Mathematik macht schön

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Schönheit ist ein Begriff, den jeder kennt. Wir lernen bereits als Kind, was in unserem Kulturkreis „schön“ bedeutet, obwohl es doch ein abstrakter Begriff ist.

Laut Wikipedia wird als „schön“ bezeichnet, was einen angenehmen Eindruck hinterlässt. „Schön“ ist also ein positiver Begriff. Wer aber definiert, was schön ist? Wie sehr ist unser Empfinden von der Kultur und der Gesellschaft, in der wir leben, geprägt?

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Nicht jeder empfindet die gleichen Dinge als schön. Einmal schenkte ich einer kranken Dame Chrysanthemen. Ihre Tochter war davon nicht angetan. Entsetzt rief sie: „Aber das sind Blumen für den Friedhof!“ Ich war betroffen. Bis zu diesem Tag hatte ich Chrysanthemen wundervoll gefunden. Seither aber haben diese Blumen etwas Unangenehmes an sich. Was gut war, wurde durch eine vorwurfsvolle Bemerkung negativ.

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Ich erhielt ein Geschenk, das ich nicht schön fand. Wir alle kennen das. Es ist grauenhaft. Man kriegt etwas „Schönes“, dass man potthässlich findet…

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So liegen vielleicht den Völkern irgendwelche, uns Laien unbekannte Erfahrungen zugrunde, weshalb man anderswo Dinge schön findet, die in unserer Kultur als befremdend wahrgenommen werden. Wie die Tellerlippen bei den Mursi. Je grösser die Tellerlippe, um so attraktiver die Frau. Forscher vermuten, dass man ursprünglich so die Frauen uninteressant für Sklavenjäger machen wollte.

Vielleicht gibt es darum so etwas wie einen kollektiven Schönheitssinn. Wir kennen Kulturen, wo schlanke Frauen als nicht besonders schön gelten. Bei den Padaung kriegen die Frauen viele schwere Metallspiralen um den Hals gewickelt. Sie kriegen davon mit den Jahren einen „Giraffenhals“. Dann gibt es zum Beispiel Kleidertrachten, die finden wir hier im Westen zu bunt. Inderinnen in ihren eleganten Saris und mit ihrem Goldschmuck hingegen sehen toll aus, anmutig und zierlich. Würde ich aber einen Sari anziehen – es wäre unpassend. Ich würde niemals diese Grazie an den Tag legen, wie sie das tun.

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Was ist Schönheit? Was ist in meinen Augen schön? Sind es die aufgespritzten vollen Lippen? Oder ein mit Photoshop bearbeitetes, makelloses Gesicht auf der Frontseite einer Illustrierten? Jede Epoche hat ihre eigenen Schönheitsideale, und was heute als schön gilt, kann morgen vorbei sein. Wer würde denn heute noch gepuderte Perücken und Schnürbrust wie zur Zeit des Rokokos tragen wollen? Oder welcher Mann möchte noch mit einer Schamkapsel herumlaufen, wie das Heinrich VIII. tat? Heute wäre es unvorstellbar, seine Männlichkeit auf diese Art und Weise zu demonstrieren. Der Begriff „Schönheit“, insofern der Mensch Einfluss nehmen kann, ist also wandelbar und veränderlich. Er wird nicht nur von ortsüblichen Gepflogenheiten, sondern auch von persönlichen Vorlieben, dem Geschmack, der Herkunft und vielem mehr geprägt.

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Es gibt aber Schönheit, die weltumfassend widerspruchslos alle Menschen bejahen. Egal, welcher Ethnie sie angehören. Das ist dann der Fall, wenn uns die Natur in ihrer Pracht und Einzigartigkeit begegnet. Denn, welcher Mensch würde einen prächtigen Sonnenuntergang als hässlich bezeichnen? Oder einen stahlblauen Himmel? Oder ein Feld blühender Sonnenblumen? Einen glitzernden See? Schneebedeckte Gipfel? Weisse Sandstrände mit Palmen? In solchen Augenblicken sind sich ausnahmslos einmal alle Menschen einig. Solche Momente darf man also getrost als paradiesisch bezeichnen. So stehen oft Menschen aus vielen verschiedenen Nationen, von unterschiedlicher Hautfarbe, mit verschiedener Religionszugehörigkeit auf einem berühmten Berggipfel und sind sich völlig einig: „Es ist hier unfassbar schön!“

