Zwei volle Tage wollte ich mit der Kamera durchs EMMENTAL pirschen. Durch die lieblichste Gegend der Schweiz. Aber das Wetter war gegen mich. Es fand zu Hause sozusagen gar nicht statt. Sommer war gemäss der Applikation auf meinem Smartphone überall auf der Welt, nur hier nicht. Das war also der falsche Ort. Und an einen falschen Ort geht man nicht hin. Auch wenn man ihn gnadenlos und leidenschaftlich liebt.
Also fährt man weg. Nach Hessen. Denn dort regnet es auch. Wo aber keine Berge sind, da hängen die Wolken nicht so tief. Man kann dann trotzdem ein paar Bilder machen.
Man rast also voll in den hessischen Regen hinein. Erlebt man nämlich gerade nichts, hat man nichts, worüber sich zu schreiben lohnt. Wenn also nichts geschieht, dann muss man etwas Mutiges tun, damit etwas passiert.
Auch andernorts gibt es überwältigende Landschaften, die das Herz berühren. Auch bei schlechtem Wetter. Und dazu gehört die Gegend rund um Gießen in Hessen.
Es ist seltsam, dass mir so etwas gefällt, auch wenn es Unkraut ist. Das heisst jetzt aber nicht, dass ich wegen Unkraut nach Hessen gefahren bin…
Ausblick von der Grüninger Warte bei Regen – Kornfeld in Hessen, Wetterau. Wenn fotografisch auch in die falsche Richtung, finde ich es doch irgendwie hübsch…
Regen ist nötig, denn wo es regnet, da gibt es auch Leben. Wenn es Zeiten gibt, wo es nur regnet, hat das auch sein Gutes. Es entsteht keine zweite Wüste Gobi. Ich will jetzt auch wissen, ob es in andern Ländern gleich regnet wie daheim. Denn, vielleicht ist der hessische Regen ja anders? Bunter, heftiger, größere Tropfen vielleicht? Und vielleicht riecht er ja nach etwas Unbekanntem? Nach Handkäse mit Musik? Oder er schmeckt vielleicht ein wenig wie die berühmte grüne Soße, die man in Hessen gerne isst und die so wunderbar schmeckt? Oder er riecht wie daheim? Einfach nach Regen?
Das ist Handkäse mit Musik – ein kalorienarmer Käse mit einer Zwiebelmarinade. Köstlich. Für unwissende Schweizer: Die Zwiebeln machen die Musik. Es steht also kein Geiger da, der während dem Essen spielt.
Gebeutelt vom hessischem Wind – steht im Feld ein Schweizer Kind
Foto: Thomas Falkenrodt
Wer schreiben will, der muss zuerst etwas erleben. Von nichts kommt nichts. Geschichten entstehen nicht aus dem Leeren heraus. Erzählungen formen sich zu Worten aus Erlebtem. Was uns emotionell beschäftigt, macht Bilder im Kopf. Die Bilder werden zu Worten. Die Worte zu Sätzen. Sie finden den Weg vom Kopf in die Finger. Dann fliessen sie durch die Tasten auf den Screen. Und von da in die ganze Welt hinaus.
Getreidefelder sind faszinierend – und auch bei Regen schön…
Wer noch nie in Hessen war und nicht weiss, wo er den Sommerurlaub verbringen will, fährt am besten dorthin. Die Gegend ist traumhaft schön. Dann besucht man auch gleich noch die Landesgartenschau in Gießen:
http://www.landesgartenschaugiessen.de
Ach ja, bevor ich es vergesse. Hessischer Regen hat keinen Geruch und keinen Geschmack. Er ist wie der Regen daheim. Nass.









