Die Strickerinnen aus dem Emmental

Im Emmental hat sich eine Kulturtechnik erhalten, von der ich annahm, dass sie eines Tages aussterben wird. Weil ich sie nicht mochte. Sie hat aber überlebt. Auch Dank einem dänischen Import.

Weiterlesen

Dankbarkeit – wofür – wozu?

TFF-09. Januar 2016-DSCF0761-mrj_

Was genau ist eigentlich Dankbarkeit? Denn Dankbarkeit kennt man in jeder Kultur und in jeder Weltreligion und praktiziert sie entsprechend den herrschenden Gepflogenheiten.

Dankbarkeit ist eine Empfindung, ein positives, ethisches Gefühl, eine innere Haltung, womit man besagt, dass man dankbar ist für etwas, das man erhalten hat, oder voraussehbar erhalten wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um etwas Materielles oder Immaterielles handelt. Dem Göttlichen gegenüber dankbar sein, einem andern Menschen gegenüber, oder einfach gegenüber der Existenz, dem Sein, das alles sind mögliche Formen der Dankbarkeit.

Erst so um das Jahr 2000 herum begann man innerhalb der Psychologie mit dem systematischen Studium der Dankbarkeit. Die Psychologie hatte sich ja bis anhin nur mit den negativen Emotionen der Menschen beschäftigt, mit Wut, Angst, Trauer, Hass, Depressionen, Pessimismus und so weiter. Es ging hier um Störungsbehebung und das Lösen von Konflikten. Die neu entstandene, positive Psychologie hingegen befasst sich mit Emotionen wie Freude, Glück, Vertrauen, Geborgenheit, Optimismus, und damit rückte auch die Dankbarkeit in den Fokus der Fachleute.

Untersuchungen haben gezeigt, dass es eine Korrelation zwischen Dankbarkeit und Wohlbefinden gibt. Wer dankbar ist, fühlt sich subjektiv besser, er ist psychisch stabiler, ist zufriedener, glücklicher und lebt glücklicher mit dem was er hat, ohne dass er meint, er sei zu kurz gekommen, er habe weniger Erfolg gehabt und die andern würden mehr besitzen. Ein dankbarer Mensch ist also weniger neidisch, eifersüchtig und frustriert, weniger depressiv, weniger krank und weniger gestresst.

Er hat die besseren sozialen Beziehungen, ist weniger zänkisch, dafür gelassener und die Lebenszufriedenheit liegt auf einem höheren Niveau. Seine Umgebung, sein persönliches Wachstum, das Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit sind besser. Ein dankbarer Mensch kann besser mit komplizierten, schwierigen Lebenssituationen und dramatischen Veränderungen umgehen. Dankbarkeit hilft, in den dunklen Zeiten des Lebens das seelische Gleichgewicht besser zu halten.

Dankbare Menschen können besser mit Problemen umgehen. Es fällt ihnen leichter, sich ihnen zu stellen und sie dann auch zu bewältigen oder herauszufinden, wie man etwas auf eine gute Art umgehen oder angehen kann. Sie finden eher Lösungen und suchen bei Schwierigkeiten nicht die Ursache zuerst immer gleich bei sich selbst. Sie sind weniger anfällig für Alkohol- und Drogenmissbrauch und sie schlafen besser. Weil sie vermutlich vor dem Einschlafen eher gute Gedanken hegen.

Den Untersuchungen gemäß ist Dankbarkeit ein ausgesprochen relevanter Faktor für die psychische Gesundheit unserer Charakterzüge.

Außerdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Dankbarkeit, Empathie, Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft. Ein dankbarer Mensch kann sich also leichter in andere hineinversetzen und daraus entsteht das Bedürfnis zum Teilen und Helfen. Ein dankbarer Mensch ist großzügiger und eher bereit, für einen andern etwas zu tun. Er ist eher in der Lage, auf etwas zu seinen Gunsten zu verzichten, und dafür dort etwas zu investieren, wo es anderen, mehreren zugute kommt.

Der Mensch ist nicht automatisch von Geburt an dankbar. Dankbarkeit muss und kann man lernen. In unserem Kulturkreis gehört das Danken zu den guten Umgangsformen. Wer das negiert, macht sich unbeliebt. Wie die Familie, deren Kinder sich niemals für ein Geschenk bedankten. Weder bei Paten, Grosseltern noch bei Freunden. Darauf angesprochen, sagten die Eltern stolz: „Unsere Kinder sind eben so. Die bedanken sich nicht, und sie müssen sich auch nicht bedanken, wenn sie das nicht wollen!“ Das kam nicht gut an. Es war klar, dass die Kinder bald einmal nichts mehr kriegten.

Wenn Eltern Kindern das Danken nicht beibringen, werden sie es nicht von selbst lernen. Als Erwachsene werden sie später als Leute mit schlechten Manieren abgetan. Kinder lernen Zähneputzen nach dem Essen auch nicht von selbst. Das muss ihnen ebenso beigebracht und dann antrainiert werden.