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Wieso finden praktisch alle Menschen die Natur in ihrer Pracht und Schönheit einfach umwerfend und wunderbar? Weshalb zieht es an sonnigen Tagen Tausende hinaus ins Grüne? Weil das, was hier der Schöpfer geschaffen hat, dermassen perfekt ist! Das nimmt, wenn auch nicht immer der Verstand, so doch das Auge wahr. Jede noch so kleine Blume ist genial konstruiert. Überall finden wir die Goldene Zahl. Fünfblättrige Blüten beispielsweise sind geometrisch exakt, entsprechend einem Fünfeck aufgebaut, und repräsentieren damit die Schöpfung in höchster Vollendung. Denn eine Blüte ist so nicht mehr abstrakt und „nichtssagend“ wie ein blosses Fünfeck auf dem Papier. Eine Blüte lebt, duftet und ist bunt.

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Aber es gibt noch weitere spannende Fakten. Die Verteilung der Kerne in der Sonnenblume zum Beispiel ist nicht einfach zufällig. Sie ist mathematisch ganz genau versetzt um je 137,5°. Das ist wiederum genau die Gradzahl des Goldenen Winkels, der auch wieder auf die schöne Zahl des Goldenen Schnittes (1,618033…) zurückgeht. Und hier beginnen die Fragen: Wieso weiss jede Sonnenblume, egal wie mies das Wetter ist oder der Boden beschaffen, dass sie genau so wachsen muss, damit sie nachher so formvollendet aussieht?

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Wer sich noch mehr für diese wunderbaren und genialen Zusammenhänge und einige Fakten interessiert, kann sich hier umsehen:
http://www.was-darwin-nicht-wusste.de/wunder/mathematische-ueberraschungen.html

Ich selbst verstehe von Mathematik nur so viel, als dass sie in der Schöpfung überall vorkommt, gleichmässige Formen schafft, die von vollendeter Schönheit sind. Es scheint jedes noch so kleine Detail präzise geplant zu sein, damit es am Ende „aufgeht“ und jede Pflanze, jede Blüte ein vollkommenes, harmonisches und schön anzusehendes Ganzes ist.

So gibt es immer wieder Grund, dem Schöpfer für das Wunderbare, dass unseren Augen beschert wird, zu danken. Denn, er hätte ja einfach alles ohne Mathematik und Systematik schaffen können. Dann hätte ich es in der Schule einfacher gehabt. Aber, wir hätten hier das Chaos, und vielleicht wäre alles anstatt bunt und farbenfroh, einfach nur einfarbig. Eine schreckliche Vorstellung, nicht wahr?

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Mathematik macht also schön, ob man sie nun begreift oder nicht…

Usain Bolt – seine Füsse – meine Füsse

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„Mann, Sie haben aber krass schöne Füsse!“

Verwirrt guckt man seine Treter an – die sollen schön sein? Sie haben bereits mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel und stecken in Ledersandalen, die an die Caligae der Römer erinnern.

Man versteht nicht, dass es Leute gibt, die ausgerechnet unsere Füsse begutachten – wo es doch Füsse wie die von Usain Bolt gibt.

Schöne Füsse? Hm, man hat sich im Laufe eines langen Frauenleben schon allerhand anhören müssen. Dinge, die man gar nicht hören wollte, und die die eigene Lebensqualität nicht wirklich verbessert haben.

„Weshalb bist du als Älteste denn die Kleinste der Familie?“
„Ach, du hast ja Sommersprossen!“
„Du, deine Frisur…!“
„Hast du zugenommen?“
„Deine Bluse finde ich – eh – wie alt bist du eigentlich?“
„DIESES Rot (drohender Unterton in der Stimme) sollten Sie erst in zwanzig Jahren tragen…!“

Nach jedem dieser unverlangten Kommentare fühlt man sich nie besonders schön. Aber – wenigstens hat man ansehnliche Füsse. Und darum fotografiert man sie jetzt auch, obwohl sie mies lackiert sind. Nicht von einem selbst – und absichtlich ROT. Auch wenn man das erst in zwanzig Jahren tun sollte. Bis das aber soweit ist, kann man sich vielleicht nicht mehr bücken…

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Wozu aber schöne Füsse? Man grübelt. Wo sie doch mehr als das halbe Jahr in Socken, Strümpfen und Schuhen verpackt sind? Und – man hat nicht gewusst, dass die Farbe ROT ans Alter gebunden ist…

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Schönheit ist relativ. Genau so, wie ROT nicht einfach ROT ist. Es gibt tausend Nuancen und jede ist schön.

