Das Ende ist nahe

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Was hier apokalyptisch klingt, ist keineswegs so gemeint. Sondern positiv. Denn ja, das Ende des Winters ist in Sicht! Bald wird der ganze Schnee von gestern sein. Schlechtwettertage mit Schneefall oder Regen wechseln sich mit fantastischen Wintertagen ab, die Tausende auf die Pisten locken. Die Tage werden endlich länger. Wir kriegen mehr Licht ab. Das tut gut. Man kriegt wieder Lust, sich draussen zu bewegen. Die ersten Aufrufe zum Abspecken von dem, was sich im kalten Winter zu Isolationszwecken auf den Hüften angesammelt hat, haben uns auch schon erreicht. Bereits sieht man einzelne, verkniffene Gesichter, die mittags mürrisch vor einem nackten Salatblatt und gärendem Grüntee hocken.

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Es gibt Besseres, als blöde Diäten mit Jo-Jo-Effekt. Viel Bewegung und Sport sind immer gut. Hoch vom Sofa. Den Fernseher einmotten, die Sportschuhe hervor holen. Raus in die Natur. Sich an der Schöpfung freuen. Nochmals auf die Skier, Schneeschuhwandern. Die letzten Wintertage in ihrer ganzen Schönheit geniessen, dann mit Power rein in den Frühling, und hinaus ins erwachende Grün! Die ersten Schneeglöckchen haben wir schon gesichtet. Also, Schluss mit dem Winterblues. Geben wir dem „Wir-können-die-Welt-erobern“-Gefühl vollen Raum. Winter ade! Es war echt schön mit dir.

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Winter und Wandern – EMMENTAL

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Wandern im Winter. Nirgends geht das besser als im EMMENTAL. Viel Schnee, eine wunderschöne, romantische Landschaft. Stille und Ruhe. Die ideale Gegend, um sich vom Alltag auszuklinken. Bewusst stelle ich mich auf die Lautlosigkeit ein. Jedes Geräusch nimmt man hier wahr. Einen bellenden Hofhund, der sein Revier verteidigt. Weit entfernt eine Motorsäge. Ein Trecker, der von einem abgelegen Hof weg tuckert. Die Kirchenglocken, und ab und zu ein Auto.

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Die kalte Luft scheint jeden Klang weit und klar über das Land zu tragen. Es gibt hier kaum Verkehrslärm. Und nachts ist es dunkel wie in einem Kuhmagen. Gefühlt scheinen hier Tage und Stunden länger zu dauern. Das muss an der Landschaft liegen. Die sanfte, hügelige Hoflandschaft des EMMENTALS weckt Heimatgefühle. Die mächtigen, schneebedeckten Dächer strahlen Geborgenheit aus. Wer hier geboren wurde, kehrt immer wieder zurück. Er lässt einen Teil seines Herzens hier.

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Hyperaktive Städter geraten leicht in Versuchung, das Leben hier als langweilig zu bezeichnen. Sie sind die Stille nicht mehr gewohnt. Sie wird als beängstigend empfunden. Langeweile definiert man als etwas Aufgezwungenes, das Unlust und Unwohlsein auslöst. Dagegen kann man aber meistens etwas tun. Nämlich die Fähigkeit entwickeln, in sich selbst zu ruhen und einfach mal zu sein.

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Je weniger man bereits als Kind geübt hat, selbst mit freier Zeit umzugehen, desto rascher verspürt man Langeweile, wenn man nicht von außen bespaßt wird. Wer also hierher kommt und Langeweile hat, weiss nicht, dass es auch genussvolle Muße gibt. Er bleibt dann besser in der Stadt.

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Den Lebensmittelpunkt aber auf einem der Höfe des EMMENTALS zu haben heißt, nicht zum Entspannen hier zu sein. Wer auf einem der abgelegenen Betriebe lebt, muss sich organisieren. Der Supermarkt liegt nicht gleich um die Ecke. Die oft mehrere hundert Jahre alten Häuser müssen der Nachwelt erhalten werden. Sie sind wertvolles Kulturgut.

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Der Unterhalt der alten Bausubstanz ist aufwendig und kostspielig. So sind die Bewohner oft in mehreren Berufen tätig, um genügend Einkommen zu haben. Das Leben ist teuer geworden. Ein kleiner Prozentsatz der ehemaligen Bauernschaft arbeitet noch als Landwirt. Es gibt immer weniger davon, weil dieses Leben nicht bequem ist. Die verbleibenden Bauern pflegen also die Landschaft, Äcker, Wiesen, Felder, Wald und das Vieh. Daneben arbeiten oft beide Elternteile wie auch die junge, nachfolgende, den Hof weiterführende Generation in einem weiteren Beruf. Man findet alles. Von der Krankenschwester bis zum LKW-Fahrer. Die Zeiten wie vor hundert Jahren, wo ein mittlerer Hof eine Grossfamilie zu ernähren vermochte, sind vorbei.

