Farbenrausch

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Der Herbst ist eine wunderbare Jahreszeit. Nie leuchten die Farben so intensiv und so satt wie jetzt. Das Licht ist anders. Es hat diesen warmen, anheimelnden Goldton. Es riecht anders. Nach Pilzen, reifem Obst und feuchtem Moos. Herbstzeit ist Erntezeit.

Es ist toll, nun lange und schöne Wanderungen zu machen. Sanft steigen morgens zarte Nebel aus Eggen und Gräben und die Landschaft hat etwas Melancholisches. Ist das Wetter klar, dann ist der Himmel hingegen stahlblau. Es ist nicht mehr so heiss. Es ist eine Augenweide, durch Feld und Wald zu streifen. Überall entdeckt man Schönes. Eine Bauernfamilie, die ihre Kartoffeln erntet. Die Kinder hocken mit geröteten Wangen in der untergehenden Sonne vor einem Kartoffelfeuer. Sie holen mit Stecken heisse Kartoffeln aus der Glut. Der Geruch der schwelenden Feuer und der gebratenen Kartoffeln weht durch die ganze Gegend und macht sentimental.

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Auf einer Obstwiese stehen Leitern an den Bäumen. Ein Bauer pflückt seine reifen, roten Äpfel. Volle Körbe stehen am Boden. Etwas weiter drüben stehen geflochtene Körbe mit goldgelben Quitten. Daneben einer mit späten, zarten Pflaumen und ein zweiter mit saftigen Birnen. Beim Haus hängt jemand hübschen Ziermais zum Trocknen auf. Es sieht toll aus. Wehmut macht sich breit. Wieder muss man von einem Sommer Abschied nehmen. Der Winter ist nicht fern. Bald geht erneut ein Jahr zu Ende. Man wird älter. Die Jahre, sie fliegen vorbei.

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Oft liegt jetzt dicker Nebel. Tagelang kein Sonnenstrahl. In den Bergen hingegen ist es sonnig und warm. Inversion nennt man diese spezielle Wetterlage. Sie entsteht durch eine Umkehr des vertikalen Temperaturgradienten. Die oberen Luftschichten sind dann wärmer als die unteren. Je höher man also geht, um so wärmer wird es.

Wozu diese seltsame und ungeliebte Wetterlage gut sein soll, ist dem Laien unklar. Vielen schlägt das aufs Gemüt. Die Sonne fehlt. Das einzige Gegenmittel ist der tägliche Spaziergang an der frischen Luft. Und die Freude an den bunten Herbstfarben, die ihr Leuchten dem Nebel entgegenhalten. Sie sorgen mit ihrer Pracht für eine Balance und machen fröhlich.

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Da ist dieser Hof. Fleissige Hände arbeiten das ganze Jahr, um am ersten Oktoberwochenende für einen Farbenrausch zu sorgen. Kürbis-Markt! Vor dem grossen Ansturm ein paar Fotos knipsen. Mit Blitz, denn es regnet. Die Bilder sind besser als erwartet, die Farben umwerfend.

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Kürbisse – so bunt!

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Welche Farben – welche Vielfalt an Formen! Man staunt. Der Schöpfer hätte es ja bei einer einzigen Kürbis-Sorte bewenden lassen können. Beim Speisekürbis. Aber nein, auch wunderbar geformte Zierkürbisse mussten her! Die einfach nur dazu da sind, uns mit ihren ausgefallen Formen und den bunten Farben Freude zu bereiten. Über Monate hinweg. Sie halten unglaublich lange.

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Zur von Gott erschaffenen Pracht und Vielfalt fügt der Mensch noch Kreativität und Ideenreichtum hinzu.

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Man nimmt ein paar schöne Aufnahmen mit heim. Heim in ein verregnetes Wochenende. Verschiebt wetterbedingt die letzte Herbstwanderung. Denn – man muss sich unbedingt noch etwas in der freien Natur austoben. Vor dem Winterschlaf…

Erntedank – eine alte, gute Tradition. Wenn der arbeitsame Bauer im Herbst vor gefüllten Kellern und Vorratskammern stehen darf. Er muss keine Not fürchten. Hier ist man gut versorgt. Es ist ein Geschenk! Es genügt ein Blick in die Dritte Welt.

Unvergesslich das Bild mit dem pflügenden Bauern auf den Ofenkacheln im Elternhauses, darüber der alte Spruch:

Der Bauer pflügt umsonst die Erde – spricht der Herrgott nicht: „Es werde!“

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