Besuch an Heilig Abend

Eine Weihnachtsgeschichte

Flocken tanzten auf und nieder. Der betagte Mann stand an Heilig Abend am Fenster in der Stube seines Häuschens und blickte in die anbrechende Nacht hinaus. Die Lichter des Dorfes leuchteten schwach durch das Schneegestöber. Er seufzte und zog die Vorhänge zu. Dann schaltete er das Radio ein. Leise erklang Musik. Das war doch Bach? Er lauschte dem Text, verstand ihn aber nicht richtig. Er ging an seinen Computer, schaltete ihn ein, suchte die Strophen und las mit: 

Jauchzet, frohlocket! auf, preiset die Tage, 
Rühmet, was heute der Höchste getan! 
Lasset das Zagen, verbannet die Klage, 
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an! 

Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören, 
Lasst uns den Namen des Herrschers verehren! 

Jauchzet, frohlocket! auf, preiset die Tage, 
Rühmet, was heute der Höchste getan! 
Lasset das Zagen, verbannet die Klage, 
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!

Jauchzen und frohlocken? Wenn er Weihnachten mutterseelenallein verbringen musste? Die Frau gestorben, die Tochter in Australien, der Sohn im Krankenhaus. Sein Umfeld war klein geworden, je älter er wurde. Viele Verwandten und Freunde waren bereits gestorben. Mit den Nachbarn hatte er kaum Kontakt, die waren berufstätig und an Wochenenden oft unterwegs. Den Führerschein besass er auch nicht mehr. Die Einsamkeit griff immer mehr um sich. Er versuchte sich abzulenken, zu beschäftigen, erledigte den Haushalt, werkelte im Sommer Garten. Im Winter aber, da wurde ihm langweilig. Bei den Mahlzeiten spürte er es besonders gut, dass keiner da war. Alleine essen machte irgendwie einfach keinen Spass.

Er lauschte der Musik. Frohlocken? Jauchzen? Ihm war eher nach Weinen zumute. Er sass vor seinem Computer und suchte nach Bachs Biografie. Er erinnerte sich schwach, dass dieser auch nicht gerade ein einfaches Leben gehabt hatte. Was war er doch für ein begnadeter Musiker und Komponist gewesen! Er fand Bachs Lebensgeschichte und las sich ein bisschen durch. Bald aber wurde es ihm zu viel. Was für ein unstetes Leben, was für eine Schaffenskraft, was für Tragödien! Von den zwanzig Kindern, die Bach mit zwei Frauen gehabt hatte, starb die Hälfte. 

Und trotzdem hatte er geschrieben: «Jauchzet, frohlocket!»

Er schaltete den Rechner ab. Er würde jetzt Weihnachten feiern, allein. Wenn ein Mann wie Bach trotz so viel Herzeleid so voll Lob gewesen war, dann wollte er auch tapfer sein. Das musste gehen. Er zündete die paar Kerzen auf dem Tisch an, die er zwischen hingelegte Tannenzweige gestellt hatte. Auf dem Dachboden hatte er alte Christbaumkugeln gefunden und sie auf dem Grün verteilt. Es sah ganz nett aus. Er nahm sich vor, jetzt erst einmal für seine Kinder zu beten, dafür, dass sie gesund blieben, und sie mit Weisheit, Einsicht und Verstand gesegnet seien.

Wie in der ganzen christlichen Welt üblich, nahm er danach die Bibel hervor und las sich nun die Weihnachtsgeschichte selbst laut vor. Es war schön, die eigene Stimme zu hören und er unterdrückte einen kleinen Schluchzer. Wenigstens die eigene Stimme war noch da. Er vertiefte sich in das Lukasevangelium. Was war das doch für eine Geschichte, dachte er. Was war die Bibel doch für ein Buch! Kein anderes hatte man so häufig übersetzt, verkauft, gelesen, aber auch verspottet, runtergemacht, verfolgt und verbrannt. Ein gefährliches Buch. Es veränderte Menschen zum Guten hin. Das hatte noch nie allen gepasst.

Er las, wie die Hirten auf dem Feld über die Engel erschraken, dann zum Stall eilten. Wie sie erstaunt das Kind so fanden, wie von den Engeln gesagt. Er sah im Geist das Leuchten des Sterns über dem Stall, meinte den Geruch von Heu und Stroh zu riechen und auf einmal wurde es in der Stube hell. Er erschrak und sah den Engel, der den Hirten die Botschaft verkündet hatte. Da stand er in seinem Haus, verbreitete einen warmen Schein und sprach: «Ich bin bei dir alle Tage bis an der Welt Ende. Du bist nicht allein.»

Er spürte, wie ihm warm ums Herz wurde, wie ihn unbändige Freude ergriff. Er wollte nach dem Engel greifen, ihn umarmen, aber ein heftiger Schmerz fuhr in seine Hand. In diesem Augenblick schrak er auf und merkte, dass er mit der Hand einer Kerze zu nahegekommen war. Er stand rasch auf, guckte sich um, aber da war keiner. Dann eilte er in die Küche, um die Hand zu kühlen.

Zurück in der Stube setzte er sich wieder an den Tisch und blickte auf die Heilige Schrift. Noch immer war ihm, seine Wohnung sei mit Licht erfüllt. «Ich muss eingenickt sein», dachte er. «Und dann hat mir mein Hirn einen Streich gespielt», beruhigte er sich selbst. So richtig aber funktionierte das nicht. Er fühlte sich zu leicht, zu froh, zu glücklich, um das einfach so als Traum oder Hirngespinst abzutun. Er fühlte sich nun so gut, dass er damit begann, sich selbst Weihnachtslieder zu singen. Mitten in seinen Gesang hinein klingelte es. Seine Tochter rief an um ihm ein frohes Fest zu wünschen und zu fragen, wie es ihm gehe. Fröhlich erklärte er ihr, es gehe ihm prima. Erstaunt über den sonst eher depressiven Vater hakte sie nach: «Ist alles in Ordnung, Papa?» Impulsiv und überschwänglich antwortete er: «Ja, mir geht es gut, und du, ich glaube, ich hatte einen Engel hier!» Einen Augenblick war es still. «Hat dich denn jemand besucht? Ein Nachbar?» Er verneinte. «Ich denke, es war wirklich ein Engel!» Er hörte, wie seine Tochter tief durchatmete. Da wurde ihm bewusst, wie komisch das bei ihr ankommen musste. Sie sagte gedehnt: «Papa, muss ich mir Sorgen machen oder ist es einer deiner Scherze?» Er lachte. «Nein, kein Scherz. Vergiss es einfach!»

Zurück am Tisch dachte er darüber nach, dass Engel heute wohl nicht mehr so gefragt seien. Der Mensch könne ja fast alles selbst, brauche sie und auch Gott nicht mehr. Und er dachte an die Dinge, die der Mensch trotz modernster Technik doch nie ganz in den Griff bekam – Leben, Sterben, Gesundheit. Und das ohne Gott? Nein, das war nichts für ihn. Hatte er ihm denn nicht soeben gezeigt, dass Gott da war, dass er nicht alleine in der Stube sein musste? Dass er nicht vergessen gegangen war? Und er hatte doch alles, ihm fehlte es an nichts. Sanft und liebevoll strich er über die Bibel. Wie schade, dass so viele Menschen den Hintergrund von Weihnachten nicht mehr kannten, und nur noch Konsum und Essen im Sinn hatten. Er blickte in die Kerzen, freute sich an ihrem warmen Schein und holte sich ein Glas Wein. Ihm fiel wieder der Text von Bachs Weihnachtsoratorium ein. Trotz der Umstände jauchzen und frohlocken? Zu sich selbst sagte er laut und fest: «Aber klar doch!»

Jauchzet, frohlocket! auf, preiset die Tage, 
Rühmet, was heute der Höchste getan! 
Lasset das Zagen, verbannet die Klage, 
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an! 

Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören, 
Lasst uns den Namen des Herrschers verehren! 

Jauchzet, frohlocket! auf, preiset die Tage, 
Rühmet, was heute der Höchste getan! 
Lasset das Zagen, verbannet die Klage, 
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!

Nachwort: Möge all denen, die es in dieser Zeit brauchen, ein Engel erscheinen! Frohe Weihnachten!

Marianne Helena Plüss © 2020

Der geraubte Schnee

Das Lotterhaus lag inmitten einer kleinen Zitrusplantage. Einige wenige Orangen- und Zitronenbäume gediehen hier. Vor der Hütte sass ein Grossvater vor einem Berg gewässerter Salzzitronen. Vorsichtig schnitt er sie so ein, wie es die Oma haben wollte. Dann füllte er die Schnittflächen mit grobem Salz. Es roch gut.

Ein warmer Wind wehte und brachte den Duft der Zitronen- und Orangenblüten mit.

Der Enkel schaute dem Opa zu. Plötzlich zeigte der Junge an die Wand. Dort hingen zwei bunte, lange und schlanke Bretter mit einer merkwürdigen Vorrichtung in der Mitte.

«Opa, was ist das denn?»

Der Opa sah hoch. Dann runzelte er die Stirn und seufzte. Der Grossvater zeigte mit dem Messer in der Hand auf die Berge ringsumher.

«Noah, das ist eine Antiquität. Das bedeutet, dass das sehr alt ist. Mit diesen Brettern ist dein Urgrossvater als Kind im Winter diese Berge heruntergefahren! Die Dinger nennt man Skier.»

«Aber Opa, das geht gar nicht, die haben ja keine Räder!» Der Junge schüttelte den Kopf.

«Dein Urgrossvater, das war mein Papa. Er ist schon sehr lange tot. Damals, als er noch ein Kind war, gab es in der kälteren Jahreszeit Schnee.

Schnee ist weiss. Wenn es sehr kalt wird, fällt er anstelle von Regen vom Himmel.

Regentropfen werden zu Schneeflocken. Der Schnee fliesst dann nicht einfach weg wie Regen. Wenn es kalt genug ist, bleibt er liegen und bedeckt das Land wie eine weisse Decke. Und dann kann man mit diesen Brettern darauf ganz wunderbar den Berg herunterrutschen. Ich zeige es dir!»

Sie liessen die Zitronen liegen. Der Opa holte alte, vergilbte Bilder von schneebedeckten Landschaften hervor. Da waren seltsame Dinge zu sehen. Für jedes Foto hatte der Opa eine Erklärung. Skilifte, Schlittenfahrten, den Hang hinunter rasende Skifahrer.

Mit grossen Augen hörte Noah zu.

«Wenn Schnee liegt, wächst nichts. Die Menschen mussten vor dem Schnee Vorräte anlegen oder Nahrung aus warmen Ländern her bringen, damit sie im Winter nicht hungern mussten. Sie brauchten Heizungen, Öfen, und viel warme Kleidung, damit sie nicht frieren mussten.»

Der Opa hatte Bilder von Städten und Dörfern mit schneebedeckten Dächern, mit Weihnachtsbeleuchtung an klirrenden Wintertagen, Bilder von im Schnee spielenden Kindern und von Schneemännern.

«Ich will auch einen Schneemann, Opa. Sag, wo ist der Schnee jetzt?»

«Damals, als ich ein Kind war, da gab es das alles schon nicht mehr. Das Wetter hatte sich verändert, die Erde wurde immer wärmer, weil die Menschen viele Dinge nicht richtig machten. Und darum gibt es jetzt keinen Schnee mehr.»

Noah brach in Tränen aus.

Der alte Mann seufzte und nahm ihn in den Arm.

Ja, der Schnee. Weg, aus, vorbei. Es begann damals, im Jahr 2018. Das war der erste Sommer gewesen, in dem Europa fast austrocknete, die Bauern verzweifelten, weil es monatelang nicht regnete. Vieh musste geschlachtet werden, Wasser und Futter fehlten.

Die folgenden Jahre wurde es nicht besser.

Die Menschheit geriet in Schwierigkeiten.

Man fing damit an, Notfallpläne zu machen. Man stritt sich national und international darüber, wie der sich ausweitenden weltweiten Wasserknappheit zu begegnen sei. Bald wurde es untersagt, Autos zu waschen, den Rasen zu sprengen, Blumen zu giessen, täglich zu duschen. Schwimmbäder wurden geschlossen. Waschmaschinen und Geschirrspüler durften nur noch zu bestimmten Zeiten laufen. Betriebe führten Kurzarbeit ein. Menschen wurden arbeitslos.

Das Wasser wurde komplett rationiert.

Inzwischen hatten sich weltweit bereits zahlreiche Bauern umgebracht. Die hatten vorher schon jahrelang wegen der zahlreichen Auflagen und den langen Arbeitszeiten und dem kleinen Verdienst Stress gehabt. Es kam zu heftigen Versorgungsproblemen. Aufstände und Demonstrationen wurden normal.

Leute zapften illegal Wasserleitungen an.

Die Staaten in ganz Europa und dem Rest der Welt mussten Sicherheitstruppen patrouillieren lassen, damit es keine Katastrophen gab. Es herrschte nachts Ausgehverbot und der internationale Notstand wurde überall ausgerufen.

Der Schnee blieb weltweit aus. Nur noch im Himalaja-Gebiet gab es welchen. Diese Gegend wurde aus Sicherheitsgründen zur Sperrzone erklärt. In den Alpen wurden Skilifte und Bergbahnen abgebaut oder verlassen. Hänge mussten gesichert werden, die Gletscher schmolzen, der Permafrost verschwand fast ganz.

Die Berge wurden ungemein gefährlich.

Felsstürze und Steinschläge forderten zahlreiche Opfer. Ganze Ortschaften wurden zugeschüttet. An einigen Seen, die zwischen den Bergen lagen, löste das in die Seen stürzende Gestein Flutwellen aus. Die ans Ufer grenzenden Dörfer und Städte wurden zerstört. Das arktische Eis schmolz, es gab ständig Überschwemmungen. Land versank und ging einfach unter.

Die Niederlande verschwand fast ganz von der Landkarte.

