Die Geschenke

Besonders an Weihnachten wünschen wir uns Zeichen der Liebe, der Zuneigung, der Freundschaft. Wir sehnen uns nach Zuwendung und Geborgenheit, nach Wärme und Frieden.

Unsere Erwartungen sind oft zu gross. Nicht immer werden sie erfüllt und dann ist die Enttäuschung gross.

Christoph sass frustriert mit der Familie vor dem Weihnachtsbaum. Alle hatten sie ein Geschenk erhalten. Er hatte seiner Frau das Parfum, das sie so gerne mochte, gekauft. Die Kinder hatten auch bekommen, was sie gerne haben wollten, Ina ein dickes Buch und eine Karte um auf iTunes etwas runter zu laden. Die Jungs jeder ein neues Game und Skibrillen für den anstehenden Skiurlaub. Und von den Grosseltern einen schönen Geldbetrag. Susanne, seine Frau, hatte von den Eltern zudem einen Gutschein für ein Wellness-Wochenende im Taunus erhalten und von den Kindern ein absolut tolles Notizbuch. Sie war selig. Und er? Was hatte er bekommen? Er fühlte sich absolut miserabel.

Christoph hatte den Schwiegereltern einen Kalender hergestellt, mit wunderbaren Bildern aus der Umgebung, die er selbst geknipst hatte. Er hatte sich sehr viel Arbeit damit gemacht und freute sich selbst an dem gelungenen Resultat. Sie hatten meistens einen billigen Werbe-Kalender in der Stube hängen, und so dachte er, würde es sehr nett sein, einmal einen wirklich schönen, persönlichen zu kriegen. Er freute sich richtig auf ihre erstaunten und zufriedenen Gesichter. Und auf ein Lob für die schöne Arbeit.

Dann war der Heilig Abend gekommen, den sie wie immer mit den Schwiegereltern verbrachten.

Und nun sass er da und war zutiefst verletzt.

Die Schwiegereltern hatten den Kalender ausgepackt, nur kurz drauf geguckt und dann meinte die Schwiegermutter: „Ach, einen Kalender? Ich habe schon einen bekommen, in der Apotheke, mit Gutscheinen drauf wo man kostenlos Gratismuster erhält. – Ah, und dann hat mir die Nachbarin noch einen geschenkt, mit Blumen. Vom Floristen. Der ist schön, der gefiel mir sehr!“

Dann legte sie seinen wertvollen Kalender achtlos beiseite. Christoph spürte einen heftigen Stich in der Brustgegend, und innerlich krampfte sich etwas in ihm zusammen. Er war tagelang durch die Gegend gepirscht, in freien Minuten hatte er nach Plätzen gesucht, die den Schwiegereltern etwas bedeuteten und sie richtig ins Bild gerückt. Danach hatte er ein paar Abende investiert, um die passenden Bilder auszuwählen und den Kalender zu gestalten. Ein Freund von ihm, der etwas von Fotografie verstand, hatte ihn gelobt, als er die Bilder sah. „Das wird sie freuen, sage ich dir! Total gut, wie du das hin gekriegt hast, sehr schön!“

Christoph sass da und spürte Wut hochkommen.

Von seiner Frau hatte er nichts erhalten, sie fand, er hätte ja eh alles, kaufe sich übers Jahr stets was er brauche und wenn sie etwas für ihn kaufe, würde er es sowieso umtauschen gehen. Er hätte aber so gerne auch ein nettes persönliches Geschenk gehabt. Weshalb versuchten sie und die Kinder denn nie, herauszufinden, was er gerne haben möchte, was ihm Freude machen würde? Man hatte doch ein Jahr Zeit dazu?

Von den Kindern bekam er ein paar selbst gemachte Gutscheine, die zwar nett gedacht waren, aber eher aus Mangel an Ideen entstanden waren. Husch, husch hingekritzelt, in letzter Minute. Weil man es verschlampt hatte und zu spät darüber nachgedacht hatte, was man dem Papa schenken könnte.

Christoph sass da, fühlte sich verraten, ungeliebt, missverstanden, ausgenutzt.

Ja, zahlen, alles bezahlen, dafür war er gut genug. Aber sich die Mühe zu nehmen, ihm auch ein nettes Geschenk, dass ihm etwas bedeutete, zu machen, das wollte anscheinend keiner. Er kochte innerlich und wäre am liebsten aus der Stube gerannt.

