen und darf es mit andern teilen.

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Wie wird ein Kind, das die Schönheit der Schöpfung noch mit unverfälschten Sinnen wahrnimmt, die Welt in ein paar Jahren sehen? Wird es sich diese kindliche Freude und Begeisterung bewahren können? Wird es auch noch als erwachsene Person voll Freude durch den Garten laufen, die Nase an die Blumen halten und ihren Duft einziehen? Und dann auch ein kleines Kind an der Hand halten?

Ich hoffe und wünsche es mir. Auf dass in meinem Garten immer frohes Lachen erklingen möge…

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Ein kleines Paradies

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Es ist herrlich, im Sommer draussen vor dem Haus am schweren Mosaikgartentisch zu sitzen. Der Sonnenschirm ist aufgespannt, die Blumen blühen um die Wette – Geranien, Phlox, Gladiolen, Schmetterlingsblumen, Lavendel, Rosen, roter und gelber Sonnenhut. Bienen summen, Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte und auf dem grossen, roten Sonnenhut hocken auf einer einzigen Blume manchmal bis zu drei Hummeln. Sie zeigen allen, die sie fotografieren wollen, respektlos ihre rundlichen, kleinen und flauschigen Hinterteile.
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Spaziergänger gehen vorbei. Leute, die einen Hund an der Leine führen, einen Kinderwagen schieben oder schlendernd Musik hören. Einige radeln die Strasse entlang, und andere joggen. Oft werfen sie einen Blick in den Garten und dann huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Sie grüssen freundlich und man erwidert den Gruss. Der Garten verströmt ein Gefühl von Geborgenheit, seine Schönheit fasziniert die Menschen, und oft bleibt jemand stehen und beginnt ein Gespräch. Man bewundert die englische Kletterrose, die fast vier Meter hoch ist und zieht ihren Duft ein.

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Man betont, wie gut hier die Geranien gedeihen und staunt, dass die Pfirsiche enorm gross geraten sind. Man fragt, ob das hier ein Olivenbaum ist, ob in dem Topf daneben Lorbeer wächst und ob die reifen Zitrusfrüchte denn auch geniessbar seien? Manchmal folgt daraufhin eine Einladung zum Kaffee. Oder zu einem Glas Wein und einem tiefer gehenden Austausch. Man bekommt unerwartet Einblick ins Leben anderer. Man hört von ihren Sorgen, Ängsten und Kümmernissen, aber auch von ergreifenden Ereignissen, die glücklich machen und Freude bereiten.

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Manchmal aber verkommt der Garten zum Kriegsschauplatz. Wenn fremde Katzen ihre Häufchen neben dem Kopfsalat, den man essen möchte, in die Erde einbuddeln. Wenn Mehltau Phlox und Gurken befällt, Sternrusstau und Blattläuse die Rosen angreifen und sich der Pfirsichwickler einnistet. Wenn dann noch eine Maus meint, ohne Baubewilligung im Garten einfach so unter dem wertvollen Buchsbaum einen Hauptbahnhof mit einem weitverzweigten Tunnelsystem anlegen zu dürfen, dann gibt das Ärger. Dieser Garten gehört nicht ihr! Niemand frisst ungestraft die kostbaren Blumenzwiebeln, für die man früher ganze Königreiche dahin gab. Keiner vergreift sich ohne Folgen an den Wurzeln von Sonnenhut und Salat! Das ist eine eindeutige Kriegserklärung. Dann wird gehandelt, mit allen erlaubten Mitteln. Mit mehr oder weniger Erfolg, unter dem Applaus von Nachbarn, die zugucken, wie man der flüchtenden Maus mit dem Spaten hinterher rennt, und sie doch nicht erwischt.
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Ja, dieser Maus, die sich auf den weissen Fellteppich in Nachbars Wohnung gewagt hat und zur Untermiete im hauseigenen Komposthaufen wohnt. Man rät, den Kompost anzuzünden, aber Philanthropen tun so etwas niemals. Sie rufen den ortsansässigen Naturschützer und der weiss Rat. Einfach den Kompost umschütten. Die Maus zieht daraufhin mit Kind und Kegel aus und im Komposthaufen des Nachbarn ein. Der Fachmann vergisst vor lauter mäuseschonender Infos zu sagen, dass spätestens dann, wenn der Nachbar die neuen Mieter loswerden will und er seinen Kompost umschüttet, die Maus dann wieder in die alte Heimat zieht…

Der Einbruch des Winters leitet meistens die jährliche Waffenruhe ein, und die Kampfhandlungen werden eingestellt. Bis im Frühjahr.

Es ist ein Privileg, einen eigenen Garten zu besitzen. Er gibt zwar das ganze Jahr Arbeit, aber es bedeutet auch, im Sommer zusätzlichen Wohnraum zur Verfügung zu haben. Hier schmeißt man den Grill an, feiert Partys, guckt verträumt in den sternenübersäten Abendhimmel, sitzt bei Kerzenschein im Gartenhaus, pflückt Basilikum, frische Gurken und Obst, und liegt mit einem Buch auf einer Liege unter dem Apfelbaum.

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Es ist eine Art kleines, privates Mini-Paradies. Es gibt uns eine klitzekleine Vorahnung davon, wie das himmlische Paradies sein wird. Diesen eigenen, irdischen und hübschen Ort der Freude und des mehrheitlichen Friedens mit andern geniessen und teilen zu dürfen – ach, das ist einfach PARADIESISCH.