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EMMENTALER sind arbeitsam und machen nicht viele Worte. Nachbarschaftshilfe ist selbstverständlich. Das Klima prägt die Menschen. Sie sind das eher raue Klima, die strengen Winter gewohnt. Sie kommen gut mit viel Schnee klar. Wintertaugliche Fahrzeuge mit Vierradantrieb und Schneeketten fehlen nirgends.

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Hier kennt man sich noch und grüßt jeden. Wer mir begegnet, sagt einen Gruß, winkt oder nickt aus dem Auto heraus. Egal, ob er mich nun kennt oder nicht. So ist es Brauch. Wer hier nicht grüßt, schadet sich selbst.

EMMENTAL – ein schützens- und erhaltenswertes Landschaftsbild von nationaler Bedeutung. Aber – vielleicht sollte man es nicht allen sagen, wie schön es hier ist.

Sonst gehen womöglich alle hin…

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Winter im EMMENTAL

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Auf der Lüderen – mit Blick auf die Alpen – mit Eiger – Mönch – Jungfrau

EMMENTAL – hügeliges Land rund um den Napf, zwischen Voralpen und Mittelland gelegen – nirgends ist es schöner. Hier ist es das ganze Jahr einzigartig, sogar im Winter. Eigentlich sollte man das für sich behalten und nicht allen erzählen – wie schön es im EMMENTAL ist. Aber – wes des Herz voll ist, des geht der Mund über – und es gibt Dinge, die will man gerne mit den Menschen teilen, die man mag. Einfach, weil es so wunderbar ist…

Zugegeben, es gibt auf unserem wundervollen Planeten zahllose traumhafte Orte. Der Reiseführerverlag Lonely Planet hat für 2014 in der neunten Ausgabe seines Reisejahrbuchs „Lonely Planet’s Best in Travel“ die zehn Top-Destinationen dieser Erde aufgelistet. Und es gibt sie, diese Reiseziele, diese grandiosen Landschaften, die uns den Atem rauben. Wer die Möglichkeit hat, einen dieser umwerfenden Orte zu besuchen, wird mit Bestimmtheit unvergessliche Erinnerungen mit nach Hause nehmen.

Mit „nirgends ist es schöner“ meine ich aber eine Destination, die man immer wieder besuchen kann, ohne dass die Reise dorthin einen finanziell ruiniert. Damit ist eine Gegend gemeint, die der Seele mit ihrem Charme stets aufs Neue gut tut. Eine Landschaft, die uns den Alltag mit seiner Hektik und dem vielen Stress vergessen lässt. Denn – im EMMENTAL ticken die Uhren gefühlt irgendwie anders…

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Mit Buchen wird im Napfgebiet seit Jahrhunderten die Grenze zwischen den Kantonen Luzern und Bern markiert

Hier gibt es noch das Ding, das man STILLE nennt. Alles geht ein wenig gemächlicher. Es gibt hier keine hektischen Städter, die sich das Drängeln und das ungeduldige Hupen wegen einem Nichts zur Lebensaufgabe gemacht haben. Denn Stille und Gemächlichkeit sind vielen abhanden gekommen. Viele Menschen wissen nicht mehr, wie es klingt, wenn nichts als Stille zu hören ist. Und weil es hier still ist, kann das Ohr im Winter noch wahrnehmen, wie der Schnee unter den Schuhen knirscht, nachts ein Käuzchen schreit und irgendwo in der Ferne ein Hund bellt. Im Sommer hört man abends noch das Zirpen der Grillen, und tagsüber in Wald und Feld das Summen der Bienen und Insekten. Hier kann man sich noch an einem Waldrand ins Gras legen, den vorbeiziehenden fantastischen Wolkengebilden am endlos weiten Himmel zugucken, nachts die Milchstrasse bewundern und die Geräusche der Natur in sich aufnehmen. Im EMMENTAL werden keine Prozesse von Anwohnern wegen störendem Gebimmel von Kuhglocken und Kirchenglocken geführt, oder weil Kinder sich am Hang mit Ski und Schlitten tummeln. Denn in dieser Stille erträgt der Mensch diese Klänge und sie sind uralter Bestandteil der heimischen Kultur. Das EMMENTAL ist der ideale Ort, um sich zu entschleunigen.