Wie alle Jahre überreichte ihm die Schwiegermutter ein paar handgestrickte Wollsocken, die er wie immer nicht tragen würde, weil sie kratzten.

Und weil sie hässlich waren und nicht zu seinen dunklen Anzügen passten. Er arbeitete bei einem grossen Versicherungskonzern und hellblaue Wollsocken mit roten, grünen oder dunkelblauen Streifen waren tabu.

Als er das Päckchen aufmachte und die grässlich gekringelten Socken vorfand, aber dieses Jahr aus unerfindlichen Gründen der bisher übliche Briefumschlag mit dem Geld fehlte, platzte Christoph der Kragen. Er gab das Päckchen der Schwiegermama zurück und sagte kühl: „Mutter, ich habe noch etwa zwanzig Paar ungetragene Wollsocken in meiner Schublade, ich brauche dieses Jahr keine Socken und auch nächstes und übernächstes Jahr nicht. Ich bin allergisch auf Wolle. Sie kratzt.“

Sie guckte ihn erbost und beleidigt an und seine Frau Susanne rief entrüstet: „Aber Christoph!“

„Warum hast du das denn nie gesagt, dass du meine Socken gar nie trägst?“ blaffte ihn die Schwiegermutter an. Die vier Kinder schauten mit grossen Augen von einem zum andern. Es war ihnen peinlich, wie sich der Vater benahm. Aber insgeheim fanden auch sie die Socken furchtbar und ergriffen innerlich Partei für ihn.

Christoph schaute die Mutter fest an, dann antwortete er:
„Weil ich es als junger und frisch getrauter Ehemann nicht mit dir verderben und dich nicht verletzen wollte. Aus Respekt der Mutter meiner Frau gegenüber. Ich dachte auch, du würdest irgendwann merken, dass ich deine Socken niemals getragen habe. Oder Susanne würde es dir mal sagen. Und es ist richtig, dass ich es dir besser gleich hätte sagen sollen, dann hätte es damals kurz Zoff gegeben, aber es wäre damit erledigt gewesen. Nun haben wir den Streit halt eben jetzt. Du magst meinen Kalender nicht. Der mich viel Arbeit und Zeit gekostet hat und den ich speziell mit Liebe für euch gemacht habe, und weil du lieber Werbekalender magst. Und ich mag deine Socken nicht, die du mit Fleiss für mich gestrickt hast. Somit ist ja alles bestens und wir wissen beide jetzt Bescheid und machen es nächstes Jahr besser. – Wir schenken uns nichts mehr!“

Stille. Der Schwiegervater hüstelte, und versuchte sich am engen Kragen samt der seidenen Krawatte etwas Luft zu verschaffen.

Dann sagte er in die unangenehme Situation hinein: „Ich muss Christoph beipflichten. Man hätte ihn eigentlich mal fragen sollen, ob er Wollsocken überhaupt mag! – Und, damit du es weißt, Gertrud“, wandte er sich etwas unsicher an seine Frau, „ich, äh – also ich – ich mag Wollsocken eigentlich auch nicht, und habe mich auch nicht getraut, dir das zu sagen. Weil ich dich auch nicht verletzen wollte!“ Er senkte beschämt den Kopf.

Ruckartig stand die Schwiegermutter auf, Zornesröte stieg ihr ins Gesicht.

Dann fing sie an zu toben: „Was seid ihr doch für ein undankbares Pack! Vierzig Jahre lang habe ich mir die Finger krumm gestrickt, und nun das!“ Sie ging zackig wie ein Offizier zur Tür hinaus und knallte sie zu. So heftig, dass das Geschirr im Schrank laut klirrte. Die Zurückgebliebenen zuckten wie unter einem Peitschenhieb zusammen und schauten sich stumm und sprachlos an.

Gerade als sich der Schwiegervater bei allen entschuldigen wollte, ging die Türe nochmals mit einem wilden Ruck auf. Der zornrote Kopf der Schwiegermutter erschien im Rahmen.

Laut, mit einem unterdrückten, tiefen Schluchzer schrie sie in den Raum hinein: „Und – damit ihr es wisst – ich h a s s e stricken!“

Nun standen sie alle da, mit offenem Mund.