Die Überlebenden flüchteten in die angrenzenden Länder.

Land in Meernähe versalzte. Die Vegetation wurde ganz anders. Bestimmte Pflanzen wuchsen nicht mehr und grünes Land war Vergangenheit. Das alles veränderte den Speiseplan der Menschen und die Lebensgewohnheiten. Sie mussten bewässern, um etwas Essbares ziehen zu können. Wenn es einmal regnete, sammelte man das teure Gut. Dann verteilte man es nach einem ausgeklügelten Plan. Entsalzungsanlagen, um Meerwasser zu Trinkwasser zu machen, gab es zu wenige. Es fehlte an Energie. Strom aus Wasserkraft gab es nicht mehr und das Geld für Solaranlagen fehlte.

Das Fliegen wurde untersagt. Es war nur noch mit einer Sonderbewilligung möglich. Für Autos und LKWs galt dasselbe. Vieles wurde rationiert oder war nicht mehr erhältlich. Man musste essen, was in der näheren Umgebung wuchs, und das war herzlich wenig. Die Unterernährung nahm überhand. Der technische Fortschritt wurde gebremst.

Man fiel um Jahrzehnte zurück.

Was selbstverständlich gewesen war, war Vergangenheit. Vorbei die Zeiten, wo Gemüse und Obst um die ganze Welt transportiert wurden. Vorbei die Zeiten des grenzenlosen Konsums.

Mit der Zeit war den Regierungen klar, dass die europa- und weltweite Wasserknappheit Schlimmeres verursachen könnte als es der erste und der zweite Weltkrieg getan hatten.

Ein dritter Weltkrieg drohte auszubrechen.

Das Wasser aber fehlte, um die Truppen damit zu versorgen. Einzelne Krisenherde entstanden dennoch, doch erstickte der Wassermangel sie bald. Es wurde klar, dass kein Krieg es wert war, losgetreten zu werden.

Kein Krieg hatte je die Welt zu einem besseren Ort gemacht.

Und würde ein Krieg mehr Wasser bringen? Nein, er würde die allgemeine Not nur vergrössern.

Millionen kamen in diesen Wirren um. Das war zwar schlimm, aber der Wasserverbrauch wurde dadurch wenigstens reduziert. Viele Völker und Menschen waren wegen der Not bald extrem verarmt.

Ohne genügend Wasser war so vieles unmöglich geworden.

Niemand hatte genug davon. Darum kontrollierte jeder jeden, Wasserneid war normal geworden. Es wurden neue Gesetze ausgearbeitet.

Der Lebensanspruch des Menschen wurde weltweit auf höchstens siebzig Jahre beschränkt.

Damit mehr Wasser für die junge Generation vorhanden war.

Wasserdiebstahl hatte für Täter katastrophale Folgen. Wasserdiebe wurden extrem hart bestraft. Man liess sie kurzerhand verdursten. Nur durch hartes und diktatorisches Vorgehen der Regierungen konnte der Weltfrieden einigermassen bewahrt werden.

Mit der Zeit begann sich die Erde ein wenig von den Menschen zu erholen, die viel zu lange viel zu viele Ressourcen überstrapaziert hatten. In einigen Regionen regnete es wieder etwas häufiger. Kummer und Leid aber waren nicht von dieser Erde verschwunden. Und würden auch nie verschwinden. Der Menschheit fehlte einfach Gemeinschaftssinn, Weisheit und Verstand, um vernünftig und verantwortungsvoll auf der Erde zu leben.

Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit, Egoismus, Konsumsucht, Habgier.

Diese den Erdbewohnern eigene Wesenszüge hatten so viel Elend ausgelöst. Der Mensch meinte schon immer, alles zu dürfen und alles zu können. Und so lange er mangels Glauben zu wenig Respekt vor Gott und seiner Schöpfung hatte, würde sich nichts ändern.

Jetzt, viele Jahrzehnte später, war die Erde eine ganz andere. Wo früher Schnee lag, wuchsen Palmen und Zitronen.

Schnee? Schnee hatte man nie mehr zu Gesicht bekommen. Man wusste nicht mehr, was das genau war.

«Und so, Noah, raubten die Menschen uns den Schnee. Es gibt ihn nicht mehr.»

Der Opa seufzte und strich seinem Enkel tröstend übers Haar. Er würde ihm einen Schneemann basteln.

Jedes Jahr an Weihnachten aber kramten die Menschen in der kollektiven Erinnerung. Wie die Generationen vor ihnen die Geschichte der Sintflut in jeder Kultur auf ihre eigene Art bewahrt hatten, so hatte die Generation nach dem Schnee ihre eigene Erinnerung. Dann erzählten die Eltern und Grosseltern den Nachkommen davon, wie ihre Vorfahren im Winter gelebt hatten.

Mit Hingabe beschrieb nun auch der Grossvater dem kleinen Noah, wie es damals gewesen war, als es an Weihnachten noch eisig kalt war. Er beschrieb die Zeit, als die Kinder noch Schneemänner bauen konnten und Schneeballschlachten veranstalteten.

Er versuchte zu schildern, wie es sich angefühlt haben musste, wenn man mit jedem Schritt im weichen Schnee versank.

Wie das war, als man noch mit dem Snowboard einen Berg herunter sausen konnte.

Er sprach davon, dass es Jahrzehnte gegeben hatte, in denen es den meisten Menschen in vielen Ländern wunderbar gut ergangen war. Er redete von dem vergangenen Paradies mit roten Wangen und glänzenden Augen. In der Hoffnung, dass die nächste Generation es besser machen würde. Denn die Hoffnung, die blieb. Sie schmolz noch nie wie Schnee hinweg.

War denn Hoffnung nicht das, das den Menschen schon immer am Leben erhalten hatte?

So gab der Opa weiter, was niemals vergessen gehen sollte:

Wie das damals war, als es noch wirklich WEISSE Weihnachten gab.

 

Copyright by Marianne Helena Plüss 2018

 

Der Weihnachtsschal

Feiertage – Zeit für sich – die Beine hochlegen, eine Kerze anzünden und wieder einmal eine Weihnachtsgeschichte lesen.

Weihnachten – das Fest der Liebe, der Freundschaft. Glücklich, wer Menschen hat, mit denen er jetzt zusammen sein darf. Geborgenheit, Wärme und Frieden sollen jetzt unsere Häuser füllen.

Erwartungen und Sehnsüchte sind vorhanden. Ob sie auch alle erfüllt werden?

Trübsinnig stapfte Lara durch den tiefen Schnee nach Hause. Vorbei an weihnächtlichem Lichterglanz, der viele Häuser und Eingänge schmückte, und so sanfte Helligkeit und Wärme ausstrahlte. Sie beachtete es nicht. Sie war mit dem Bus von der Arbeit gekommen. Es hatte viel zu viel geschneit, um mit dem Wagen ins Büro zu fahren. Es schien ihr zu riskant. Der Schnee, der über Nacht gefallen war, war um halb sieben Uhr noch gefroren gewesen und der Wind war ihr beim Öffnen der Tür eiskalt ins Gesicht gefahren. So hatte sie kurzerhand den Bus genommen.

Nun stand sie vor ihrem Häuschen und nestelte den Schlüssel hervor. Sie seufzte. Kein Licht brannte. Lara wohnte alleine. Ihre Eltern waren beide bereits tot und hatten ihr und ihrem Bruder das kleine Haus hinterlassen. Ihr Bruder war verheiratet und wohnte mit seiner Frau und den drei Kindern in einem grösseren Haus am andern Ende der Kleinstadt. Dieses hier hatte sich für ihn als zu klein erwiesen. So hatte es Lara übernommen.

Endlich hatte sie den Schlüssel mit ihren klammen Finger hervor geklaubt und öffnete die Türe. Müde hängte sie ihn ans Brett. Sie zog die Schuhe und den dicken Mantel aus, versorgte Mütze und Handschuhe. Dann guckte sie in den Briefkasten, sortierte alles kurz und lief anschliessend in die Küche. Sie hatte keinen Hunger. Das war immer so, wenn Lara Kummer hatte.

Sie machte sich eine Tasse englischen Tees und trottete ins Wohnzimmer.

Sie stellte sie auf das hübsche, elegante Tischchen mit den schlanken, geschwungenen Beinen, dass sie noch von den Eltern hatte und schloss die Fensterläden. Dann legte sie eine CD ein und machte Feuer im Kamin. Als es brannte und sie die Wärme spürte, igelte sie sich auf dem Sofa in ihr kariertes Kaschmirplaid ein, das sie vom letzten Urlaub aus Schottland mitgebracht hatte. Sie mochte Schottland und hatte schon oft den Urlaub dort verbracht. Deshalb hatte sie auch ihre Wohnung so eingerichtet, dass sich jeder Gast gleich wie in den Highlands fühlte.

Sie schloss die Augen. Sie sah die gleichen Bilder wieder an sich vorbei ziehen.

Sie schalt sich selbst eine Idiotin. Mit dem Resultat, dass ihr danach die Tränen über die Wangen liefen.

Lara war zweiunddreissig Jahre alt, gross, blond, mit einem schmalen und hübschen Gesicht. Sie hatte ein Anwaltspatent und arbeitete in einer Kanzlei in der Stadt. Ihre Arbeit gefiel ihr, das Team war toll. Sie verdiente gut. Lara hatte ein freundliches Wesen, war umgänglich und es gab wenig an ihr auszusetzen. Ausser – und das verstand keiner, dass sie alleine lebte und anscheinend glücklich war.

Wenn es diesbezüglich Fragen gab, dann wich sie stets aus. Ausser ihrem Bruder und ihren beiden Freundinnen und wenigen Verwandten wusste kaum keiner, dass sie einmal verlobt gewesen war. Damals, als sie nach dem Unfalltod der Eltern ein Austauschjahr in Australien gemacht hatte. Sie hatte Phil an der Universität in Sydney kennengelernt. Seine Mutter war Schweizerin, sein Vater Deutscher, und sie hatten sich prima verstanden und sich nach einem halben Jahr verlobt. Sie beschlossen, nach Australien in der Heimat das Studium zu beenden und dann gemeinsam eine Anwaltskanzlei zu übernehmen. Phils Onkel war Anwalt, und war darüber begeistert, dass sein Neffe eine Berufskollegin heiraten wollte. Er schlug Phil also per Mail vor, später seine Kanzlei zu übernehmen. Das klang gut. Aber dazu sollte es nicht kommen. Zwei Monate nach der Verlobung starb Phil. Auf dem Weg zur Uni hatte er einen Verkehrsunfall. Ein unachtsamer Autofahrer, der gerade mit dem mobilen Telefon etwas nestelte, geriet auf die falsche Fahrbahn und prallte in den Wagen, in dem Phil mit einem Kollegen sass. Während der Unfallverursacher kaum Verletzungen hatte, kam für Laras Verlobten jede Hilfe zu spät. Phil war auf der Stelle tot. Sein Bekannter war eingeklemmt und beide mussten von Spezialisten mit Blechscheren aus dem Wrack befreit werden.

Lara war tagelang wie gelähmt. Sie war zu nichts fähig und sie wähnte sich in einem üblen Film.

Zuerst der tödliche Kletterunfall der Eltern in den Bergen. Und nun das. Es war zu viel für Lara.

Phils Eltern kamen nach Sydney um alles zu regeln und den Leichnam nach Europa zu überführen. Sie nahmen Lara mit heim. Es dauerte Wochen, bis sie endlich weinen und Monate, bis sie darüber wenigstens mit ihrem Bruder reden konnte. Sie schloss dann ihr Studium in einer andern Stadt ab als vorgesehen, und arbeitete anschliessend zwei Jahre dort. Erst danach war sie in der Lage, wieder in ihre engere Heimat zu ziehen. Phils Onkel, der inzwischen in Rente war und sich ab und zu nach ihr erkundigte, hatte ihr den jetzigen Job vermittelt. Er bedauerte es, aber konnte verstehen, dass Lara seine Kanzlei nicht ohne Phil übernehmen konnte und sie wieder in die Nähe ihres Bruders ziehen wollte. Sie hatte ja sonst kaum Verwandte.

Noch immer bewahrte Lara den Verlobungsring von Phil in einem kleinen Schächtelchen auf.

Ab und zu nahm sie ihn noch hervor und schaute ihn an. Aber es tat nicht mehr weh. Es hatte Jahre gedauert, aber sie war darüber hinweg.

Und nun das. Sie war unglücklich. Vor einigen Wochen hatte sie einen neuen Kollegen bekommen. Sie hatte den Herrn Seefeldt am ersten Tag freundlich begrüsst und nicht weiter beachtet. Bis sie zusammen an ein Seminar fahren mussten. Erst da nahm sie ihn richtig zur Kenntnis. Zuerst fiel ihr seine Stimme auf. Sie war sehr angenehm, weich, und vertrauenserweckend. Sie hatte sofort den Eindruck, dass sie diese Stimme weit wegtragen wollte, wie auf Wellen und sie schalt sich ob diesen seltsamen Empfindungen eine dumme Liesel. Dann merkte sie, dass er sehr höflich und aufmerksam war. Er bat sie, auf dem Beifahrersitz sitzen zu bleiben, damit er Zeit hatte, um den Wagen zu gehen und ihr die Türe aufzumachen. Denn es wehte ein heftiger Wind und sie hätte die schwere Wagentüre kaum aufstemmen können, zumal sie elegante Schuhe trug. Er rückte ihr den Stuhl beim Essen zurecht. Er konnte gut zuhören, aber auch nett erzählen und war auch sonst fürsorglich und zuvorkommend. Und das alles auf eine sehr lockere, natürliche Art, die weder affektiert noch falsch wirkte. Ausserdem sah er gut aus und alles an ihm hatte Stil. Wenn er Fragen stellte, dann merkte man ehrliches Interesse. Gleichzeitig war er zurückhaltend und diskret.