Es drängt sich auch ein weiterer Gedanke auf – wenn Gott am siebten Tag von allen seinen Werken ruhte, dann muss er das im EMMENTAL getan haben…

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Chuderhüsi – Blick vom Aussichtsturm – der dunkle, etwas eckige Berg links ist das Stockhorn

Das EMMENTAL hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Die Atmosphäre hier kann einen leicht wehmütig und melancholisch werden lassen, denn die sanfte Landschaft berührt das Herz. Man fühlt sich hier geborgen, daheim, angekommen, hegt nostalgische Gedanken und kriegt Sehnsucht nach dem Unbekannten, das uns vermeintlich noch fehlt. Man bekommt den Eindruck, dass Gott diesen Flecken Erde mit ganz besonderer Sorgfalt und einer grosser Liebe zum Detail gestaltet hat.

Wer also dazu bereit ist, sich auf eine Region abseits der mondänen Touristenorte einzulassen, wird unweigerlich rasch ihrem ganz speziellen Reiz erliegen. Im EMMENTAL gibt es sie nicht, diese großartigen und beeindruckenden Viertausender, welche Flachländer so in ihren Bann ziehen. Hingegen findet man viele schöne Aussichtspunkte. Von den oft rundlich geformten Hügeln aus hat man einen fantastischen Blick auf die mit ewigem Schnee bedeckten Gipfel. Oft sind die Berge aus einer gewissen Distanz fast schöner, als wenn man mitten in ihnen hockt. Man hat dann das ganze, überwältigende Panorama vor sich und kann sich daran kaum satt sehen. Es hat im EMMENTAL keine prächtigen Seen, dafür aber zahlreiche Täler mit kleineren Flüssen, wilden Bächen, die bei Unwetter zu reißenden und zerstörerischen Wassern anwachsen können. Dann kleine, beschauliche Dörfern mit den alten, im typischen Berner Baustil erbauten Häusern. Nicht zu vergessen sind die vielen gemütlichen Restaurants, in denen man ausgezeichnetes Essen kriegt und die oft seit Generationen von der gleichen Familie geführt werden.

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Hier sieht man am Horizont den Pilatus

Besonders prägend fürs EMMENTAL ist die eben erwähnte Bauart der stattlichen Bauernhäuser. Mit auf den Seiten bis fast auf den Boden reichenden Walmdächern scheinen sie sich geradezu an die Hänge anzuschmiegen. Sie sind aus Holz gebaut, nach uralter, seit Generationen gepflegter Zimmermannskunst errichtet. Harmonisch sind sie in die Landschaft eingebettet, inmitten von Weiden, Wiesen und Obstbäumen. Sie sind groß, behäbig, viele hundert Jahre alt und meistens leben mehrere Generationen unter einem Dach. Im Winter tragen die riesigen Dächer der Höfe die dicke Schneeschicht stolz wie eine dicke Kappe.

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Auf der Lüderen, Aussichtspunkt im EMMENTAL, Anfahrt von Langnau i. E. oder Wasen i.E.

Winter im EMMENTAL – die Jahreszeit, wo man im hier ohne Schneeketten nicht überall hinkommt. Einige höher gelegenen Höfe und Alpen werden nur im Sommer bewohnt und bewirtschaftet. Dennoch kann man auch in der kalten Jahreszeit hier wandern, dem Langlauf frönen, Schneeschuh laufen, fotografieren und wunderbar essen. Und vor allem die unglaubliche Ruhe genießen. Kein Verkehrslärm, keine Staus, keine Autobahn, wenig Menschen. Nichts als Ruhe, Stille und eine sagenhafte Landschaft.

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Eriswil – das Dorf meiner Vorfahren – Märchenland meiner Kindheit – Copyright by J.A. Plüss

Deshalb – lieber Leser, sollten wir eigentlich nicht allen möglichen Leuten sagen, wie schön es im EMMENTAL ist. Sonst fährt jeder hin. Wollen wir das wirklich? Aber – ich konnte es auch nicht lassen, davon zu erzählen. Ich habe deshalb schon Brasilianer, Amerikaner, Israelis, Deutsche, Serben, Holländer und einen Franzosen ins EMMENTAL geschleppt. Denn, wer das EMMENTAL nicht gesehen hat, der hat NICHTS gesehen und nicht richtig gelebt. Und, ist es nicht so, dass es Dinge gibt, die man mit denen teilen soll, die ein Auge für die Schönheit dieser Welt haben? Denn geteilte Freude war doch schon immer doppelte Freude!

Auf ins EMMENTAL!

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Auf dem Wanderweg von Huttwil nach Eriswil – Richtung Belzhöhe – Copyright by J.A. Plüss