Den Schwiegervater aber packte es als Erster. Zuerst versuchte er es noch zu unterdrücken, aber es ging nicht. Er prustete los und bald kugelten sich alle vor Lachen. Nein, sie lachten und sie weinten durcheinander. Dann ging der Schwiegervater zur Tür. Er gebot allen, nun ruhig zu sein, da die Mutter das Gelächter falsch auffassen könnte. „Ich regle das mit ihr – ich trage eigentlich die Schuld dran. Wartet bitte hier.“

Es dauerte eine ganze Weile, bis die beiden wieder erschienen, die Mutter mit geröteten Augen. Sie setzten sich hin und dann begann der Vater zu sprechen.

„Wir haben das geklärt. Es ist meine Schuld“, sagte er, „dass es so gekommen ist. Als wir jung waren, war das Stricken für Frauen und Mädchen einfach Pflicht. Es gab ja nur diese Wollsocken. Als ich dann meine Frau kennenlernte, und wir die erste Weihnachtsfeier als Verlobte mit den zukünftigen Schwiegereltern feierten, überreichte mir Gertrud als erstes Geschenk ein Paar Wollsocken. Ich hatte sie nie gerne getragen, sie kratzten, und so lief ich, sobald es warm genug war, immer ohne Socken rum. Als dann die ersten dünneren modernen Dinger auf den Markt kamen, trug ich solche jeweils unter den Wollsocken. Und wenn Gertrud es nicht bemerkte, liess ich die wolligen Dinger ganz weg.

Ich war damals sehr verliebt. Ich wollte dieses tolle Mädchen nicht verletzen und dankte ihr etwas übertrieben für dieses Geschenk. Sie war über meine Reaktion leicht bestürzt und so doppelte ich noch etwas nach und erklärte nochmals, wie sehr ich mich darüber freue. Was ich aber bis heute nicht wusste – Gertruds Mutter hatte ihr gesagt, sie müsse ihrem Bräutigam unbedingt ein Paar Socken stricken, damit er sehe, dass er eine fähige, fleissige Frau kriegen werde. Obwohl sie wusste, wie sehr Gertrud stricken hasste. Und Gertrud war über meine Begeisterung entsetzt, sie hatte insgeheim irgendwie gehofft, dass ich die Socken nicht wirklich mochte. Aber – es gab ja für uns arme Leute noch keine Alternative, und das wusste sie auch. Gertrud also fügte sich den Konventionen. Und strickte schicksalsergeben fleissig jedes Jahr mehrere Paar Socken für mich zu Weihnachten. Denn ich hatte mich ja so wahnsinnig darüber gefreut. So seufzten wir vierzig Jahre lang heimlich – Gertrud, weil sie vermeintlich stricken musste, und ich, weil ich die Socken dann tragen sollte. Sie strickte aus Liebe, und nicht, weil sie es mochte, und ich trug sie aus Liebe, und nicht, weil ich sie gerne trug. Wir hätten miteinander reden sollen und ehrlich zueinander sein. Dann wäre Christoph gegenüber nicht wieder der gleiche Fehler passiert. Einfach so anzunehmen, dass er auch Wollsocken mag.“

Der Schwiegervater wandte sich an Christoph. „Tut mir leid, mein Junge. Wir vertragen uns wieder, gell? Aber sag – was hättest du denn gerne zu Weihnachten gehabt?“

Christoph erwiderte vorsichtig: „Darf ich das sagen?“
„Aber ja, mach schon!“ lachte der Schwiegervater.
„Dann“, stammelte Christoph, „dann hätte ich eigentlich sehr gerne, dass ihr übers Jahr versucht raus zu finden was mir Freude machen könnte und was mir gefallen würde. Ich lese und bastle oft, ich fahre Ski, ich gehe im Gebirge klettern. Ich mag Musik. Ich fotografiere und werkle im Garten – und wenn ihr trotzdem nichts findet dann fragt. Ich kann euch – sagen wir – dann drei Dinge nennen und davon wählt ihr etwas aus. Es macht nämlich auch nicht sehr viel Spass, wenn man im Voraus weiss was man kriegt!“

„Und was hättest du denn dieses Jahr gerne gehabt? Komm, sag schon, wir haben was gut zu machen. Du kriegst das noch, abgemacht?“
„Okay, das lasse ich gelten. Dann hätte ich sehr gerne dieses neue fantastische Fotobuch über die Schweizer Alpen gehabt – für einen Kletterer ein Muss!“

„Prima, das regeln wir!“ Der Vater war zufrieden.