Das gefiel Lara und sie fand ihn nach diesen zwei Tagen umwerfend. Sie liess sich aber nichts anmerken. Sie war von jeher ebenfalls etwas zurückhaltend und auch bei Phil war sie zuerst sehr vorsichtig gewesen. Also ging sie dem Mann so oft es ging aus dem Weg, merkte aber, dass sie häufig an ihn dachte und innerlich zusammenzuckte, wenn sie seine Stimme hörte. Irgendwann war ihr klar, dass sie auf dem besten Weg war, sich zu verlieben.

Sie wusste nicht ob sie bereit war, diese Emotion zuzulassen und sich dem auszusetzen. Wenn sie dann aber abends in ihre einsame Wohnung kam, fühlte sie sich sehr allein und irgendwie von allen vergessen. Bald war Weihnachten und sie würde wieder ihrem Bruder auf der Pelle hocken, denn sie mochte dann nicht bei den Freundinnen sein. Die mit den eigenen Familien schon genug um die Ohren hatten.

Heute gegen Mittag dann hatte sie deshalb grübelnd am Schreibtisch gesessen. Sie fühlte sich nicht gut. Es gab Dinge, die ihr Mühe machten, und dazu gehörte seit dem Tod ihrer Eltern Weihnachten, ach, überhaupt alles, was irgendwie mit Gefühlen zu tun hatte. Während sie gedankenverloren eine Akte durchblätterte, hörte sie einen Wagen vors Gebäude fahren. Durch das bis zum Boden gehende Fenster sah sie nach draussen. Sie erblickte einen grauen, eleganten Wagen, der nach einem schwungvollen Bogen vor dem Eingang zum Stehen kam. Die Fahrertüre ging auf und eine wunderschöne Frau, die dunkles langes Haar und ein schickes Winterkostüm trug, stieg aus. Lara hatte sie noch nie gesehen. Ihr Bürokollege guckte ebenfalls auf und sagte: „Oh, das ist die Frau Seefeldt. Die holt ihren Mann ab.“ Er hob den Hörer ab und sie hörte ihn sagen: „Herr Seefeldt, Ihre Frau ist da und erwartet Sie!“

Lara sass wie vom Donner gerührt da.

Der Kollege deutete das falsch und sagte: „Sie sieht toll aus, nicht? Der Mann ist zu beneiden, finden Sie nicht auch? Frau Seefeldt war ein bekanntes Model!“

Mechanisch nickte sie. Den restlichen Tag verbrachte sie wie in Trance. Wieso hatte sie das nicht gemerkt, wieso hatte ihr keiner gesagt, dass er verheiratet war? Weshalb hatte er mit keinem Wort am Seminar erzählt dass er eine Frau hatte? Und –wieso trug er keinen Ehering?

Sicher, sie hatten sich am Seminar angeregt unterhalten, aber beide Privates ausgeklammert. Sie hatten über den Job gesprochen, ein paar Fälle, und dann eigentlich in der kurzen Zeit beim Essen und während der Fahrt nur noch übers Wetter und die schöne Aussicht geredet. Sie hatten beide festgestellt, dass sie gerne lasen und Musik mochten. Sie wusste dennoch praktisch nichts über ihn, und er nichts über sie.

Lara verstand das nicht. Er war also verheiratet.

Entweder hatte sie nicht aufgepasst und war zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen, oder aber er gehörte zu diesen Männern, die sich dauernd als Jäger bestätigten mussten, sich einer Frau von der besten Seite zeigten und nachdem sie diese erlegt hatten, achtlos und verwundet liegen liessen. Aber mit so einer Frau an seiner Seite hatte er es doch gar nicht nötig zu jagen?

Lara sass da, mit Katzenjammer, schalt sich ein dummes Mädchen und heulte ihn ihre Schottenkarodecke. Heftige Schluchzer schüttelten sie. Die Welt war doch zu doof. Der Mann den sie geliebt hatte, war tot, und den, von dem sie dachte, dass sie ihn vielleicht lieben könnte, der war verheiratet.

Plötzlich klingelte es schrill mitten in ihre Schluchzer hinein. Sie zuckte zusammen. Schnell versuchte sie ihre Tränen zu trocknen und dann ging sie an die Tür. Ihre Nachbarin stand draussen.

„Ah Lara, gut dass ich Sie treffe, alles okay bei Ihnen?“ Sie musterte Lara. Sie sah die Tränenspuren auf Laras Gesicht und fragte: „Ich wollte kurz nach Ihnen sehen, man sieht Sie ja kaum. Was ist denn passiert? Ist was?“

Lara verneinte und bat sie herein. Aber die Frau liess nicht locker. Sorge sprach aus ihrem Gesicht. Also sagte Lara gequält lächelnd: „Ach, Frau Heer, Winterblues, Lichtmangel, Dunkelheit, Weihnachten!“ Sie kam nicht weiter, denn sogleich flossen die Tränen wieder.

„Kindchen, kommen Sie, setzen Sie sich, und nun erzählen Sie mir mal, was los ist!“

So kam es, dass Lara das erste Mal nach Jahren jemandem ihren Kummer erzählte, wie sehr der Tod ihrer Eltern sie damals mitgenommen hatte, so ganz am Anfang ihres Studiums, und wie furchtbar das mit Phil gewesen war. Und dass Herr Seefeldt ihr so gefallen hatte und dass der Blödmann keinen Ehering trug.

„Ach, Sie Ärmste, das ist ja furchtbar. Und dafür, dass der Arbeitskollege keinen Ring trägt, dafür kann es viele Gründe geben. Und es ist richtig, dass es nicht unbedingt üblich ist. Aber es kann einen plausiblen Grund geben, der uns aber jetzt egal sein kann. – Sie haben nie von Phil erzählt! Weshalb denn bloss?“ Frau Heer war verwundert.

„Ich konnte nicht, es war einfach zu viel. Zuerst die Eltern, dann Phil. Dann heiratete mein Bruder. Es war seine Art, damit umzugehen. Er wollte wieder eine Familie haben. Aber – ich konnte nicht reden, und als ich es endlich konnte, kam es mir komisch vor, jetzt noch damit anzufangen. Und mein Bruder erzählte auch kaum was. Er wollte alles vergessen, abhaken. Meine Freundinnen wissen es, und ich fand, dass das reicht. Sie wussten dass ich nicht wollte, dass man das erzählt. Ich wollte kein Mitleid. Und Phil war ja nicht von hier, so wusste es hier eh keiner.“

Frau Heer nickte. Das konnte sie gut nachvollziehen. Aber so ging es nicht weiter: „Kindchen, Sie sind zu oft alleine. Sie vereinsamen mir. Was tun Sie denn überhaupt an Weihnachten? Gehen Sie wieder zu Ihrem Bruder?“

Lara schüttelte den Kopf. „Nein. Seine Frau muss sich jetzt auch noch um ihre Eltern kümmern, die sind gebrechlich geworden, und dann die drei Kinder, es wird ihr zu viel. Ich habe ihm also gesagt, dass ich dieses Jahr wahrscheinlich bei Freunden sein werde.“
„Wahrscheinlich? Und Ihre Freunde? Wissen sie schon von ihrem Glück?“
Verlegen lachte Lara. „Nein, als die nachfragten, sagte ich ihnen, dass ich wahrscheinlich beim Bruder sein werde.“ Beschämt senkte Lara den Kopf.

Frau Heer runzelte die Stirn.
„Also dann wird jeder denken, dass Lara Heller versorgt ist und in Wirklichkeit hocken Sie hier und heulen! So geht das aber nicht!“

„Na ja, ich kann ein paar Tage weg gehen, in ein Wellness-Hotel oder so. Ins Tirol, an die Nordsee. In die Berge. Ans Rote Meer. In die Wüste. An den Nordpol. Ich komme schon zurecht!“

„Jetzt hören Sie aber auf, Lara! Als ich hierherzog, waren Sie schon erwachsen, und ich habe Ihre Eltern noch kennen gelernt. Die würden nicht wollen, dass Sie sich so zurückziehen! Bestimmt nicht. Sie kommen zu mir! Ich habe das Haus voll, ich kriege ziemlichen Verwandtenbesuch, meine Freundin kommt auch noch, dann der Fritz, dann die Frau Neumann von nebenan, die Sie auch kennen. Wenn Sie auch noch dabei sind, kann ich alle zwölf Gedecke vollzählig brauchen und das wird mir viel Freude machen. Die perfekte Weihnachtstafel! Abgemacht?“

Ohne eine Antwort abzuwarten, stand Frau Heer ächzend vom niederen Sofa auf.

Sie hatte sich zu Lara hingesetzt und ihre Hand gehalten. „Und nun ruhen Sie sich aus, nehmen ein warmes Bad und dann gehen Sie zu Bett! Am Heilig Abend erwarte ich Sie um sieben Uhr bei mir. Pünktlich. Und mitbringen sollen Sie gute Laune und ein kleines Päckchen. Alle bringen eins mit. Die werfen wir dann in einen Sack und jeder kriegt wieder eins. Es soll nicht mehr als dreissig Euro kosten und für Männlein und Weiblein taugen. Einverstanden?“

Lara nickte schwach. Die Bemutterung tat ihr gut und trotz der Wehmut, die deswegen gleich wieder in ihr aufsteigen wollte, lächelte sie.
„Ach, Sie sind nett, Frau Heer, vielen Dank! Ich werde kommen. Ich freue mich!“
Frau Heer nickte ihr nochmals aufmunternd zu und dann ging sie.

Während Lara Wasser in die Wanne laufen liess, überlegte sie, wen sie von Frau Heers Verwandten kannte. Da war ihr Bruder, ein Witwer. Das musste der Fritz sein. Und dann die Kusine mit ihrem Mann und zwei Kindern. Der Schwager, der Ehemann der verstorbenen Schwester von Frau Heer. Dann die Elfriede, Frau Heers Freundin. Diese hatte Lara schon an Geburtstagen getroffen. Elfriede Berger war eine fröhliche Frau und immer schrill gekleidet. So dass Frau Heer manchmal zu Lara sagte: „Heute kommt mein Papagei zu Besuch!“

Aber damit hatte es sich schon und so würde sie sich überraschen lassen.

Die letzten Tage vor Weihnachten gingen vorbei. Lara ging Herrn Seefeldt aus dem Weg, so gut es ging. Es dauerte nicht lange, so hatten sich ihre Gefühle wieder normalisiert. Das empfand sie als wohltuend. Das Päckchen lag auch bereit. Am Morgen von Heilig Abend stand Lara spät auf. Sie frühstückte ausgiebig und ging zum Friseur. Auf dem Nachhauseweg fing es wieder tüchtig zu schneien und der Lärm der Stadt schien weniger zu werden. Wunderbar. Lara fühlte richtige Weihnachtsstimmung aufkommen. Als es Zeit war, zog sie ihr kleines Schwarzes über und fühlte sich nun rundum gut. Erwartungsvoll klingelte sie mit dem Päckchen in der Hand an Frau Heers Türe. Sie hörte fröhliche Stimmen und Gelächter. Die Türe ging mit Schwung auf und sie hörte Frau Heer rufen: „Das muss Lara sein, mach ihr auf Fritz!“

Fritz? Lara stand da, den Mund offen. Fritz?

Sie traute ihren Augen nicht. Das war nicht der Bruder. Vor ihr stand ein grossgewachsener, unglaublich gut aussehender Mann mit dunklem Haar und einem warmen Blick. Er trug einen Kilt und machte eine einladende Handbewegung. Und weil sie wie eine Salzsäule da stand, musterte er sie unverhohlen von oben bis unten. Dann lächelte er schelmisch.

„Gnädigste, wie lange wollen Sie denn in der Kälte stehen bleiben und mich so unanständig anstarren? Haben Sie noch nie einen Schotten im Kilt gesehen?“

Lara musste lachen und trat ein.
„Doch, schon“, erwiderte sie, während er ihr aus dem Mantel half, „aber keinen der Fritz heisst und akzentfrei meine Muttersprache spricht!“ Sie war von seinem unerwarteten Anblick völlig überrumpelt worden.

„Keine Regel ohne Ausnahme! Ich kann das klären. Meine Mutter ist die Schwester von Frau Heer und hat einen Schotten geheiratet. Mein Name ist Frederick McKinnon, ich bin aber nicht verwandt mit dem berühmten Hacker Gary McKinnon!“ Dann fügte er bekümmert mit einem Seitenblick auf Frau Heer hinzu:
“Und Frau Heer, also Tante Bertha, sie nennt mich Fritz, weil sie Frederick zu nobel findet. Und ihr seliger Mann war noch schlimmer, der nannte mich Frick. Klang fast wie „Freak“. Ich lebe in Edinburgh und hatte vor Weihnachten geschäftlich hier zu tun. Ich bin Informatiker. Also beschloss ich, wenn ich schon auf dem Kontinent bin, dieses Jahr mal mit Tante Bertha zu feiern. – Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen?“

„Aber wie könnte ich!“ protestierte Lara und lachte.

Dann steckte er ihr die Hand entgegen und blickte sie freundlich an. Dann sagte er: “Nennen Sie mich Frederick. Ich werde Sie auch beim Vornamen nennen. Das macht es familiärer, ja?“

Lara nickte, und schmunzelte über seine Ausführungen. Er nahm ihren Arm und führte sie reihum um sie den übrigen Leuten vorzustellen. Ausser den Menschen, die Lara schon kannte, war noch ein kinderloses Paar anwesend, das laut Frau Heer neu in der Nachbarschaft war. Frederick hatte Lara kurzerhand bei der Hand genommen. Sein Griff fühlte sich sehr angenehm an, gut, fest und sie mochte den Mann auf Anhieb. Bald fühlte sie sich heimisch unter all den Menschen und der Abend nahm seinen Verlauf. Immer wieder kreuzten sich Laras Blicke mit denen von Fritz, und sie lächelten sich zu. Sie beobachtete ihn und fand, dass er tolle Umgangsformen hatte. Er unterhielt sich mit allen nett und überging keinen. Er bat die Gäste zu Tisch, rückte den Damen den Stuhl zurecht und ging der Tante zur Hand. Er schenkte den Wein ein und guckte, dass jeder gut versorgt war.

