Stress mit Valentin

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Wo man auch hinsieht, überall die Farbe ROT. Es wimmelt nur so von Herzen und roten Rosen. Valentinsblumen, Valentinskuchen, Valentinsherzen, Valentinsschmuck, Valentinsringe, Valentinskarten.

Der Valentinstag soll auf einen oder mehrere Märtyrer mit dem Namen Valentinus zurück gehen. Mindestens einer wurde gemäss Überlieferung mittels Enthaupten umgebracht.

Viele Bräuche haben einen Ursprung, der dann schlussendlich mit dem was daraus geworden ist, nicht mehr viel zu tun hat. Der Weg von einem abgeschnittenen, blutigen Kopf bis hin zum Tag der Liebenden ist nicht ganz nachvollziehbar. Wikipedia liefert die Erklärung dazu wie es denn von der Enthauptung des Märtyrers, dann über die Paarung der Vögel und Segnung der Eheleute bis hin zum heutigen Konsumtag kam. Glaube, Aberglaube, Katastrophen, Unkenntnis, Furcht vor Unglück und der Lauf der Jahreszeiten generierten über Jahrtausende Bräuche und Traditionen. Feste, die den Jahresverlauf unterbrechen und für Höhepunkte sorgen.

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Mit guten Marketing und Cleverness kann man einen Brauch in den Köpfen der Menschen etablieren. Das haben die Floristen und Schokoladefabrikanten geschafft. Ähnlich dem Muttertag, dessen Begründerin ihn deshalb am liebsten wieder abgesetzt hätte.

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Klopapier für den Valentinstag. Darauf haben wir alle gewartet.

Die Marketingabteilungen der Blumenhändler und Süsswarenhersteller haben ganze Arbeit geleistet. Ihre Strategie war ein Erfolg. Es müssen absolute Frauenversteher sein. Sie haben die ewige Unsicherheit jeder liebenden Frau, ob sie sich denn der Liebe ihres Partners und Geliebten wirklich sicher sein kann, voll ausgenützt. Der Valentinstag ist über Tage hinweg allgegenwärtig.

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Gefühle schenken. Im Auftrag des Detaillisten.

Der unterschwelligen Botschaft unterliegen wir. Wer liebt, schenkt etwas. Wer geliebt wird, wird beschenkt. Irritationen da, wo man Valentin boykottiert.

Stolz zeigt man den Blumenstrauss, den man gerade bekommen hat. Blumen, die bestimmt an diesem Tag ein Drittel mehr gekostet haben als eine Woche vorher.

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Man ist happy, fühlt sich geliebt und bestätigt. Und vergisst, dass man Tage davor diskret darauf hingewiesen, dass der Valentinstag vor der Türe steht. Die Kolleginnen könnten nämlich fragen, was man erhalten hat. Wer nicht mitmacht, wird besorgt gemustert. Seine Beziehung scheint folglich zwingend ungut zu sein.

Das Beziehungsglück steht und fällt also mit dem Valentinstag? Wie und ob man ihn zelebriert, steht für die Qualität der Beziehung? Wer nichts kriegt oder nichts schenkt, hat ein Problem? Die intensive und uns überall entgegenspringende Werbung suggeriert uns Wochen vor dem 14. Februar, was wir für unser Glück an einem ganz bestimmten Tag im Jahr brauchen: Valentin, Rosen, und Herzen.

Ehrlich, ich steh nicht so drauf. Ich lege mehr Wert darauf, dass mir mein Lebensgefährte das Jahr über ab und zu etwas abnimmt. Den schweren Wäschekorb oder den vollen Müllsack.

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Subtil wird hier die Hoffnung auf Sex geschürt.

Seine Liebe zu zeigen, ist zum Glück nicht auf einen einzigen Tag im Jahr beschränkt und an den Valentinstag gebunden – ein Tag, der in erster Linie dazu da ist, um nach dem Januarloch die Kassen zu füllen. Geschenke zu kriegen, ist immer nett. Im Gegensatz zu Weihnachten, das für alle da ist, scheint der Valentinstag in seiner heutigen Version hingegen nur für Paare erdacht worden zu sein. Irgendwie ätzend für die, die niemanden haben.

Valentin kann Stress machen. Den Männern, die erst gerade Kopfzerbrechen mit dem Beschaffen vom Weihnachtsgeschenk hatten.

Valentin kann Stress verursachen. Den Frauen, die hoffen und bangen, ob sie denn etwas geschenkt bekommen, und dann sicherheitshalber den Liebsten unter Druck setzen.

Valentin kann denjenigen Stress machen, die gerne eine Beziehung hätten und bisher glücklos waren.

Valentin löst Erwartungen, Wünsche und den Drang nach Bestätigung aus.
Aber – Valentin macht die Beziehung nicht sicherer, nicht besser, nicht stabiler. Punkt.

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Im Februar Liebeskuchen mit Erdbeeren, die hierzulande erst im Juni reifen.

Jeder will hören, dass er geliebt wird. Dies nicht nur an einem bestimmten Tag, verknüpft mit einer Erwartungshaltung, mit Druck und Beschaffungsstress.

Freiwillige und unerwartete Liebesbeweise sind im Gegensatz zum Massenereignis EXKLUSIV und EINZIGARTIG.

Dagegen kommt auch Klopapier mit rosa Herzen nicht an.

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Ein Gedanke zu „Stress mit Valentin

  1. klasse beitrag wieder, was mich besonders freute, “ erdbeeren im februar“, ja die reifen weder in der schweiz noch in deutschland um diese zeit. haben viele verbraucher vergessen, sie brauchen alles und immer das ganze jahr.

    lg von der alb

    heike

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