Dann wandte sich Christoph an die Schwiegermutter: „Findest du denn den Kalender wirklich so mies? Guck ihn dir doch mal richtig an!“

Beschämt packte die Mutter den Kalender, setzte sich zum Vater.

Das erste Bild nach dem Deckblatt mit der neuen Jahreszahl kam zum Vorschein. Ein entzückter Ausruf. „Das ist ja im Park bei dem Wasserspiel wo du mir den Heiratsantrag gemacht hast!“ Die Schwiegermutter lächelte glücklich.
„Ja, und hier, in diesem alten, romantischen Kirchlein haben wir geheiratet!“
„Ah und da lebten wir die ersten Jahre!“
„Und hier gingen alle unsere Kinder zur Schule!“
„Och, und da ist das Haus!“
„Und sieh, er hat den Garten fotografiert, wie wunderbar. Guck, die Rosen!“
Sie waren begeistert, bis zum Dezember und fielen Christoph um den Hals.

„Junge“, sagte der Schwiegervater, „das hast du toll hingekriegt. Und fast hätten wir es vermasselt! Entschuldige nochmals! Wir werden das ganze Jahr über Freude an den tollen Fotos haben! Garantiert!“

Susanne trat zu Christoph hin und schmiegte sich in seinen Arm. Sie gab ihm einen Kuss und sagte: „Schatz, nachdem das mit den Eltern nun geregelt ist, glaube ich, sollten wir auch reden, nicht wahr? Du musst arg enttäuscht sein, es tut mir Leid, mein Lieber!“

Sein Zorn war verflogen. Er drückte sie und sagte: „Ja, nächstes Jahr machen wir es besser. Denn – ich bin nicht wirklich geschaffen für Weihnachten. Ich bin viel zu harmoniebedürftig und an Weihnachten sind die gegenseitigen Erwartungen einfach oft zu gross. Ich fühlte mich ausgenutzt und zu kurz gekommen.“

„Ich bedauere es“, sagte Susanne, „und du hast Recht, nie ist es leichter als an Weihnachten, die, die man liebt, zu enttäuschen…“

Er nickte und die übrigen ebenso.

Sie setzten sich also nochmals einmütig zusammen um den Baum um noch einmal ein paar Lieder zu singen.

Die Schwiegereltern schauten sich glücklich an, hielten sich an den Händen, die Kinder strahlten und Christoph hielt seine Susanne im Arm. Der Frieden war wieder hergestellt. Und jeder spürte – dass jetzt richtiger wirklicher Weihnachtsfrieden eingekehrt war.

Der letzte Ton des letzten Liedes war verklungen, friedlich sassen sie einträchtig im warmen Raum. Da erklang plötzlich ein furchtbarer, aber glücklicher Schrei, der alle zusammenfahren liess:

„Hurra! – Nie mehr stricken! – Hurra!“

Die Geschichte zum Ausdrucken:
Die Geschenke

Weitere Weihnachtsgeschichten:

https://www.il-verlag.com/autoren/plüss-marianne-helena/der-weihnachtswunsch/

Ereignisreiche Sommertage

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Endlich Urlaub. Anstrengende Monate liegen hinter einem. Im Urlaub erwartet man deshalb, dass man jetzt das nachholen kann, was man im Alltag ständig meint zu verpassen: Das Leben an sich, Erholung, Komfort, Abenteuer, tolle Begegnungen.

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Landschaft in Südbaden

Die Erwartungen sind gross. Die Tendenz, für möglichst wenig Geld viel kriegen zu wollen, hat von uns allen Besitz ergriffen. Das Luxushotel zum Schnäppchenpreis. Es muss für einen selbst stimmen. Ob es für die Anbieter, die Hotels und die Gastgeber (so noch) stimmt, darüber macht sich der Gast meist keine Gedanken.

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Nr. 10, aber nicht Downing Street…

Es ist eine Haltung, die uns vergessen lässt, dass Menschen vom Tourismus leben und sie in vielen Teilen dieser Erde sonst kaum Verdienstmöglichkeiten haben. Wenn eine Bekannte von mir einen Flug nach Berlin für nur noch neun Euro ergattert wie sie mir stolz erzählte, dann muss man sich schon fragen, was hier falsch läuft.

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Man muss auch nicht immer meilenweit reisen, um etwas zu erleben. Sehenswertes liegt oft näher als man meint.