Er war der perfekte Gastgeber.

Frau Heer genoss es, dass er die Rolle des Herrn im Haus übernommen hatte. Während Lara ihn stumm und unauffällig musterte, spürte sie ein leises Kribbeln, das sich in ihrer Herzgegend breit machte. Sie fühlte eine leichte Röte im Gesicht. Das war bestimmt von den vielen Kerzen, vom Wein, und vom Singen der Weihnachtslieder, welche die schrille Elfriede inbrünstig und mit Hingabe auf dem Klavier begleitete. Dazu sang sie aus vollem Herzen, mit baumelnden riesigen Ohrringen und knallroten Lippen. Ihr „O du fröhliche“ klang wie die zitternde Altstimme einer leicht angeheiterten, überaus glücklichen Operdiva. Herrlich, wie sie sang.

Ihr grosser Busen wog dazu auf und ab. Sehr zum Entzücken von Frau Heers Bruder.

Was ihm einen tadelnden Blick von ihr eintrug. Er fühlte sich ertappt, fing an zu husten, und gab vor, sich an einer Erdnuss verschluckt zu haben.

Frau Heer bat Fritz, die Weihnachtsgeschichte vorzulesen und er tat das mit viel Innigkeit und Ernst. Sie lauschte seiner wohlklingenden Stimme, die bei bestimmten Silben einen winzigen Akzent hatte. Sie fühlte sich in ihre Kindheit zurückversetzt, wie damals, als ihr Vater jedes Jahr vor dem Kamin sass und die Geschichte von Weihnachten aus dem Lukas-Evangelium vorlas.

Tränen tragen in ihre Augen und rasch wischte sie diese weg. In der Hoffnung, dass sie keiner gesehen hatte.

Frederick legte die Bibel sorgsam zur Seite. Er hatte ihre Handbewegung dennoch gesehen und schaute sie besorgt und fragend an. Lara gab ihm mit einer unmerklichen Kopfbewegung zu verstehen, dass alles in Ordnung war. Er schien erleichtert.

Frau Heer stand auf und holte den grossen, braunen Jutesack, der gefüllt und schwer unter dem Weihnachtsbaum lag. Sie hatte vor dem Beginn der Feier alle aufgefordert, ihre Päckchen hinein zu tun, und nun durfte jeder wieder eins raus holen. Frau Neumann war als erste dran und erwischte ein flaches Päckchen. Alle schauten zu wie sie es aufmachte. Eine CD kam zum Vorschein. Mit klassischer Musik. Ein Volltreffer. Frau Neumann ging oft in Konzerte. Sie war gerührt. Der Bruder von Frau Heer packte ein schickes Duschradio aus. Als Frederick sein Päckchen herausfischte, war es das von Lara. Sie war platt und peinlich berührt. Denn als er es aufmachte, hatte er nicht nur eine Packung feinsten englischen Tee, Earl Grey Classic von Twinings in der Hand, sondern auch eine CD. Darauf stand: „Reel Time Ceilidh Band“. Zeitgenössische schottische Musik mit traditionellem Hintergrund, die Lara so liebte. Musik, die auch an Hochzeiten zum Reel, dem schottischen Nationaltanz gespielt wurde und in der so viel energiegeladene Lebensfreude mitschwang. Sie hatte das so aus einer Laune heraus eingepackt, denn sie fand, diese keltischen Klänge, die müsse man einfach mögen.

Frederick sass da und guckte. Er wandte sich verdutzt an die Tante. „Das gibt es doch nicht, Tante, du hast also Lara gesagt, dass ein Schotte anwesend sein wird?“

„Nein mein Junge, ich glaube nicht. Reiner Zufall. Lara war aber schon öfters in Schottland. Deswegen.“

„Ach ja?“ Er guckte sie an. „Sie mögen also Schottland? – Das ist ja super! Sie gefallen mir immer besser!“

Lara nickte und alle lachten. Dann zogen zwei weitere Leute ihre Päckchen raus. Die Kinder erwischten beide ein Brettspiel. Der verwitwete Schwager erhielt einen Fotoband mit tollen Aufnahmen aus den Alpen und die Freundin von Frau Heer eine wunderschöne Dose mit allerlei Süssigkeiten und einer kostbaren Teemischung, die nach Zimt duftete. Dann war Lara an der Reihe. Das Päckchen war weich, und sie vermutete leicht enttäuscht Wollsocken, Handschuhe, oder eine kindische Pudelmütze. Aber sie hatte nur leicht daneben getippt. Als sie das bunte Weihnachtspapier entfernt hatte, stiess sie einen entzückten Schrei aus. In der Hand hielt sie ein Kaschmir-Halstuch. Im typischen Schottenkaro, und auffallend rot-grün gemustert. Lara war begeistert. Sie mochte rot, das stand ihr gut, sie mochte Schottland und alles Schottische.

Sie drückte den Schal an sich und blickte in die Runde: „Toll! Wow! Wem habe ich das zu verdanken? – Er ist wunderschön!“

„Kindchen, überlegen Sie doch mal!“ Frau Heer guckte fast ein wenig strafend.
„Oh!“ Lara zuckte zusammen. Sie wandte sich an Frederick. Verlegen sagte sie: „Dann ist das von Ihnen? Vielen Dank. Der Schal ist wunderbar!“

„Es freut mich, dass er Ihnen gefällt“, sagte er und schaute sie lächelnd an. „Meine Mutter hatte die Idee, es ist eine Spezialanfertigung. Es ist eigentlich nicht üblich, dass Fremde den Tartan unserer Familie tragen. Ausserhalb Schottland, da dachte ich, weiss das aber kaum einer, und da machen wir mal eine Ausnahme.“ Dann wandte er sich an Lara. „Aber, das mit der Ausnahme, das kann man ja ändern.“ Lara verstand nicht, was er meinte. Aber es ging nicht nur ihr so. Wollte er denn auf dem Kontinent Kurse über die Bedeutung der schottischen Tartans anbieten? Wen interessierte das denn ausser Schottlandfans?

„Was kann man ändern Fritz? Den Tartan? Das geht doch nicht!“ Frau Heer guckte ihn fragend an. Er lächelte und nahm Lara am Arm. Dann sagte er zu Frau Heer: „Nein, den Tartan kann man nicht ändern, richtig. Aber den Zivilstand. Den kann man ändern.“

„Den Zivilstand? Fritz, ich verstehe überhaupt nichts mehr! Entweder hast du zu viel getrunken, oder aber ich!“

„Tante, nur Angehörige des Clans tragen den jeweiligen Tartan. Lara dürfte ihn also eigentlich streng genommen gar nicht tragen. Das kann man aber ändern.“

„Wie denn? Gibt es ein Ritual, um Fremde in den Clan aufzunehmen?“ Frau Heer wollte das nun genau wissen.
„Ja Tante, klar gibt es ein Ritual. Man heiratet sie halt einfach!“

„Wie bitte?“
„Ja, Tante Bertha. Ich habe soeben beschlossen, deine Nachbarin zu heiraten und mit nach Schottland zu nehmen!“

Alle standen sprachlos da, Laras Unterkiefer war ihr fast auf die Brust gekippt.

Ein Tumult brach los und in den allgemeinen Lärm hinein überhörten sie dass Frederick leise zu Lara sagte: “Lara, willst du meine Frau werden?“

Lara schaute ihn an und blickte in ein paar ehrliche, klare, dunkle Augen. Sie fühlte ein unglaublich heisses Gefühl in sich aufsteigen. Es raubte ihr den Atem und sie rang nach Luft. Sie liess sich einen Augenblick von dieser Woge tragen, horchte in sich hinein. Sie senkte leicht den Kopf, dann seufzte sie kurz auf und schaute hoch. Dann blickte sie ihn fest an.
„Ja!“ antwortete sie. Frederick hob sachte ihr Kinn hoch und küsste sie sanft.

Es war still um sie beide herum geworden.

Alle standen andächtig um das Paar rum und nur Elfriede jammerte leise: “Aber sie kennen sich ja kaum!“

Frau Heer winkte ab: „Wenn etwas auf so eine spezielle Art und dann noch an Heilig Abend passiert, dann kann das gar nicht anders als gut werden. Dann stimmt das.“

Frederick und Lara guckten auf und Lara wurde sehr verlegen als sie Gesichter um sich herum erblickte. Aber Frederick fasste sein Glas und rief:
„Frohe Weihnachten, euch allen, und möge Gott euch allen ein neues, gutes und glückliches Jahr schenken! Lasst uns feiern!“ Er erhob sein Glas, alle taten es ihm gleich und dann wandte er sich Lara zu.

„Gut, das hätten wir geregelt!“ lächelte er. Alle lachten und klatschten und Frau Heer liess sich atemlos in den nächsten Sessel plumpsen.

„Jetzt, jetzt – glaube ich, könnte ich einen Whisky vertragen. So was Verrücktes, das glaubt mir keiner. Kein Mensch! Kennen sich gerade mal drei Stunden und wollen schon heiraten. Sensationell! Das gibt es doch normalerweise nur im Film! – Aber ehrlich, Freunde, ihr Lieben, ich glaube, das war das schönste Weihnachtsfest dass ich je hatte. – Lara, Kindchen, komm, lass dich drücken!“

So fand Lara völlig unerwartet an einem Heilig Abend eine neue Familie.

Weil eine warmherzige Frau eine offene Tür für Menschen hatte, die an diesem Abend einsam waren.

In der Familie McKinnon wurde es nach der Heirat von Frederick und Lara von diesem Tag an zur Tradition, einsame Menschen aus dem Umfeld an Heilig Abend einzuladen und ihnen einen Schal mit dem Tartan der McKinnons zu schenken. Der Schal aber bekam den Namen „McKinnons Weihnachtsschal“. – „McKinnons Christmas scharf“.

Die Geschichte zum Ausdrucken:
Der Weihnachtsschal

Die Geschenke

Besonders an Weihnachten wünschen wir uns Zeichen der Liebe, der Zuneigung, der Freundschaft. Wir sehnen uns nach Zuwendung und Geborgenheit, nach Wärme und Frieden.

Unsere Erwartungen sind oft zu gross. Nicht immer werden sie erfüllt und dann ist die Enttäuschung gross.

Christoph sass frustriert mit der Familie vor dem Weihnachtsbaum. Alle hatten sie ein Geschenk erhalten. Er hatte seiner Frau das Parfum, das sie so gerne mochte, gekauft. Die Kinder hatten auch bekommen, was sie gerne haben wollten, Ina ein dickes Buch und eine Karte um auf iTunes etwas runter zu laden. Die Jungs jeder ein neues Game und Skibrillen für den anstehenden Skiurlaub. Und von den Grosseltern einen schönen Geldbetrag. Susanne, seine Frau, hatte von den Eltern zudem einen Gutschein für ein Wellness-Wochenende im Taunus erhalten und von den Kindern ein absolut tolles Notizbuch. Sie war selig. Und er? Was hatte er bekommen? Er fühlte sich absolut miserabel.

Christoph hatte den Schwiegereltern einen Kalender hergestellt, mit wunderbaren Bildern aus der Umgebung, die er selbst geknipst hatte. Er hatte sich sehr viel Arbeit damit gemacht und freute sich selbst an dem gelungenen Resultat. Sie hatten meistens einen billigen Werbe-Kalender in der Stube hängen, und so dachte er, würde es sehr nett sein, einmal einen wirklich schönen, persönlichen zu kriegen. Er freute sich richtig auf ihre erstaunten und zufriedenen Gesichter. Und auf ein Lob für die schöne Arbeit.

Dann war der Heilig Abend gekommen, den sie wie immer mit den Schwiegereltern verbrachten.

Und nun sass er da und war zutiefst verletzt.

Die Schwiegereltern hatten den Kalender ausgepackt, nur kurz drauf geguckt und dann meinte die Schwiegermutter: „Ach, einen Kalender? Ich habe schon einen bekommen, in der Apotheke, mit Gutscheinen drauf wo man kostenlos Gratismuster erhält. – Ah, und dann hat mir die Nachbarin noch einen geschenkt, mit Blumen. Vom Floristen. Der ist schön, der gefiel mir sehr!“

Dann legte sie seinen wertvollen Kalender achtlos beiseite. Christoph spürte einen heftigen Stich in der Brustgegend, und innerlich krampfte sich etwas in ihm zusammen. Er war tagelang durch die Gegend gepirscht, in freien Minuten hatte er nach Plätzen gesucht, die den Schwiegereltern etwas bedeuteten und sie richtig ins Bild gerückt. Danach hatte er ein paar Abende investiert, um die passenden Bilder auszuwählen und den Kalender zu gestalten. Ein Freund von ihm, der etwas von Fotografie verstand, hatte ihn gelobt, als er die Bilder sah. „Das wird sie freuen, sage ich dir! Total gut, wie du das hin gekriegt hast, sehr schön!“

Christoph sass da und spürte Wut hochkommen.

Von seiner Frau hatte er nichts erhalten, sie fand, er hätte ja eh alles, kaufe sich übers Jahr stets was er brauche und wenn sie etwas für ihn kaufe, würde er es sowieso umtauschen gehen. Er hätte aber so gerne auch ein nettes persönliches Geschenk gehabt. Weshalb versuchten sie und die Kinder denn nie, herauszufinden, was er gerne haben möchte, was ihm Freude machen würde? Man hatte doch ein Jahr Zeit dazu?

Von den Kindern bekam er ein paar selbst gemachte Gutscheine, die zwar nett gedacht waren, aber eher aus Mangel an Ideen entstanden waren. Husch, husch hingekritzelt, in letzter Minute. Weil man es verschlampt hatte und zu spät darüber nachgedacht hatte, was man dem Papa schenken könnte.