Danken ist also ein Bestandteil unserer Kultur und gehört zum guten Umgangston. Wer sich bedankt, drückt Wertschätzung aus und würdigt damit die Bemühungen oder die Aufmerksamkeit, die man seinetwegen auf sich genommen oder ausgedrückt hat.

Der Dank wiederum löst bei dem, der etwas gegeben hat, auch positive Gefühle aus. Seine Bemühungen den andern zu ehren und ihm etwas gegeben zu haben, wurden gewürdigt. So sind der Beschenkte wie der Schenkende, der Nehmende wie der Gebende die Beschenkten.

Wer das Danken lernt, der lernt zu schätzen was er hat, ohne auf das zu gucken, was er nicht hat, und es hilft ihm, keine unrealistischen Ansprüche zu entwickeln. Er lernt, dass Dinge wie politischer und sozialer Friede, Gesundheit, Nahrung, Heimat und Arbeit nicht selbstverständlich sind. Er ist sich mehr bewusst, dass er von Gott und seiner Gnade abhängig ist.

Nach Notzeiten haben unsere Vorfahren vor rund hundertachtzig Jahren den Eidgenössischen Dank-, Buß- und Bettag eingeführt. Angesichts der dramatischen Weltlage ist es sicher nicht falsch, wenigstens einmal im Jahr national intensiv dafür zu danken dass man es gut hat und dass die Verhältnisse noch stabil sind. Wissen wir denn, was morgen sein wir? Werden wir heute Abend noch leben, morgen noch gesund sein und übermorgen noch Arbeit haben? Werden wir in zwanzig Jahren hier noch in Frieden leben? Wir wissen es nicht.

Rund sechzig Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Auf Deutschland angewandt, würde dass heißen, dass von vier Deutschen drei ohne Heimat sind. Wer das Glück hat, es besser getroffen zu haben, sollte mit Dankbarkeit großzügig umgehen.

2015_11_11_0001_F_

Dankbarkeit kann man üben. Gott jeden Tag bewusst für das Gute danken – für den leckeren Kaffee, das warme Bett, die Arbeit, für das Lachen eines Kindes. Es gibt jeden Tag etwas, das gut ist und wofür man danken kann.

Wie wäre es zudem, sich einmal umzusehen, ob da vielleicht einer ist, der einen Dank verdient hat? Es ist falsch zu denken, dass zu viel Dank die Leute hochmütig macht oder dass man sie verwöhnt. Es ist auch falsch, andern den Dank zu verweigern, weil sich bei einem selbst auch nie einer bedankt hat. Sehe und merke ich denn überhaupt, wenn ein Dank angebracht wäre? Oder pflege ich etwa selbst nur eine mickrige Dankeskultur? Wir haben die Gewohnheit, den Leuten zu sagen, was sie falsch machen, wo sie nicht gut sind oder wann sie uns auf den Keks gehen. Es ist doch so – wenn jemand etwas gut macht oder gut kann oder sich aufopfert und etwas auf sich nimmt, dann sagen wir nichts. Wir nehmen es als selbstverständlich hin. Oder dann machen sich Neid und Eifersucht breit.

Wenn Dank ausbleibt, dann demotiviert das. Man ist dann nicht mehr so leicht bereit, etwas auf sich zu nehmen oder auszuhalten. Unzufriedenheit und Frustration machen sich breit. Wenn wir uns hingegen bedanken und dankbar sind, dann passiert das Gegenteil. Es entstehen positive Gefühle. Wir sollten uns also so verhalten, dass wir positive Signale aussenden, denn sie kommen in irgendeiner Form eines Tages wieder zu uns zurück. Wir sollten es also besser machen und oft daran denken, dass das Danken uns und anderen gut tut. Unsere große Dankbarkeit Gott und Jesus gegenüber für das was er für uns getan hat, sollte sich in unserem Dankbarkeitsverhalten anderen gegenüber widerspiegeln.

Wen wir Gott und den Menschen gegenüber dankbarer werden, wird uns das gut tun. Einander mehr Wertschätzung und Liebe erweisen, wird uns und andere motivieren und in uns und in anderen enorme Kräfte freisetzen. Denn auf dem Danken, da liegt Segen. Dankbarer zu sein wird uns alle bereichern, zufriedener, glücklicher und liebevoller machen. Und es wird uns Jesus ähnlicher werden lassen.

Gott weiß, dass uns Dankbarkeit gut tut und dass auf ihr Segen liegt. Es gebührt ihm auch unser Dank, denn das Danken ehrt ihn. Er fordert uns deshalb in seinem Wort auf, (Eph. 5.20)

…allezeit für alles IHM als unserem Gott und Vater Danke zu sagen, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Amen