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Seltsamer Baum in Schönau

Es gibt ihn, den perfekten Urlaub, aber damit rechnen sollte man nicht. Man müsste also ein wenig locker bleiben. Lockerer als ich es letzthin war. Denn so lange keine wirklichen Tragödien passieren, ist es nicht weiter schlimm, wenn nicht alles so ist wie daheim.

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Sehenswert: Erdmannshöhle in Hasel

Wer alles so haben will wie zuhause, der muss erst gar nicht wegfahren. Denn das sind die allerschlimmsten Gäste – nämlich die, die über alles meckern, weil im eigenen Land vermeintlich alles besser, billiger und sauberer ist. Ach Leute, warum fahrt ihr dann weg, wenn es anderswo sowieso einfach nur, entschuldigt den Ausdruck, Scheisse ist?

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Kirche von Schönau

Es gibt tausend Dinge, die den Urlaub erlebnisreich machen können. Tolle Landschaften, fantastisches Wetter, neue Bekanntschaften, leckeres, bisher unbekanntes Essen. Ein verspäteter Flug, Stau ohne Ende. Eine Magenverstimmung, Insektenstiche, Unfälle, Sonnenbrand, Liebeskummer, Streit, rüpelhafte Gäste ohne jegliches Benehmen, Dauerregen.

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Getreidefeld bei Grafenhausen

Oder dann vielleicht eine Buchung, die nicht das hält, was sie versprochen hat? Ich habe da dieses „Comfort-Zimmer“ mit Minibar, Balkon und Whirlpool in einem tollen Hotel ganz kurzfristig gebucht, weil ich es mit dem Rücken habe. Minibar und Balkon helfen zwar nicht unbedingt gegen Rückenschmerzen, aber wären eigentlich ganz nett. Es wurde halt online so angeboten. Aber der Whirlpool! Ich stellte es mir so richtig schön vor, wie ich mich abends nach den Wanderungen von den Wasserdüsen herrlich weich und glücklich kneten lassen würde. Mühevoll und verspannt hinein krabbeln, um danach dem Pool leicht und schwebend wie eine verjüngte Elfe zu entsteigen.

Aber aus dem elfenhaften Schweben wurde nichts. Weder gab es eine Minibar noch einen Balkon und auch keinen Whirlpool. Was es gab, war ein Zimmer unter dem Dach mit einem Bett in der Form eines Segelschiffes, inklusive Möwen und Rettungsring. Es war stickig und heiss, und das Zimmer trug den klangvollen Namen «Segel(t)raum». Es wehte auch nicht die leichteste Brise, was zumindest eine ruhige See verhiess.

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Schiff oder Bett?

Den Traum von einem Raum fand ich persönlich aber ein Alptraum. Ich stand völlig perplex vor der unerwarteten Form des Bettes, und nichts hätte mich in dieses Boot gebracht. Sämtliche Überredungskünste meines Reisebegleiters fruchteten nichts. Weder wollte ich mit einem Seemann ins Bett noch hatte ich Lust auf einen Matrosen und eine Dekoration, mit der ich einfach hier nicht gerechnet hatte. Ich kam mir absolut blöd vor. Es war nichts für Leute wie mich, die beim blossen Gedanken an die Titanic seekrank werden. Ich fürchtete auch, im Halbschlaf mit dem Kopf gegen den Grossbaum zu knallen. Denn fremde Betten sind oft nicht nur eher unbequem, sondern häufig auch Fallen. Die Nachttischlampe wirft man runter, weil sie anderswo steht. Da man unbedacht andersrum schläft als daheim, schlägt man zudem irgendwann mitten in der Nacht auf dem harten Boden auf, weil der Bettrand auf der falschen Seite ist. Und deshalb, ja deshalb haut man auch gegen die Wand anstatt auf den schnarchenden Ehemann.

In einem normal geformten, fremden Bett hat man also so schon genug Stress mit Orientierung und Schlafsicherheit. Schlafen inmitten von Segel, Mast und Rettungsring, das passte also jetzt einfach irgendwie nicht. Das ging über meine aktuellen mentalen Kräfte. Ausserdem, was ist, wenn das Schiffs-Bett oder Bett-Schiff nachts kentert? Würden wir dann auf dem blauen Bodenbelag ertrinken? Nein, und nochmals nein. Es gelang mir nicht, locker zu bleiben…

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Romantisches Rosenzimmer für Neuvermählte

An der Rezeption versicherte man mir, dass für viele Gäste dieses eingebettete Schiff, dieses eingeschiffte Bett der absolute Komfort darstelle und es doch ausgesprochen witzig sei. Das konnte ich gut verstehen. Ich war aber zu müde für Witziges. Ich wollte einfach bloss ein sicheres Bett haben, kein witziges. Ich war hier im Schwarzwald, nicht an der Nordsee.