Christoph sass da, fühlte sich verraten, ungeliebt, missverstanden, ausgenutzt.

Ja, zahlen, alles bezahlen, dafür war er gut genug. Aber sich die Mühe zu nehmen, ihm auch ein nettes Geschenk, dass ihm etwas bedeutete, zu machen, das wollte anscheinend keiner. Er kochte innerlich und wäre am liebsten aus der Stube gerannt.

Wie alle Jahre überreichte ihm die Schwiegermutter ein paar handgestrickte Wollsocken, die er wie immer nicht tragen würde, weil sie kratzten.

Und weil sie hässlich waren und nicht zu seinen dunklen Anzügen passten. Er arbeitete bei einem grossen Versicherungskonzern und hellblaue Wollsocken mit roten, grünen oder dunkelblauen Streifen waren tabu.

Als er das Päckchen aufmachte und die grässlich gekringelten Socken vorfand, aber dieses Jahr aus unerfindlichen Gründen der bisher übliche Briefumschlag mit dem Geld fehlte, platzte Christoph der Kragen. Er gab das Päckchen der Schwiegermama zurück und sagte kühl: „Mutter, ich habe noch etwa zwanzig Paar ungetragene Wollsocken in meiner Schublade, ich brauche dieses Jahr keine Socken und auch nächstes und übernächstes Jahr nicht. Ich bin allergisch auf Wolle. Sie kratzt.“

Sie guckte ihn erbost und beleidigt an und seine Frau Susanne rief entrüstet: „Aber Christoph!“

„Warum hast du das denn nie gesagt, dass du meine Socken gar nie trägst?“ blaffte ihn die Schwiegermutter an. Die vier Kinder schauten mit grossen Augen von einem zum andern. Es war ihnen peinlich, wie sich der Vater benahm. Aber insgeheim fanden auch sie die Socken furchtbar und ergriffen innerlich Partei für ihn.

Christoph schaute die Mutter fest an, dann antwortete er:
„Weil ich es als junger und frisch getrauter Ehemann nicht mit dir verderben und dich nicht verletzen wollte. Aus Respekt der Mutter meiner Frau gegenüber. Ich dachte auch, du würdest irgendwann merken, dass ich deine Socken niemals getragen habe. Oder Susanne würde es dir mal sagen. Und es ist richtig, dass ich es dir besser gleich hätte sagen sollen, dann hätte es damals kurz Zoff gegeben, aber es wäre damit erledigt gewesen. Nun haben wir den Streit halt eben jetzt. Du magst meinen Kalender nicht. Der mich viel Arbeit und Zeit gekostet hat und den ich speziell mit Liebe für euch gemacht habe, und weil du lieber Werbekalender magst. Und ich mag deine Socken nicht, die du mit Fleiss für mich gestrickt hast. Somit ist ja alles bestens und wir wissen beide jetzt Bescheid und machen es nächstes Jahr besser. – Wir schenken uns nichts mehr!“

Stille. Der Schwiegervater hüstelte, und versuchte sich am engen Kragen samt der seidenen Krawatte etwas Luft zu verschaffen.

Dann sagte er in die unangenehme Situation hinein: „Ich muss Christoph beipflichten. Man hätte ihn eigentlich mal fragen sollen, ob er Wollsocken überhaupt mag! – Und, damit du es weißt, Gertrud“, wandte er sich etwas unsicher an seine Frau, „ich, äh – also ich – ich mag Wollsocken eigentlich auch nicht, und habe mich auch nicht getraut, dir das zu sagen. Weil ich dich auch nicht verletzen wollte!“ Er senkte beschämt den Kopf.

Ruckartig stand die Schwiegermutter auf, Zornesröte stieg ihr ins Gesicht.

Dann fing sie an zu toben: „Was seid ihr doch für ein undankbares Pack! Vierzig Jahre lang habe ich mir die Finger krumm gestrickt, und nun das!“ Sie ging zackig wie ein Offizier zur Tür hinaus und knallte sie zu. So heftig, dass das Geschirr im Schrank laut klirrte. Die Zurückgebliebenen zuckten wie unter einem Peitschenhieb zusammen und schauten sich stumm und sprachlos an.

Gerade als sich der Schwiegervater bei allen entschuldigen wollte, ging die Türe nochmals mit einem wilden Ruck auf. Der zornrote Kopf der Schwiegermutter erschien im Rahmen.

Laut, mit einem unterdrückten, tiefen Schluchzer schrie sie in den Raum hinein: „Und – damit ihr es wisst – ich h a s s e stricken!“

Nun standen sie alle da, mit offenem Mund.

Den Schwiegervater aber packte es als Erster. Zuerst versuchte er es noch zu unterdrücken, aber es ging nicht. Er prustete los und bald kugelten sich alle vor Lachen. Nein, sie lachten und sie weinten durcheinander. Dann ging der Schwiegervater zur Tür. Er gebot allen, nun ruhig zu sein, da die Mutter das Gelächter falsch auffassen könnte. „Ich regle das mit ihr – ich trage eigentlich die Schuld dran. Wartet bitte hier.“

Es dauerte eine ganze Weile, bis die beiden wieder erschienen, die Mutter mit geröteten Augen. Sie setzten sich hin und dann begann der Vater zu sprechen.

„Wir haben das geklärt. Es ist meine Schuld“, sagte er, „dass es so gekommen ist. Als wir jung waren, war das Stricken für Frauen und Mädchen einfach Pflicht. Es gab ja nur diese Wollsocken. Als ich dann meine Frau kennenlernte, und wir die erste Weihnachtsfeier als Verlobte mit den zukünftigen Schwiegereltern feierten, überreichte mir Gertrud als erstes Geschenk ein Paar Wollsocken. Ich hatte sie nie gerne getragen, sie kratzten, und so lief ich, sobald es warm genug war, immer ohne Socken rum. Als dann die ersten dünneren modernen Dinger auf den Markt kamen, trug ich solche jeweils unter den Wollsocken. Und wenn Gertrud es nicht bemerkte, liess ich die wolligen Dinger ganz weg.

Ich war damals sehr verliebt. Ich wollte dieses tolle Mädchen nicht verletzen und dankte ihr etwas übertrieben für dieses Geschenk. Sie war über meine Reaktion leicht bestürzt und so doppelte ich noch etwas nach und erklärte nochmals, wie sehr ich mich darüber freue. Was ich aber bis heute nicht wusste – Gertruds Mutter hatte ihr gesagt, sie müsse ihrem Bräutigam unbedingt ein Paar Socken stricken, damit er sehe, dass er eine fähige, fleissige Frau kriegen werde. Obwohl sie wusste, wie sehr Gertrud stricken hasste. Und Gertrud war über meine Begeisterung entsetzt, sie hatte insgeheim irgendwie gehofft, dass ich die Socken nicht wirklich mochte. Aber – es gab ja für uns arme Leute noch keine Alternative, und das wusste sie auch. Gertrud also fügte sich den Konventionen. Und strickte schicksalsergeben fleissig jedes Jahr mehrere Paar Socken für mich zu Weihnachten. Denn ich hatte mich ja so wahnsinnig darüber gefreut. So seufzten wir vierzig Jahre lang heimlich – Gertrud, weil sie vermeintlich stricken musste, und ich, weil ich die Socken dann tragen sollte. Sie strickte aus Liebe, und nicht, weil sie es mochte, und ich trug sie aus Liebe, und nicht, weil ich sie gerne trug. Wir hätten miteinander reden sollen und ehrlich zueinander sein. Dann wäre Christoph gegenüber nicht wieder der gleiche Fehler passiert. Einfach so anzunehmen, dass er auch Wollsocken mag.“

Der Schwiegervater wandte sich an Christoph. „Tut mir leid, mein Junge. Wir vertragen uns wieder, gell? Aber sag – was hättest du denn gerne zu Weihnachten gehabt?“

Christoph erwiderte vorsichtig: „Darf ich das sagen?“
„Aber ja, mach schon!“ lachte der Schwiegervater.
„Dann“, stammelte Christoph, „dann hätte ich eigentlich sehr gerne, dass ihr übers Jahr versucht raus zu finden was mir Freude machen könnte und was mir gefallen würde. Ich lese und bastle oft, ich fahre Ski, ich gehe im Gebirge klettern. Ich mag Musik. Ich fotografiere und werkle im Garten – und wenn ihr trotzdem nichts findet dann fragt. Ich kann euch – sagen wir – dann drei Dinge nennen und davon wählt ihr etwas aus. Es macht nämlich auch nicht sehr viel Spass, wenn man im Voraus weiss was man kriegt!“

„Und was hättest du denn dieses Jahr gerne gehabt? Komm, sag schon, wir haben was gut zu machen. Du kriegst das noch, abgemacht?“
„Okay, das lasse ich gelten. Dann hätte ich sehr gerne dieses neue fantastische Fotobuch über die Schweizer Alpen gehabt – für einen Kletterer ein Muss!“

„Prima, das regeln wir!“ Der Vater war zufrieden.

Dann wandte sich Christoph an die Schwiegermutter: „Findest du denn den Kalender wirklich so mies? Guck ihn dir doch mal richtig an!“

Beschämt packte die Mutter den Kalender, setzte sich zum Vater.

Das erste Bild nach dem Deckblatt mit der neuen Jahreszahl kam zum Vorschein. Ein entzückter Ausruf. „Das ist ja im Park bei dem Wasserspiel wo du mir den Heiratsantrag gemacht hast!“ Die Schwiegermutter lächelte glücklich.
„Ja, und hier, in diesem alten, romantischen Kirchlein haben wir geheiratet!“
„Ah und da lebten wir die ersten Jahre!“
„Und hier gingen alle unsere Kinder zur Schule!“
„Och, und da ist das Haus!“
„Und sieh, er hat den Garten fotografiert, wie wunderbar. Guck, die Rosen!“
Sie waren begeistert, bis zum Dezember und fielen Christoph um den Hals.

„Junge“, sagte der Schwiegervater, „das hast du toll hingekriegt. Und fast hätten wir es vermasselt! Entschuldige nochmals! Wir werden das ganze Jahr über Freude an den tollen Fotos haben! Garantiert!“

Susanne trat zu Christoph hin und schmiegte sich in seinen Arm. Sie gab ihm einen Kuss und sagte: „Schatz, nachdem das mit den Eltern nun geregelt ist, glaube ich, sollten wir auch reden, nicht wahr? Du musst arg enttäuscht sein, es tut mir Leid, mein Lieber!“

Sein Zorn war verflogen. Er drückte sie und sagte: „Ja, nächstes Jahr machen wir es besser. Denn – ich bin nicht wirklich geschaffen für Weihnachten. Ich bin viel zu harmoniebedürftig und an Weihnachten sind die gegenseitigen Erwartungen einfach oft zu gross. Ich fühlte mich ausgenutzt und zu kurz gekommen.“

„Ich bedauere es“, sagte Susanne, „und du hast Recht, nie ist es leichter als an Weihnachten, die, die man liebt, zu enttäuschen…“

Er nickte und die übrigen ebenso.

Sie setzten sich also nochmals einmütig zusammen um den Baum um noch einmal ein paar Lieder zu singen.

Die Schwiegereltern schauten sich glücklich an, hielten sich an den Händen, die Kinder strahlten und Christoph hielt seine Susanne im Arm. Der Frieden war wieder hergestellt. Und jeder spürte – dass jetzt richtiger wirklicher Weihnachtsfrieden eingekehrt war.

Der letzte Ton des letzten Liedes war verklungen, friedlich sassen sie einträchtig im warmen Raum. Da erklang plötzlich ein furchtbarer, aber glücklicher Schrei, der alle zusammenfahren liess:

„Hurra! – Nie mehr stricken! – Hurra!“

Die Geschichte zum Ausdrucken:
Die Geschenke

Weitere Weihnachtsgeschichten:

https://www.il-verlag.com/autoren/plüss-marianne-helena/der-weihnachtswunsch/

Tommys Geschenk

Das Geschenk

Es war ganz einfach furchtbar.

Es war Heilig Abend und Tommy hatte immer noch kein Geschenk für Mama und Papa. Ihm war einfach nichts eingefallen. Er konnte nicht gut basteln und zeichnen, das war nicht sein Ding. Und sein Taschengeld hatte er schon ausgegeben. Was davon übrig war, war so mickrig, das reichte vielleicht noch für einen Kaugummi.

Tommy hatte für seine kleine Schwester ein Bilderbuch gekauft, für Oma und Opa eine Kerze und für seinen Paten ein Glas Honig. Die Mama hatte ihm beim Einpacken geholfen. Als sie damit fertig waren, fiel ihm ein, dass er kein Geschenk für die Eltern hatte.

Ihm wurde ganz komisch. Was sollte er bloss tun?

Er dachte nach. Ob es etwas gab, das er verkaufen könnte? Seinen Scooter vielleicht? Nein, das ging nicht, den hatte ihm sein Pate erst im Herbst zum Geburtstag geschenkt. Oder vielleicht seinen grossen Teddy? Aber das ging auch nicht. Seine kleine Schwester hatte dem Teddy mit der Schere am Rücken etwas vom Fell abgezwickt. Den wollte bestimmt keiner haben. Ob er Mickey verkaufen sollte? Seinen Hamster? Aber das ging auch nicht, der gehörte zur Hälfte dem Schwesterlein.

Tommy war ratlos. Ob er Oma um Rat fragen sollte?

Er überlegte weiter und öffnete den Bastelschrank im Esszimmer. Vielleicht gab es da ja etwas, woraus er irgendein Geschenk basteln konnte. Er fand Stifte, buntes Papier, Kleber, Filz, Kerzen, Bänder, Malfarben, Karton, Bast, Glasperlen, aber nichts wollte ihm gefallen.

Enttäuscht ging er in den Keller, und sah sich hier um. Da standen Mineralwasser und Bier. Die Skier lehnten an eine Wand. Ein Schlitten stand da. Und da war auch ein grosser, leerer und sehr stabiler Karton.