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Was der eine schön findet, passt dem andern nicht. Jemand sagte: „Jeder Mensch ist auf seine Weise und in seiner Art schön. Vielleicht nach menschlichen Massstäben nicht explizit äusserlich, aber – es gibt ja auch die innere Schönheit. Und die wiegt mehr, denn äussere Schönheit ist vergänglich. ‚Beauty comes and goes…‘, singt zudem King Charles in einem seiner Songs, den solltet ihr euch mal anhören…“

„Ja“, antwortete ein Kamerad und nickte. Dann sagte er: „Innere Schönheit, richtig. Es gibt Leute, die haben eine wundervolle Leber oder eine hübsche Milz, andere die perfekte Niere oder ein absolut tolles Verdauungssystem!“

Klar, es war nicht so gemeint. Aber anders rum. Denn was nützen ein schönes Gesicht oder ein perfekter Körper, wenn man herz- und charakterlos ist?

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Es gibt ROT und ROT.

Dann redeten die Männer weiter: „Man legt viel zu viel Wert auf die Meinung und die Kommentare anderer. Obwohl – selbst gibt man leider auch ungefragt zu viel davon ab. Denn die wird es immer geben, die an einem etwas auszusetzen haben, man kann sagen, tun und lassen was man will. Manchmal macht man einfach nichts richtig. Unser Umfeld will ja manchmal auch ein bestimmtes Bild von uns haben. Weil man vielleicht so besser ins Lebensschema anderer passt. Oder – vielleicht einfach auch, weil man einmal etwas falsch gemacht hat. Danach ist man dann abgestempelt und kann nichts mehr retten.“

Zum Glück sind das die absoluten Ausnahmen. Das ist tröstlich. Die meisten in unserem Umfeld finden uns ganz okay, einigermassen akzeptabel und erträglich, und sie vergeben uns, wenn wir etwas verbockt haben. Sie drohen nicht täglich damit, uns nach Patagonien umzusiedeln.

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Der Schöpfer aber hat von uns ein gutes Bild. Viele Stellen in der Bibel zeugen von seiner Liebe und seiner Wertschätzung uns gegenüber, unabhängig davon, wie wir aussehen und wie wir uns kleiden und ob wir Stümper sind. Ihm ist es egal, welche Art von Blusen ich trage, ob ich nun gross bin oder nicht. Er hat den Menschen geschaffen, und so wie er das getan hat, so ist es auch gut. Jeder ist in seinen Augen schön und wertvoll, ob man nun nach menschlichen Werten einen äusseren Makel hat oder nicht. Ihn interessiert es nicht, ob Usain Bolt jede zweite Woche zur Fußpflege geht oder nicht, und es ist zu hoffen, dass Mr. Bolt alle Medienberichte über seine Füsse, die wir diese Tage zu lesen kriegten, kalt lassen.

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Es spricht also alles dafür, jedermann nett zu behandeln, ob er nun aus unserer Sicht gut aussieht und wie auch immer gekleidet oder lackiert ist. Denn Wertschätzung tut allen gut, auch denen, die uns das Leben schwer machen, die wir seltsam oder hässlich finden. Es wird der Augenblick kommen, wo nichts mehr von dem zählen wird, was wir selbst so wichtig und richtig fanden…

Die schönen Füsse hat man also fotografiert. Nicht, weil das Kompliment so grossartig oder nötig war, oder diese Füsse so exklusiv. Nein. Man hätte es nicht gebraucht. Man wollte einfach der Nachwelt ein unterhaltsames Bild erhalten. In der Hoffnung, dass die Enkel den Urenkeln eines Tages sagen werden: „Guckt, das hier ist ein Foto von der Uroma, die so tolle Füsse hatte. Das ist das einzige Foto, das noch von ihr existiert!“

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„Omas Füsse, ANNO DOMINI 2013“