
Juni und kein Sommer. Um sechs Uhr morgens ganze zehn Grad. Nach dem Blick aufs Thermometer wankte ich ins eisige Bad. Um unter der Dusche festzustellen, dass die Fugen zu schimmeln anfingen. Kunststück, bei dem Wetter! Aber heizen im Juni? Ob es nicht billiger wäre, das neue Entfeuchtungsgerät hier nach oben ins Bad zu stellen? Das hatten wir nach dem Einbau der umweltfreundlichen Heizung angeschafft. Weil es danach im Keller weniger warm wurde und sich in der Folge ein menschenfeindlicher Schimmelpilz bildete.
Eine Stunde später sass ich schlapp im Büro und blickte durchs Fenster auf den grauen Himmel. Immer noch überlegte ich, wie ich dem Schimmel ohne Chemie oder weitere Heizkosten den Garaus machen könnte. Da klingelte das Telefon. „Na, du Hübsche, alles okay?“ erkundigte sich munter ein Kollege. Ich seufzte. Gedankenverloren meinte ich: „Ach, es geht so, das Wetter geht mir auf den Keks. Immerzu regnet es. Da setzt man ja Schimmel an. Hinter den Ohren, unter den Armen und zwischen den Zehen. Ich glaube, ich brauche dringend einen Entfeuchter.“
Einen Augenblick war es am andern Ende der Leitung totenstill. Dann hörte ich ihn sagen: „Eh, sag mal, gibt es da schon eine Warteliste?“ Ich verstand nicht. Doch dann wurde mir die Ungeheuerlichkeit bewusst! Genau so wie der gravierende Unterschied zwischen Mann und Frau. Denn – niemals würde einer Frau nach so einer Aussage so etwas einfallen! Wir denken im Gegensatz zu den Männern nie an solche Dinge. – Wir haben nämlich zu tun.
Mir fehlten die Worte. Er hingegen lachte sich schief. Ich fasste mich: „Klar gibt es eine Warteliste. Ich warte, bis du hier auftauchst. Dann erwartet dich eine Wartung deiner erbärmlichen Hirnzellen! Du Lümmel, du!“ Ich legte auf.
Wenn schon keinen Sommer, dann will ich auch nicht angebaggert werden. Ich will Wollsocken und eine Tasse Glühwein.
Damit ich nicht Schimmel ansetze.