Und plötzlich hatte Tommy eine Idee.

Mama bügelte noch kurz im Bügelzimmer Papas Hemden für die Feiertage, der Papa schmückte den Baum, und Mia spielte mit den Legosteinen. Unbemerkt von den andern holte Tommy das rote Geschenkband im Bastelzimmer und nahm sich Schere und Kleber.

Als es Abend wurde, setzte sich die Familie mit Grosseltern und Paten um den Baum. Mama spielte auf dem Klavier. Sie sangen «Oh du fröhliche» und «Stille Nacht» und «Ihr Kinderlein kommet», und der Papa las mit seiner tiefen Stimme, die wie die vom Nikolaus klang, aus der dicken, schönen Bibel mit den tollen Bildern die Weihnachtsgeschichte vor. Gespannt lauschte Tommy, sah vor seinem Auge das Jesuskind auf Stroh in einer Krippe, die erschrockenen Hirten und die singenden Engel.

Das gefiel ihm, er hätte auch gerne einmal einen Engel getroffen. Denn Mama hatte ihm schon oft versichert, dass es die gab und sie den Menschen gut gesinnt seien, und sie die Kinder beschützten.

Als sie mit Singen und Lesen fertig waren, verteilten die Eltern, Grosseltern und Paten, Onkel und Tanten die Geschenke. Mia war noch zu klein um Geschenke zu machen. Bevor jemand fragen konnte, ob Tommy auch etwas für die Eltern hatte, rief er:
«Ich habe auch noch ein Geschenk für Mama und Papa. Aber es war zu gross und zu schwer, um es unter den Baum zu legen. Es ist im Keller. Ihr müsst jetzt fünf Minuten warten, und dann herunterkommen und es euch ansehen und aufmachen!»

Tommy sauste davon und besagte fünf Minuten später stieg die ganze Familie hinunter in den Keller. Gespannt stiessen sie die Kellertüre auf. Dort fanden sie ein grosses Paket mit einer riesigen, roten Schleife drauf.

Von Tommy aber fehlte jede Spur.

Verwundert sahen sie sich um.
Der Vater rüttelte an dem Karton, aber er schien ihm schwer zu sein. Während die Mama nach Tommy rief, merkte der Papa, dass die Schleife auf den Deckelhälften des Kartons angeklebt war und man die Schachtel leicht aufmachen konnte.

Also hob er die Deckteile hoch und guckte in den Karton. Hier erblickte er einen lachenden Tommy, der auch eine grosse, rote Schleife um den Hals gebunden hatte.

Verdutzt guckten alle auf Tommy und der Papa sagte: «Öh…!»

Tommy erblickte lauter fragende Gesichter. Enttäuschung überfiel ihn augenblicklich, er schlug die Hände vor die Augen und fing bitterlich an zu weinen.

Da holte ihn der Papa aus der Schachtel und drückte ihn an sich.

«Was ist denn los, mein Junge, was tust du da?»

Schluchzend und schniefend stotterte Tommy, er habe kein Taschengeld mehr gehabt für ein Geschenk für Mama und Papa. Aber da Mama und Oma doch immer sagten, dass Kinder das allergrösste Geschenk des Himmels seien, hätte er gedacht, er könnte sich ja selbst einpacken und so Mama und Papa sich selbst schenken. Und nun gefalle ihnen das gar nicht und keiner freue sich über ihn.

«Ach Tommy, das ist nicht wahr, wir sind nur überrascht, weil wir nicht mit so etwas gerechnet haben! Das war eine tolle Idee von dir und das großartigste Geschenk, das wir jemals erhalten haben!» Die Mama drückte ihn innig an sich und trocknete seine Tränen. Verstohlen wischten sich die Grosseltern die Augen und die Onkel und Tanten lächelten.

Dann trugen sie den Jungen hoch ins Wohnzimmer.

Sie befreiten ihn von der würgenden Schleife und versicherten ihm, das sei das wunderbarste Geschenk, dass sie jemals zu sehen bekommen hätten.

Etwa eine Stunde später klingelte das Telefon.

Mama ging an den Apparat. Der Onkel aus Kanada rief an, um allen frohe Weihnachten zu wünschen. Zur Mama sagte er: «Na, Sabine, hast du viele Geschenke erhalten?»

Und so hörte die Familie, wie die Mama am Telefon voller Begeisterung zu ihrem Bruder sagte: «Ja Mike, du glaubst es nicht, aber ICH HABE EIN KIND BEKOMMEN!»

© Tommys Geschenk by Marianne Helena Plüss 2016
Bildnachweis: Marianne Helena Plüss

Die Geschichte zum Ausdrucken und zum Vorlesen:
tommys-geschenk

Weihnachtsgeschichten von Marianne Helena Plüss und René Schurtenberger:
Link zum Verlag

Und wer noch nicht genug Weihnachtsgeschichten hat:
DER Blog für Mütter, Mamas, Omas – mit einer Weihnachtsgschichte: «Die Schuld des Weihnachtsbratens»

Behalt es nicht für dich!

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Keine Weihnachtsgeschichte

Weihnachten – wenn wir den Begriff hören, denken wir dann an das Ereignis, das vor zweitausend Jahren in Bethlehem geschah? Oder – haben wir es wie so viele andere auch, schlicht vergessen oder verdrängt? Einfach deshalb, weil es viel zu unglaublich klingt, um wahr zu sein?

Wunder sind unfassbare Begebenheiten.

So nennt man dem menschlichen Geist nicht erklärbare oder unglaubliche Ereignisse «Wunder». Weil wir uns wundern, verwundern, und die dem Menschen vernünftig erscheinende Erklärung fehlt.

Ein Wunder geschieht, wenn Unmögliches möglich wird, wenn in grösster Not, Angst und Hoffnungslosigkeit etwas passiert, mit dem man niemals mehr gerechnet hat. Es ist ein Wunder, wenn Dinge geschehen, die zeitlich so perfekt passten, wie sie menschlich gesehen so niemals planbar und organisierbar gewesen wären.

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Unter einem Wunder verstehe ich also ein ganz besonderes Ereignis in Zeit oder Raum oder beidem zusammen, das meinem menschlichen Verstand, den allgemein üblichen Erfahrungen die wir Menschen machen, der allgemeinen Vernunft, dem üblichen Verständnis und den gegebenen Gesetzlichkeiten von Geschichte, unseren Erfahrungen und der Natur scheinbar oder dann tatsächlich ganz entgegen stehen.

Wir denken beim Wort «Weihnachten» oft zuerst einmal an Besinnung, Geborgenheit, Freude und Frieden. Wir sehen in Gedanken den Weihnachtsbaum, traumhafte Winterlandschaften und hören das Gebimmel der Glocken vom Pferdeschlitten. Wir freuen uns auf Geschenke, die Familie, das gemütliche Zusammensein in der warmen Stube und auf das gute Essen. Wir sitzen zusammen, singen, musizieren und lesen unseren Lieben die Weihnachtsgeschichte und andere schöne Geschichten vor. Das Wunder von Weihnachten aber, das der Welt Frieden und Liebe, Vergebung, Freude, und ewiges Leben bringt und bringen will, scheint aktuell vielen nichts mehr zu bedeuten. Das ist ein herber Verlust. Das Wissen und Kennen der Weihnachtsbotschaft, die uns Menschen geschenkt wurde, hat einen Einfluss auf ein Volk. Dieses wunderbare Ereignis wirkt sich auf das Verhalten, die Sozialkompetenz, die Empathie, die Fürsorge für andere, kurz, auf alle Charaktereigenschaften und Tugenden aus. Seien dies nun Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Höflichkeit, Respekt, Anstand, Fleiss, Achtsamkeit, Sorgfalt und Verantwortungsgefühl.

Für viele Menschen sieht die Realität aktuell hingegen ganz anders aus.

Denn ein Jahr mit vielen Terroranschlägen, Konflikten, Kriegen und unglaublich grausamen und verstörenden Pressebildern liegt bald hinter uns. Zahllos die Menschen, die unter absolut unwürdigen Bedingungen leben müssen. Obdachlos, verfolgt, beraubt, ausgebeutet, vergewaltigt, gefoltert, versklavt, krank, hungrig, frierend, völlig verarmt, auf der Flucht. Hunderte, Tausende, Millionen sind es. Ihre Menge ist unzählbar und unüberschaubar geworden. Die Hälfte der Betroffenen sind Kinder. Kinder! Sie alle sind Opfer von grenzenlosen Radikalismus, von erschütternder Arroganz, Selbstherrlichkeit, Terror, Egoismus, Hab-und Raffgier, Neid, Brutalität, Hass und Lieblosigkeit eines unvorstellbaren Ausmasses geworden. Sie sind Opfer von Tätern, die nicht wissen, was sie wirklich tun. Opfer von Menschen, die es nicht wissen wollen und meinen, das Richtige zu tun, das Recht dazu zu haben, andere zu zerstören und die nicht wissen, was «Weihnachten» ist, dass es «Weihnachten» gibt.

Krieg, Elend, Terror dominieren die Nachrichten

Immer mehr Menschen schalten Radio und TV aus, klicken die Nachrichten weg, weil sie es nicht mehr ertragen. Ohnmächtig muss man zusehen, wie die Regierungen sich nicht einigen können und es mit Hilfe harzt. Keiner will sich die Finger verbrennen, eigene Soldaten opfern, Kosten verursachen. Man sieht zu, wie Diplomaten und Regierungschefs am schicken Tisch im edlen Raum, mit teuren Blumen und Premium-Mineralwasser versuchen, zuerst ihre eigenen Interessen möglichst gut zu vertreten, während zeitgleich auf den Schlachtfeldern und in schmutzigen Camps Menschen darben und am Laufband sterben. Ohne Hoffnung auf Hilfe, ohne Zukunft, ohne Perspektiven. Immer geht es dabei um Macht, Landbesitz, Ansprüche, um Öl, um Geschäfte, kurz zusammengefasst, um Geld. Dazu beim eigenen Volk nicht in Misskredit zu geraten, die Ausgaben im Griff zu halten und nicht den Tod von eigenen Landsleuten verantworten zu müssen, um die eigene Wiederwahl nicht zu gefährden. Man sieht voller Furcht tatenlos zu, wie Grausamkeit und Barbarei grassieren und niemand greift zugunsten von Verfolgten ein. Die eigene Haut ist kostbar, die Angst, das Richtige zu tun, das vielleicht dann doch falsch sein könnte, lähmt. Und so leben wir inmitten einer angstvollen auf der einen und barbarischen Weltgemeinschaft auf der andern Seite, die langsam aus den Fugen gerät. Resignation, Angst und Hoffnungslosigkeit machen sich breit…

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Es scheint, dass der hiesige Normalbürger wenig tun kann. Er kann beten und hoffen. Er kann mit Spenden etwas vom Überfluss abgeben und Hilfswerke unterstützen. Er kann Regierungen und Politiker anschreiben und auf Social Media protestieren. Angesichts der unglaublichen Not scheint aber alles was man tut, schlichtweg nutzlos, und sämtliche fromme, beruhigende und tröstende Floskeln sind gefühlt nichts als hohle Worte.

Die gesamte Menschheit hat furchtbare Zeiten hinter sich.

Die Welt hat nichts gelernt. Trotz genialer, vorher nie da gewesener Errungenschaften. Eine Blutspur zieht sich von einer Generation zur andern. Mächtige, blutrünstige Herrscher kamen und gingen. Völker wurden ausgerottet und unterjocht. Die Menschheit ist und bleibt lernresistent, und man wundert sich, dass sie sich noch nicht selbst ausgelöscht hat.

Das Wissen um diese Tatsache hat wohl Martin Luther (1483-1546) dazu verleitet, zu sagen: «Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.»

Was würde geschehen, wenn viel mehr Menschen erfassen würden, was es heisst, den Sinn von Weihnachten im Herzen zu haben? Würden dann nicht viel mehr Apfelbäume gepflanzt? Würden dann nicht mehr Menschen gerettet und mit mehr Respekt behandelt werden? Würde nicht viel mehr Kindern geholfen werden, und würde nicht viel mehr Gutes getan werden? Würde es nicht weniger Eigennutz, Egoismus, Gewalt, Brutalität, Gier, Neid, Eifersucht und Hass geben? Würden nicht viel mehr Menschen begreifen, dass Schlechtigkeit furchtbare Folgen hat? Und dass jeder Mensch ein Recht auf Zukunft hat?

Wer also weiss, was die Geburt Jesu in diesem armseligen Stall damals in Bethlehem bedeutet, soll sich nicht schämen, die beste Botschaft aller Zeiten von der Geburt Jesu weiterzugeben.

Wie kann man für sich behalten, dass es in dunkelsten Zeiten Hoffnung, Frieden, Vergebung und einen Neuanfang gibt?

Wir sollten fröhlich, stolz und mit Freude davon zeugen, was die Weihnachtsgeschichte in unserem eigenen Leben Gutes ausgelöst hat, welche Wunder uns widerfahren sind, und welche besonderen Führungen wir erlebt haben.

Wer einen Baum ausreisst, hat nichts mehr von ihm. Es bleibt ein Loch zurück. Seine Blüten erfreuen im Frühling nicht mehr. Bienen finden keinen Nektar mehr. Er kann keinen Schatten mehr spenden. Man zersägt ihn, und verbrennt das Holz. Es bleibt nur staubige Asche.

Wo aber ein Baum gepflanzt wird, da pflanzt man etwas für die Zukunft. Denn eines Tages wird er herrliche Blüten und reiche Frucht tragen.

Frohe Weihnachten, Frieden und Gottes Segen!

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Am Anfang war kein Prunk…

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Heilig Abend, Weihnachten. Familien versammeln sich, um gemeinsam der Geburt Jesu zu gedenken. Das heisst, wenn sie den Grund und den Ursprung des Festes noch kennen. Oder dann eben einfach, um sich zu beschenken und ein üppiges Mahl im Kreise ihrer Lieben zu geniessen. Das bedeutet viel Arbeit. Man muss organisieren, einkaufen, putzen und einpacken, und zwar rechtzeitig. Es ist eine logistische Herausforderung, die neben den alltäglichen Arbeiten auch noch bewältigt werden muss.