Das Segelschiffzimmer durfte ich gegen das nicht unbedingt altersgerechte, weil sehr romantische Rosenzimmer mit der hochmodernen Dusche eintauschen. Duschen ging nur mit Brille, sonst konnte man die Symbole auf den Knöpfen nicht erkennen. Aber das Ganze sah toll und sehr schick aus. Für das Fehlen der Minibar, des Balkons und des Whirlpools erhielt ich eine Preisreduktion. Das fand ich angemessen und sehr sehr anständig, auch wenn ich nicht im Sinn hatte, hier nochmals so eine Art Flitterwochen zu verbringen.

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Tolle Dusche – hochmoderne Technik für das Rundum-Programm

Dass das Zimmer mit dem Whirlpool schon besetzt war, war vielleicht ganz gut. Denn etwas später hörten wir ein beängstigendes, sehr lautes Blubbern über uns. Dann ein paar spitze Schreie und danach Totenstille. Fünf Minuten später erneut ein heftiges Blubbern und nochmals Schreie. Und wieder Stille.

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Ausblick von der Saigerhöhe

Ob es den Gästen im besagten Zimmer so erging wie uns letztes Jahr, als wir diese sensationelle Übernachtung im Luxushotel mit Whirlpool gewonnen hatten? Denn dieser Whirlpool erwies sich als nicht steuerbar. Die Gebrauchsanweisung war unverständlich und es schien viel komplizierter als das Bedienen eines Smartphones zu sein. Die Düsen machten was sie wollten, und wir setzten beinahe das ganze Luxusbad unter Wasser. Das Personal um Hilfe bitten, das getrauten wir uns nicht. Wir fanden uns nicht mehr schön genug…

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Mann, unterwegs gefunden. Ich habe ihn mitgenommen…

Im Urlaub erlebt man also losgelöst vom Alltag immer wieder Verrücktes. Man sieht Ungewohntes, Abenteuerliches. Wenn man sich in einem neuen Umfeld bewegt, fallen einem Dinge auf, die man daheim womöglich gar nicht wahrnehmen würde.

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Unerwartet Unanständiges am kleinen Badesee in Grafenhausen

Sehr bewusst zieht man auch die Schönheit der Natur in sich auf, denn jetzt hat man die Zeit dazu. Man kann die Seele baumeln lassen und die prächtige Landschaft so richtig auf sich wirken lassen.

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Am Feldsee im Schwarzwald

Man sollte auch unbedingt die regionalen Köstlichkeiten testen und sich ein paar kleine Mitbringsel aussuchen. Die, die man aufessen kann und später weder aufstellen noch abstauben, noch am Zoll deklarieren muss, sind immer noch die besten. Denn eine Kuckucksuhr mag im Schwarzwald inmitten all der dunklen Tannen ja voll cool aussehen, aber ob sie dann daheim zur Ikea-Wohnungseinrichtung passt, kann man aus der Ferne im Augenblick der urlaubshalber eingetretenen Unzurechnungsfähigkeit oft zu wenig abschätzen.

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Lecker zu Vanilleeis – die beschwipsten Pflaumen aus dem Schnapshäusle

Ein Urlaub muss nicht drei lange Wochen dauern, um viel zu erleben. Wie die Bilder hier beweisen, kann man in vier Tagen eine Menge sehen, und das ohne grossen Stress. Wenn dann als krönender Abschluss kurz vor der Ankunft daheim ein Anruf kommt, dass ein Angehöriger im nahen Ausland eine Panne hatte und Hilfe braucht, dann kehrt man einfach wieder um und kommt halt einen halben Tag später zuhause an.

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Krönender Abschluss eines Kurzurlaubs – Pannenhilfe in Weil am Rhein

Ach Leute, wie gut ist es doch, dass die Schweiz so klein ist und das Ausland so nahe liegt. Und es gleich auf der andern Seite der Landesgrenze beginnt…

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