Diese Tage schrieb mir eine liebe Freundin: „Ich staune jedes Jahr wieder, wie viel Mehrarbeit es für die Frauen bedeutet, alles für ein paar schöne Festtage herzurichten. Oft sind es doch die Ansprüche, die wir Frauen selbst an uns stellen?“

Ich fand, dass das etwas an sich hatte und musste ihr beipflichten. Wir möchten es unseren Familien so schön wie möglich machen, damit alle zufrieden sind. Aber es liegt nicht nur an den Frauen. Auch die Angehörigen haben so ihre Vorstellungen, wie es dann sein sollte. Frauen hetzen sich also enorm ab und sind dann an Weihnachten oft völlig erschöpft. Es braucht deshalb manchmal nur sehr wenig, bis an Weihnachten die Tränen fliessen oder sich ein Konflikt anbahnt. Das muss nicht sein. Wir müssen wieder neu lernen, dass weniger einfach mehr ist.

Wir haben vergessen, wie Weihnachten begann: In einem Stall. Da roch es nicht nach Chanel, sondern nach Mist. Da gab es Staub, Dreck, Heu, Stroh, und sicher jede Menge Ungeziefer. Kein Glitzer, kein Prunk, kein Luxus. Wir müssen daher auch kein Fest der Superlative richten. Es passt also, wenn wir es bescheidener und einfacher versuchen zu halten.

Den Fokus an Weihnachten vermehrt auf Jesus zu richten, auf seine Geburt und das was er für uns auf sich genommen hat, das macht Sinn. Weniger backen, weniger Geschenke, aber mehr Zeit für die Menschen, die man liebt.

Denn Zeit ist kostbar. Uns sind gemessen an der Ewigkeit nur ein paar mickrige Jahre vergönnt. Mit der geschenkten Zeit gut zu haushalten ist heutzutage sehr schwierig geworden. Je älter man wird, um so kürzer werden die Tage, Wochen, Monate und Jahre.

Sich also an Weihnachten Zeit nehmen um mit der Familie zusammen zu sein, um mit Freunden gemütliche Stunden zu verbringen und einfach zu sein. Durchatmen, runterfahren, loslassen. Das möge uns allen gelingen.

Fröhliche, gesegnete und entschleunigte Weihnachten!

Julias Weihnachtsfest

Mein Weihnachtsgeschenk – eine Weihnachtsgeschichte für Sie

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Julia sah dem Weihnachtsfest mit gemischten Gefühlen entgegen. Sehr gerne wäre sie der Familienfeier fern geblieben. Aber ihr fiel keine glaubwürdige Ausrede ein. Es war doch Weihnachten! Da sass man doch friedlich und einträchtig zusammen! Aber bei Julia daheim war das nicht so. Julia war in eine Familie hinein geboren worden, die so ganz anders war als sie selbst. Zwischen Julia, ihren Eltern und ihren Geschwistern gab es keine Gemeinsamkeiten. Alles, was Julia interessierte, fand ihre Familie uninteressant. Und das, was ihre Geschwister und Eltern spannend fanden, gefiel Julia nicht.

Julia war etwas schüchtern, aber hilfsbereit und taktvoll. Sie interessierte sich für Kunst, Kultur und klassische Musik, und für andere Menschen. Ihre Familie hingegen interessierte sich für Volksmusik, Kampfsport und Armbrustschiessen, und in erster Linie für sich selbst. Julia hatte sich damit abgefunden, sich unter ihnen wie ein Fremdkörper zu fühlen. Stets hatte sie sich um ein gutes Verhältnis zu ihnen bemüht. Sie konnte aber tun und lassen was sie wollte, es wurde ihr negativ ausgelegt. Jedes Wort und jede Handlung ihrerseits wurden verdreht und es waren zahllose falsche Behauptungen über Julia im Umlauf. Ausserdem wurde sie immer herum kommandiert und es wurde über sie hinweg bestimmt. Gab es ein Fest zu feiern, war sie die Letzte die davon erfuhr. Man legte das Datum fest, ohne sie zu fragen, ob es ihr dann auch passen würde. Wenn sie dann verhindert war, wurde sie schikaniert. Es fielen Begriffe wie Egoismus und mangelnden Familiensinn. Obwohl sie schon längst erwachsen war, konnte es der Familie in den Sinn kommen, etwas grundlos von Julia zu fordern. Julia realisierte, dass das nicht gut war. Sie müsste endlich Grenzen setzen. Aber das fiel ihr schwer.

Eines Tages stand sie im Garten der Mutter. Sie fotografierte die Blumen. Zur Mutter sagte sie: „Guck, die Kamera ist neu. Ich bin noch nicht so vertraut damit. Ich versuche aber, hier ein paar Fotos zu knipsen und wenn sie einigermassen gut sind, mache ich für dich zu Weihnachten ein Fotobuch. Und den Geschwistern kann ich ja dann zu Weihnachten eine Foto-CD machen, falls ich die Zeit dazu finde. Mal sehen!“

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Das Jahr nahm seinen Lauf und Julia plante wie immer exakt. Ihre Arbeit bedingte dies. Sie hatte nicht viel Spielraum, aber gelernt, damit umzugehen. Ende November würde sie wie immer alle Geschenke eingekauft haben. Danach würde sie noch Zeit haben, das Fotobuch zu machen, vielleicht noch die CDs zu brennen, Plätzchen zu backen und Karten zu schreiben. Sie freute sich darauf.

Beginn November kam eine Nachricht von ihrer Schwester. Mit der Aufforderung, ihr die Foto-CD, die Julia versprochen hatte, gefälligst endlich zu schicken. Sie wolle einen Weihnachtsbrief machen und dazu ein paar von den Fotos verwenden, die Julia im Sommer gemacht hatte. Julia war verdutzt. Der Ton des Schreibens war arrogant, vorwurfsvoll und befehlend. Julia überlegte. Wenn sie damals nämlich keine Kamera dabei gehabt hätte, dann müsste ihre Schwester sich anderweitig Fotos besorgen und wäre erst gar nicht auf den Gedanken gekommen. Julia hatte das einfach zufällig so von sich aus und für sich gemacht. Ihr Vorschlag, den Geschwistern vielleicht eine CD zu machen, verpflichtete sie zu nichts. Wenn ihre Schwester also von dem Garten keine Bilder hatte, dann war das nicht Julias Problem. Heute hatte jeder ein Handy mit Kamera und ihre Schwester immer das neuste Modell. Sie checkte ihren Kalender und sah, dass sie vor Beginn Dezember sowieso keine Zeit hatte, sich damit zu befassen. Sie hatte Wichtigeres zu tun.

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Mitte Dezember war sie dann soweit. Sie war ein wenig enttäuscht, dass die Fotos nicht besonders gelungen waren. Sie versuchte, sie noch ein wenig zu bearbeiten. Aber es brachte nicht viel. Mit den besten Bildern erstellte sie das Fotobuch und brannte die CDs. Aber das Programm bockte und sie musste jemanden fragen, der sich damit auskannte. Als sie dann fertig war, sandte sie zwei CDs an ihre Schwester und erwähnte, dass die Bilder leider nicht so toll waren. Mit der Bitte, eine der CDs dem Bruder, der in Namibia lebte, beim nächsten Urlaub zu geben. Ihre Schwester besuchte ihn fast jährlich. Das fand Julia toll, dass er jedes Jahr von Astrid Besuch erhielt und sie die Möglichkeit hatte, das zu tun. Bestimmt ein gutes Mittel gegen Roberts Heimweh.

Nach ein paar Tagen erhielt Julia eine Nachricht:

„Hallo Julia,

danke für die CD.
Einige Fotos sind wirklich nicht so gut.

Aber erstaunt bin ich doch, was die CD für Robert bei mir soll?
Wieso ich sie monatelang lagern soll?

Hättest du wie ich dir gesagt habe Ende November geschickt, wäre sie nun im Paket nach Namibia, dass ich am 03. Dezember an Robert geschickt habe.

Gewisse Sachen muss ich wohl nicht verstehen!“

Julia schüttelte den Kopf. Ihre Schwester hatte in ihrer grossen Villa nirgends Platz, um bis zum nächsten Urlaub eine Foto-CD aufzubewahren? Und dann schrieb sie auch noch „das“ mit zwei s. Davon, dass Astrid Robert ein Paket senden wollte, davon hatte Julia nichts gewusst. Die Schwester hatte nur von Weihnachtsbriefen gesprochen. Und für die und die unbekannten Pläne ihrer Schwester fühlte sich Julia richtigerweise nicht verantwortlich. Sie beschloss, die arroganten, unhöflichen Worte zu ignorieren.

Julia war es gewohnt, dass man um etwas freundlich bat. Und nicht einfach andere herum kommandierte und frech Dinge forderte. Sachen, die man, weil man selbst gedankenlos und zu faul gewesen war, von andern erledigt haben wollte. Und nun sollte sie mit ihrer Familie Weihnachten feiern? Mit einer Familie, die immer an ihr herum mäkelte, sie auszunützen versuchte und Unwahrheiten über sie verbreitete?

Heilig Abend lief sie also die Strasse zum Haus ihrer Eltern entlang. Es fing sachte zu schneien an. Warmes Licht strömte aus den Fenstern und ab und zu hörte sie Musik, Gesang und Lachen. Julia sehnte sich nach Menschen, die sie mochten und gerne mit ihr zusammen waren.

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Ihr war das Herz schwer. Sie wusste, dass sie am bevorstehenden Abend nichts als Sticheleien zu erwarten hatte. Vorwürfe, die CD nicht schon Ende November gesandt zu haben, und vieles mehr. Man würde ihre Frisur beanstanden, ihr Kleid bemängeln und ihre Figur. Wie jedes Jahr würde sie schweigend das Essen über sich ergehen lassen, sich für die Schokolade bedanken, die sie bekam und dann traurig nach Hause gehen.

Gerade als Julia in die Gasse einbiegen wollte, wo ihre Familie wohnte, stiess sie mit einer Frau zusammen. Sie entschuldigte sich rasch. Dann erkannte sie ihre Nachbarin.

„Frau Seidl, entschuldigen Sie! Ich war so in Gedanken versunken! Ich hoffe, ich habe Ihnen nicht wehgetan!“

Frau Seidl wehrte ab.

„Nein, nein, mir ist nichts passiert!“ In diesem Moment aber fiel das Licht der Strassenbeleuchtung auf Frau Seidls Gesicht. Julia sah, dass Frau Seidl verweinte Augen hatte. Sofort rührte das ihr mitfühlendes Herz.

„Frau Seidl, was ist passiert? Sie haben geweint?“

Kaum hatte sie das gesagt, brach die Frau heftig in Tränen aus und Julia blieb nichts anderes übrig, als sie in ihre Arme zu schliessen. Tröstend tätschelte sie Frau Seidl den Rücken. Und weil die Schluchzer nicht aufhören wollten, fasste sie einen Entschluss.

Sie nahm Frau Seidl am Arm.

„Wir gehen jetzt zu mir. Es ist Heilig Abend und Sie sollen nicht weinen müssen. Lassen Sie uns zusammen in meine Wohnung laufen und dann erzählen Sie mir, was Sie plagt!“

Zu Julias Erstaunen liess Frau Seidl geschehen, was sie vorgeschlagen hatte. Die beiden gingen also den Weg zurück, den Julia gekommen war.

Julia zog den Schlüssel zu ihrer kleinen Wohnung aus der Handtasche und schloss auf. Sie nahm Frau Seidl den Mantel ab und bat sie, auf dem grossen Sessel Platz zu nehmen. Dann nahm sie ihr Handy und wählte die Nummer ihrer Eltern.

„Mama? Ihr müsste ohne mich feiern, tut mir leid. Ich kann nicht kommen, ich war schon unterwegs und musste umkehren. Nein, mir selbst ist nichts passiert, aber jemand braucht gerade Hilfe. Ich komme morgen zu euch. An Weihnachten. Gute Nacht!“
Kurz und bestimmt hatte Julia geredet. Sie hatte noch gehört, wie ihre Schwester gerufen hatte: „Was, Julia kommt nicht? Spinnt die denn jetzt völlig?“

Ihre Familie würde das Fest ohne sie bestens überleben. So konnten sie ungeniert über Julia klatschen.

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Julia setzte Wasser auf und kochte Tee. Sie zündete die Kerzen an dem kleinen Christbaum an und setzte sich zu Frau Seidl.

Dann nahm sie Frau Seidls Hand.

„Jetzt erzählen Sie mir, was los ist!“

Frau Seidl war es nicht recht, Julia von der Familienfeier abgehalten zu haben. Julia aber versicherte ihr, dass sie auf einen Abend, wo man sie eh gedachte fertig zu machen, gut verzichten könne. Und sie würde gerne wissen, ob sie Frau Seidl in irgendeiner Weise helfen könne?

Nervös strich sich Frau Seidl übers Haar.

„Ach, Sie wissen doch, dass ich einen unehelichen Sohn habe. Das war nicht einfach gewesen. Ich habe aber alles für meinen Sohn getan und ihn alleine gross gezogen. Er konnte sogar studieren. Jetzt ist er Anwalt und schämt sich für seine Mutter, die nur eine Hilfskraft und unverheiratet ist. Er hat mich zwar für heute Abend eingeladen, aber mir den ganzen Abend zu spüren gegeben, dass ich eigentlich nicht in sein schickes Appartement und zu seiner mondänen Gattin passe. Ich hatte mich so auf den Abend gefreut. Ich sehe ihn und die Kinder ja kaum, obwohl sie auch hier in der Stadt wohnen. Sie haben mich alle so von oben herab behandelt, dass ich vorgab, starke Kopfschmerzen zu haben und darum bat, mich hinlegen zu dürfen. Danach habe ich einen Zettel geschrieben. Ich bin aus der Wohnung geschlichen, während sie beim Essen waren. Ich wollte nicht, dass es vor den Kindern eine Szene gibt.“

Nun weinte Frau Seidl wieder. Julia war erschüttert. Frau Seidl war eine tolle Frau. Ihr Sohn konnte stolz auf seine Mutter sein! Was die alles geschafft hatte!

Mitfühlend sagte sie: „Weinen Sie nicht, Frau Seidl. Es ist nicht Ihre Schuld, dass er so geworden ist, das ist nicht Ihr Fehler. Menschen wählen es oft selbst aus, wie sie sein wollen. Und Menschen ändern sich nicht, nur weil Weihnachten ist. Wir meinen das, aber es ist nicht so. Sie versuchen nicht einmal, sich besser als sonst zu benehmen. Sie haben nicht begriffen, was Weihnachten genau bedeutet und uns gebracht hat. Jetzt feiern wir zwei eben zusammen. Wir essen jetzt etwas und danach spiele ich auf dem Klavier die alten Weihnachtslieder und wir singen. Einverstanden?“

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Einige Zeit später drang Bratenduft aus der Türe und es erklangen aus der kleinen Wohnung die altvertrauten Melodien, die an Weihnachten aus Tausenden von Stuben erschallen. Und weil es mittlerweile warm geworden war, hatte Julia kurz ein Fenster aufgemacht.

Bald danach klingelte es an ihrer Tür. Julia öffnete. Vor ihr stand Udo Berger, ihr Nachbar. Er war seit kurzem verwitwet. Verlegen entschuldigte er sich. Er stammelte:

„Wir haben Ihre Musik gehört, und die ist so schön, und ich und mein Sohn, der Toni, wir sind so alleine, und…“

Er konnte nicht weiter reden. Tränen liefen ihm über die Wangen. Julia packte ihn kurzerhand an der Schulter und schob ihn in ihre Wohnung. Dann rief sie in die offene, gegenüberliegende Wohnungstüre hinein nach dem Sohn, der sich etwas peinlich berührt, für seinen Vater entschuldigen wollte.

„Sagen Sie nichts. Kommen Sie einfach rein!“ Julia nickte ihm wohlwollend zu und blickte in seine braunen, warmen Augen.

Sie schenkte den Männern eine Tasse Tee ein, versorgte sie mit Gebäck und setzte sich wieder ans Klavier.

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Zu viert sangen sie, bis sie nicht mehr konnten. Julia las die Weihnachtsgeschichte vor. Der Nachbar faltete die Hände und sprach ein inniges Gebet, das allen zu Herzen ging. Dann tranken sie noch ein Glas Wein zusammen. Herr Berger und Frau Seidl lächelten nun wieder, ihre Tränen waren versiegt.

„Vielen Dank, das hat uns so gut getan, nicht wahr?“ Udo Berger blickte zu Frau Seidl hin, und sie hakte sich bei ihm ein.

Sie nickte und beide schüttelten Julia die Hand. Sie drückten sie innig und boten ihr an, sie beide doch beim Vornamen zu nennen. Der Sohn schloss sich dem an.

„Ich hoffe, es war nicht das letzte Mal, dass wir zusammen gesungen haben, Julia. Es war wunderschön!“ Toni blickte sie freundlich an, und Julia wurde ganz warm ums Herz.

Als alle heim gegangen waren, sank Julia müde ins Bett. Sie hatte den Eindruck, von Gott am heutigen Abend eine Art Ersatzfamilie geschenkt bekommen zu haben.

Am nächsten Morgen erhielt sie einen Anruf ihrer Schwester.

„Wie konntest du uns den Heilig Abend nur so verderben? Es ist mit dir immer dasselbe! Du bist eine absolut scheußliche und egoistische Person! Du warst ja nicht einmal in der Lage, mir die CD rechtzeitig zu geben, die ich von dir haben wollte. Du bist total egoistisch. Vollkommen asozial! Was hast du überhaupt für einen Scheiss angestellt, dass du nicht kommen konntest?“

Ohne zu antworten, würgte Julia das Gespräch ab und schaltete das Handy aus. Ihr Blick fiel auf das Bild, das an der Wand hing. Es zeigte Jesus, wie er am Kreuz hing. Jesus hatte sich nicht gerechtfertigt. Er hatte das nicht nötig gehabt. Und Julia fand, sie müsse sich auch nicht rechtfertigen. Was hätte sie auch sagen sollen?

Lächelnd setzte sie sich ans Klavier. Heute war Weihnachten. Vor zweitausend Jahren war Jesus geboren, um den Menschen Frieden zu bringen. Julia war glücklich. Sie summte die ersten Takte, und dann sang sie. Ihre glockenhelle Stimme trug das „Gloria in Exelsis Deo“ in die Welt hinaus.

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Lieber Leser, ich wünsche Ihnen frohe, gesegnete und friedliche Weihnachten. Möge der Friede Gottes Sie auch ins neue Jahr begleiten, und möge es Ihnen und Ihren Lieben gut gehen!

Stresstest oder Stressfest?

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Im September sah ich erste Regale mit Weihnachtszeug. Ich maulte die Verkäuferin an: „Jetzt schon Lebkuchen?“ Sie meinte: „Die Leute wollen es. Sie glauben nicht, wie viel schon weg sind!“ Nein, ich glaubte es nicht. Ich wollte jetzt den Herbst geniessen und keine Lebkuchen! Weihnachten war noch weit weg. Vor November wollte ich nichts davon hören. So wie früher.

Ach, war das schön!
Kurz vor dem ersten Advent holte man die Tannenzweige. Man wickelte Stroh um einen rund geformten Draht, bis alles dick genug war. Dann band man das frische Grün ringsum. Rote Kerzen kamen auf den fertigen Kranz. Am ersten Adventsonntag wurde die erste Kerze angezündet. Dann sassen die Kinder mit andächtigen Blicken vor dem warmen Licht. Das waren kostbare Momente. Heute noch löst die Erinnerung das Gefühl von Geborgenheit aus. Mandarinen gab es erst am Nikolaustag. Mit den Vorbereitungen fing man frühestens ab Ende November an. Obwohl die Tage ausgefüllt waren, meinte man, es dauere ewig bis Heilig Abend. Mit jedem Tag wuchs die Vorfreude. Wo bleibt die, wenn Weihnachten bereits im September beginnt? Was lange dauert, wird fad. Wieso tun wir da mit? Ist uns bewusst, was uns das an Geld, Zeit und Nerven kostet?

Das sind über drei Monate Bluthochdruck. Machen wir es uns doch einfacher! Keine grossartigen Geschenke, dafür mit mehr Liebe.

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Weniger ist mehr
Besser etwas spenden! Von allem etwas weniger, alles bescheidener. Schrauben Sie die Ansprüche herunter. Backen Sie nicht mehr zehn Sorten Weihnachtsgebäck, aber die doppelte Menge. Tauschen Sie die Hälfte Ihrer Zimtsterne mit der Hälfte der Lebkuchen Ihrer Freundin, und Sie haben mit weniger Aufwand genau so viele Sorten wie sonst.

Ein perfektes Fest?
Ihr Weihnachtsfest muss nicht so perfekt sein wie im Fernsehen, bei Möbel Pfister oder Betty Bossi. Sie müssen nicht überall teilnehmen und vor Weihnachten ein Monsterprogramm bewältigen. Sie müssen nicht alle Erwartungen erfüllen. Es gibt kein Schweizerisches Weihnachtsgesetz, das vorschreibt, was angebracht ist oder nicht. Wir selbst sind es, die mit unseren Erwartungen diese ungeschriebenen Ordnungen manifestieren. Die dann manchmal an Weihnachten Streit auslösen, weil es nicht so lief, wie man es sich vorgestellt hat. Weihnachten aber ist das Fest der Liebe, kein Stresstest und nicht das nationale Stressfest! Also, wollen Sie an Heilig Abend völlig erschöpft und mit einem Weinkrampf unter dem Baum zusammenbrechen? Nein? Dann bleiben Sie cool und lassen Sie sich nicht stressen.

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Ich wünsche Ihnen eine schöne und besinnliche Adventszeit!

Dieser Beitrag erschien als Kolumne am 18. November 2014 im Unter Emmentaler

Das Weihnachtsbuch

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Es gibt seltsame Berufe. Ich übe so einen aus. Er bedingt, dass ich viele Dinge im Voraus planen muss. Gedanklich bin ich also im Oktober schon im Januar, im Januar bereits im April, und im April bereits im Juli. So geht es das ganze Jahr. Ziemlich anstrengend. Man lebt in zwei Welten. In der realen, die gerade aktiv ist und passiert, und in der zukünftigen, die man planen muss.

Im Frühling also sass ich wieder einmal im Büro und brütete die  Monatsplanung für den Juli aus. Seufzend meinte ich: „Krass, schon Juli, dann sind es ja keine sechs Monate mehr bis Weihnachten!“
„Pha, hör auf, du hast bestimmt schon die Weihnachtsgeschenke bereit!“ feixte mein Gegenüber.
„Natürlich!“, konterte ich, „sozusagen schon alles fertig!“
„Wie? Du hast die Weihnachtsgeschenke schon eingekauft? Du spinnst ja! Wo die Sommerferien noch nicht mal richtig vor der Tür stehen! Da kriegt man ja die Krise!“ Die Person schnaubte. Ich aber lachte. Dann sagte ich: „Nein, eingekauft habe ich sie nicht!“

Das konnte ja keiner wissen, dass ich angefragt worden war, um an einem kleinen Weihnachtsbuch mitzuschreiben. Und das bereits alles gemacht war.

Ein Weihnachtsbuch? Gute Idee. Das passte perfekt, denn ich hatte bereits einige Geschichten auf Lager. So war der Aufwand nicht sehr gross. Viel schwieriger als das Schreiben aber war das Zeichnen. Denn ich sollte auch die Illustrationen liefern. Nun aber schien draussen die Sonne. Der Himmel war stahlblau und ich sass leicht frustriert im Arbeitszimmer. Bei Sonnenschein im Haus hocken, das war noch nie mein Ding gewesen.

Ich musste mich also trotz fantastischem Wetter mit Weihnachten herumschlagen. Das war sehr eigenartig. Es fühlte sich merkwürdig an. Aber ich brachte es irgendwie doch fertig, mich gedanklich in den Winter hinein zu versetzen. Ich hörte das Knirschen des Schnees unter meinen Füssen, roch den Geruch der Tannenzweige, sog den Duft von frisch gebackenen Zimtsternen ein und hörte im Geist die Kirchenglocken, die zum Gottesdienst an Heilig Abend riefen.

So ging das Malen und Zeichnen plötzlich wie von alleine. Ja, ich geriet richtig in Weihnachtsstimmung, und als meine Familie hörte, dass ich bei dreissig Grad im Schatten „Stille Nacht, Heilige Nacht!“ vor mich hin summte, tippte sie sich an den Kopf…

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Dies und jenes probierte ich aus – nicht wissend, ob das gedruckt dann auch nett aussehen würde. Ein Glöckchen, ein Geschenk, ein niedliches Rentier, Sterne, Tannenbäume, Lebkuchen…

Ich hatte mir Aquarellpapier besorgt und meine kostbaren und teuren Aquarellfarben hervor gekramt. Im kurzärmeligen T-Shirt, in ausgefransten alten Shorts und Badeschlappen malte und entwarf ich also fleissig und bei sommerlicher Hitze Weihnachtsmotive. Dann legte ich alles hübsch zurecht, fotografierte die Ergebnisse und sandte die Vorschläge dem Verlag zu. Nicht ohne vorher noch den Mitautor und Initianten um seine Meinung gefragt zu haben. Ich musste ja wissen, ob das überhaupt ankam. Es schien zu gefallen und ich konnte aufatmen. Ende Juni war Abgabetermin und wir würden ihn einhalten können. Ein Wermutstropfen aber blieb. Aus Kostengründen würden die kleinen Motive nur schwarzweiß gedruckt werden.

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Mein Künstlerherz blutete. Aber ich verband die Wunde, indem ich mir selbst Trost zusprach. Es gibt eben Dinge, die sind zu teuer. Und man stirbt nicht, wenn nicht alles so realisiert werden kann, wie es am besten wäre. Kurz darauf folgte das „Gut zum Druck“. Meine Weihnachtsgeschenke gingen in Druck, und würden spätestens Ende November fertig sein.

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Mein Rudolf, für Renés Geschichte in unserem Buch

Ich konnte also den Rest des Jahres geniessen, den wunderbaren Herbst und seine Farben, und die Wochen bis Weihnachten. Wenn das keine gute Sache war, die Weihnachtsgeschenke schon im ersten halben Jahr zu besorgen! Danach, ja danach konnte man sich getrost zurücklehnen, und die restlichen Monate des Jahres mit anderen Dingen ausfüllen. Mit Dingen wie im Herbst Pilze sammeln, Konzerte und Lesungen besuchen, ins Kino gehen, und an sonnigen Wintertagen im EMMENTAL wandern und fotografieren. Oder einfach daheim gemütlich auf dem Sofa hocken. Ich geniesse den Advent. Wie schön ist es doch, abends bei Kerzenschein und Weihnachtsmusik rum zu lümmeln und ein Glas Wein oder eine Tasse heissen Tee zu trinken und ein gutes Buch zu lesen.

Nur – ein einziges Problem, das ist mir noch geblieben: WAS schenke ich NÄCHSTES Jahr? Ich muss doch jetzt schon daran denken, wenn ich dann Ende Juni damit fertig sein will…

Der Weihnachtswunsch und andere Weihnachtsgeschichten
Marianne Helena Plüss
René Schurtenberger

IL-Verlag, Nov. 2013
http://www.il-verlag.com
Hardcover 110 S.
ISBN: 978-3-905955-91-0
16.90 CHF
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